Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 1 (1.1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Z I 0 N Nr. 1 Tagung, wenn Blumenfeld vor der Abstimmung der Resolution der Kollenscher-Gruppe-Misrachi die Erklärung abgab, mit der Ablehnung dieser Resolution verbinde er als Vorsitzender der Z. V. f. D. die Vertrauensfrage. Auch diese Resolution spricht nur von der Arbeit der Zukunft, stellt sich uneingeschränkt auf den Boden der Darlegungen Weizmanns, benutzt sogar in den wesentlichen Punkten die Weizmannsche Terminologie. Verlangt allerdings, daß die Haltung der „Jüdischen Rundschau" in Einklang gebracht wird mit den Grundsätzen, die Weizmann und die Z. V. f. D. für richtig befunden haben. Kein Wort von Kampf oder Streit, nur positive Forderung, deren Inhalt von fast allen Seiten in der vielstündigen, auf ausgezeichnetem Niveau stehenden Debatte als richtig erkannt war — und die Ablehnung dieser Resolution sollte das Vertrauensvotum für die bis;- herige Politik und Arbeit der Leitung der Z. V. f. D. darstellen? Es ist nicht richtig, wenn man die persönlichen Dinge mit den sachlichen so weit verknüpft, daß man Menschen zwingt, Resolutionen abzulehnen, die sie inhaltlich vollkommen anerkennen. Ganz davon abgesehen, daß man auch das Bild des Delegiertentages durch diese Verknüpfung mit der Vertrauensfrage in nicht gut zu heißender Weise verschoben hat, denn ohne diese hätten zweifellos wesentlich mehr Delegierte der Resolution Kollenscher-Gruppe-Misrachi zugestimmt und hätten dadurch deutlicher als dies jetzt geschah ihrer. Kritik der „Jüdischen Rundschau" gegenüber Ausdruck gegeben. Gerade ein Mann wie Blumenfeld, den man in weiten Kreisen über seine eigene Richtung hinaus schätzt und anerkennt, auf dessen Arbeit an leitender Stelle nur ganz kleine Teile des Delegiertentages verzichten zu können glaubten, durfte der freien Entscheidung der Delegierten in dieser Weise nicht Zügel anlegen. Auch der Inhalt des. von Dr. Halpern zur Blumenfe'.d-RcSolution einge'.rachtan Am n 'emen'.s, das bei dem auf Verhandlungen mit den Arabern bezüglichen Passus die Weizmannschen Worte „Zur rechten Zeit und im rechten Geist" einfügen wollte, war absolut nicht mehr umstritten. Und dennoch wurde um dieses Amandement leidenschaftlich gekämpft und man hielt es für nötig, es abzulehnen, weil es eine Kritik an der Arbeit der Vergangenheit, wenn auch nur indirekt, in si< a faßte — einer Vergangenheit, die durch die Resolution Blumenfeld schon längst überholt war. Durch die Ablehnung dieser beiden Resolutionen hat man das klare Bekenntnis zu einer von fast dem gesamten Delegiertentag durchaus gebilligten Politik des Aktionskomitees, der Exekutive und Weizmanns auf dem Altar innerzionistischer Partei-Prestige-Po'itik zum Opfer gebracht. Es steht fest, daß in Jena ein klares Vertrauensvotum für die Politik, die zur Bildung einei'. oppositionellen Koalition geführt hatte, weder verlangt, noch gegeben worden ist. Ferner, daß der Delegierlentag sich in großer Majorität für eine Politik der Zukunft ausgesprochen hat, die von nahezu allen Delegierten als Grundlage gemeinsamen Arbeitens angesehen wurde. Ferner, daß durch eine, vom Standpunkt des innerzionistischen Parteipo'itikers aus gesehen, geschickte Takt i k der Eindruck erweckt wurde, als hätte die bisherige- Regierungsrichtung einen großen Sieg davongetragen. Von einem anderen Standpunkt aus gesehen, kann man die Taktik, der man gefolgt war, aber als durchaus ungeschickt betrachten, denn die Situation hätte es ermöglicht, eine Abstimmung herbeizuführen, an der viel weitere Kreise sich mit einem freudigen ,Ja" hätten beteiligen können und eine solche Abstimmung hätte uns auch die große Koalition gebracht, die, das ist auch heute noch nicht umstritten, unserer Arbeit dringend notwendig wäre. Man hat sich um diese große Koalition bemüht. Es ist auch durchaus anzuerkennen, daß von Seiten der Mehrheit des Delegiertentages der ernste Wille vorhanden war, alle oppositionellen Gruppen an der neuen Leitung zu beteiligen und ihnen dadurch Einfluß auf die Durchführung der vom Delegiertentag festgelegten Richtlinien der Politik zu geben. Die eingangs dieser Ausführungen erwähnte unglückselige Zwe't.'ilung der eigentlich zusammen gehörenden Teile der Debatte hat es verursacht, daß diese große Koalition nicht zustande kam. Die Verknüpfung der Vertrauensfrage für die Vergangenheit mit der Festlegung der Richtlinien für die Zukunft machte es der Opposition allzu schwer, zu dem aufrichtigen Willen der Mehrheit zur Durchführung der neuen Politik so viel Vertrauen zu hegen, daß sie als Minderheit in die neue Leitung hineinging. Die Mehrheit aber fußte auf ihrem formalen Recht, auch die neue Leitung entscheidend zu beeinflussen, da ja die Abstimmung ihren überwiegenden Einfluß auf den Delegiertentag ergeben hatte. Der Misrachi bemühte sich bis in die allerletzte Stunde darum, eine Leitung unter Einschluß der Kollenscher-Gruppe und der Radikalen herbeizuführen. Als dies endgültig gescheitert war, mußte er sich die Frage vorlegen, ob die Gründe, die ihn zur Oppositionsstellung veranlaßt hatten in der durch die Resolution Blumenfeld geschaffenen neuen Situation noch unverändert stichhaltig waren oder ob vielleicht das Interesse an einer kraftvollen und repräsentativen Durchführung der zukünftigen zionistischen Arbeit in Deutschland für ihn größer ist, als selbst das Odium, seine politische Linie nicht bis zur letzten Konsequenz durchgehalten zu haben. Zwei Gesichtspunkte waren für seine Entscheidung maßgebend: es war absolut klar, daß eine Leitung, die aus dem Linken Zentrum und den Linken allein zusammengesetzt sein würde, ein weder autoritativ noch repräsentativ geeignetes Gremium zur Vertretung des deutschen Zionismus sein