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Zion · 1930-01-01 · 1 (1.1930) · p. Seite 5

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Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
1 (1.1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1 Z I O N Seite 5 könnte und die zukünftige Arbeit in Deutschland unter solcher Leitung empfindlichen Schaden nehmen müßte. Daß auch diese beiden Gruppen sich dieser Tatsache bewußt waren, ging aus den langandauernden Verhandlungen um eine breite Koalition deutlich hervor. Wir durften, allein aus dieser Tatsache den Schluß ziehen, daß auch der politische Einfluß des Mißrachi, wenn er in die Leitung mit hineingeht, ein so starker sein wird, daß wesentliche Forderungen der bisherigen Opposition durch ihn durchgesetzt werden können. Die Unterstützung der gegenwärtigen Politik der Zionistischen Exekutive scheint uns durch die politische Debatte von der Mehrheit der deutschen Zionisten so stark gefordert, daß wir die Ueberzeugung haben, daß die Leitung der Z. V. f. D. in diesem Punkte keinesfalls eine andere Politik wird machen können, als wie sie uns und dem größten Teil der bisherigen Oppositions-Koalition auch schon vor dem Delegiertentag notwendig erschien. Wir haben daher zu unseren bisherigen politischen Gegnern und zu unserer eigenen Kraft als Mitträger der Verantwortung das Vertrauen, daß die neuen Richtlinien der Politik auch in die Tat umgesetzt werden. Der zweite Gesichtspunkt für unsere Entscheidung war die Tatsache, daß die politischen Gründe, die uns in Opposition zur Leitung der Z. V. f. D. gebracht hatten, nicht zwangsläufig mit misrachistischer Anschauungsweise verbunden s:in müssen. Die Gründe des Zusammenschlusses von Zionisten im Misrachi liegen auf einem anderen als auf politischem Gebiet. Zur Anerkennung kultureller und traditioneller Postulate können wir eine Gesamtheit der Misrachisten kraft unseres Programms verpflichten; nicht aber zur Anerkennung politischer Forderungen. Nur dann könnten wir von unseren Freunden verlangen, daß sie die letzte Konsequenz aus einer politischen Konstellation, in die wir uns gestellt haben, ziehen sollen, wenn wirk i h m.'s a. h'shsche Grundprii zij. ien ernsthaft in Gefahr kommen. Dies schien uns nicht der Fall zu sein bei einer Besetzung der leitenden Körperschaft dr Z. V. f. D., wie sie im letzten Stadium des Jenaer Delegiertem ages ermöglicht wurde. Aus diesen Erwägungen heraus hat sich der Misrachi entschlossen, in den Geschäftsführenden Ausschuß einzutreten und wir hoffen, daß es unseren Vertretern dort möglich sein wird, eine Arbeit zu leisten, die zur größeren Befriedigung im deutschen Zionismus führen wird. Wir sind auch davon überzeugt, daß unsere speziellen misrachistischen Forderungen an die Z. V. f. D. bezüglich Kulturarbeit, Gemeindearbe't und Erfassung wei:er traditioneller Kreise für den Zionismus, in dc,r jetzigen Leitung Verständnis und Anerkennung finden werden. Eine Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens und der Anerkennung des ernsten Willens zu verantwortlicher zionistischer Leistimg ist erste Voraussetzung zu einer gedeihlichen Arbeit. Was an uzis liegt, eine solche Atmosphäre zu schaffen, wird getan werden. Persönliche Erinnerungen an Franz Rosenzweig. Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem. Die folgenden Zeilen erheben in keiner Weise den Anspruch, auch nur die umrahmenden Striche eines Lebensbildes dieses Großen in Israel zu geben. (Das habe ich an anderer Stelle versucht.) Sie sollen vielmehr einiges von Rosenzweigs Stellung zu den Problemen und Wirklichkeiten der jüdischen Tradition hervorheben und mit persönlichen Erinnerungen illustrieren. Ich sah Rosenzweig zum ersten Mal im Hause des verewigten Rabbiners Nobel in Frankfurt am Main, der mein Lehrer werden sollte und schon damals der seine war. Es war wohl an einem jener unvergeßlichen Sabbathmorgen-Frühstücke, da sich ein engerer, aber immer noch recht weiter Kreis von Verehrern und Jüngern um Nobels geliebte Gestalt sammelte, besonders dann, wenn eine Predigt vorangegangen war und damit der geistige Mittelpunkt des Gespräches so sehr von selbst gegeben war, daß der Hausherr sich, wie er es liebte, schweigend, schmunzelnd, lauschend verhalten durfte. War er doch, wie jeder ganz große Redner von Gottes Gnaden, ein im Grunde tief einsamer, schweigsamer Mensch. Aber Rosenzweig ließ ihm nicht lange Ruhe. Er hatte in dieser ersten Zeit seines Frankfurter Aufenthaltes — es war wohl 1921 —. besonders viele Fragen, die den Siddur und das Machsor betrafen. Zwar waren nicht nur „Hegel und der Staat", sondern auch schon „Zeit is^s!" und „Der Stern der Erlösung" längst geschrieben und gedruckt. Rosenzweigs jüdische Legitimität a'so bereits an hohem Denken und reichem Wissen erwiesen, aber er fühlte sich trotzdem durchaus als Lernender — wenn auch in gehörigem Abstand von uns ,.Talmud-Füchsen'\ Dieser Abstand kam besonders eindrucksvoll bei dem allmorgendlichen Talmud-Scheur zum Ausdruck, den Rosenzweig mit der ihm eigenen Pünktlichkeit und Hartnäckigkeit besuchte. Er stellte hier niemals, wie es wohl vrn anderen Teilnehmern geschah, pilpulistische Fragen, die nur als Selbstzweck zu verstehen waren und die ich Nobel durchaus nicht liebte, sondern dran,, trotz noch wenig ausgedehnter Kenntnisse, in in. r sehr tief in den eigentlichen Gegenstand ein. Ei ad ritt so rasch vorwärts, daß Nobel auf den Gedanken kommen konnte, er solle Rabbiner werden — ein Plan, der allerdings von seinem ersten Auftauchen an nicht das geringste Entgegenkommen bei Rosenzweig fand. Dieser wollte vielmehr in ganz anderer, neuartiger Weise dem Judentum, und seiner Erneuerung dienen: durch die Uebernahme des „Freien Jüdischen Lehrhauses" in Frankfurt am Main, das schon vorher bestanden hatte und zu

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