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Zion · 1930-01-01 · 1 (1.1930) · p. Seite 3

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Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
1 (1.1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1 Z I 0 N Seit» 3 Das Ergebnis des Jenaer Delegiertentages. Von Alexander Adler, Berlin. Die Jenaer Tagung der Z. V. f. D. wurde schon von vorne herein durch die Tagesordnung in zwei gesonderte Teile geteilt, und diese Zweiteilung drückte der ganzen Tagung ihren besonderen Stempel auf. Auch die Ergebnisse des Delegiertentages sind zweierlei Art und müssen von zwei verschiedenen Gesichtspunkten aus gewertet werden. Die Teilung der Tagung in eine weltzionistischpolitischc und in eine innerzionistische Debatte, die sich mit den Verhältnissen in der Z. V. f. D'. befaßte, war von Anbeginn der Tagung nur schwer durchzuführen, griffen doch die umstrittenen Fragen der bisherigen sowie der zukünftigen Hallung der Z.V. f. D. und der .Jüdischen Rundschau'' zur zionistischen Politik, .sowie die organisatorischen Konsequenzen, die der Delegiertenlag aus dieser Haltung ziehen mußte, dauernd ineinander. Dadurch kann man dann zu einer ganz eigenartigen Situation, über die man sich klar sein muß, will man das Resultat des Delegiertentages richtig einschätzen. Das großangelegte Referat Professor Weizmanns, das sich eingehend mit der gesamten politischen Lage des Zionismus, des Paläsrina-Aufbaus. der Jcwish Agencv. beschäftigte, das das Verhältnis der Juden zu den Arabern scharf und unzweideutig im Sinne der Politik der Exekutive klarlegte, hatte bei fast allen auf der Tagung vertretenen Riehtungen volle Zustimmung gefunden. Die Redner des linken Zentrums, wie der 'Linken, des Misraehi. wie der Kollenscher-Gruppe und der Radikalen stellen sich auf den Boden der Weizmannschen Ausführungen und verlangten eine Politik in der Zukunft, die mit den von Weizmann vertretenen Anschauungen in Übereinstimmung steht. Am deutlichsten kam diese LTebereinstimmung mit der von Weizmann vertretenen Politik in der Resolution zum Ausdruck, die von der Kollensche r-Gruppe gemeinsam mit dem Misraehi e ingebracht wurde. Sie hatte folgenden Wortlaut: Der 23. Delegiertcntag der Z.V. f. D. fordert nachdrückliche Wahrung unseres völkerrechtlich gewährleisteten Rechtes auf Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina. Er lehnt jede neue Zielsetzung ab. An dieser Grundeinstellung ist insbesondere festzuhalten bei den zur rechten Zeit einzuleitenden Verhandlungen, die die Schaffung eines friedlichen Zusammenlebens mit den Arabern in Palästina zum Gegenstand haben. — Der Delegiertentag verlangt, daß die Haltung der ..Jüdischen Rundschau", des offiziellen Organs der Z. V. f. D., mit diesen Grundsätzen in Einklang gebracht wird. Dieser Resolution stand die von Blumenfeld eingebrachte gegenüber, die die Grundlinien der zukünftigen Politik der Z.V.f.D. festlegte und zwar Grundlinien, die durchaus die Zustimmung auch der oppositionellen Richtungen finden konnten, jedenfalls aber i n dieser Form keineswegs mehr das darstellten, was von den Parteien der Opposition bekämpft worden war und sie zu der Forderung eines außerordentlichen Delegiertentages veranlaßt hatte. \\ er den Ausführungen Weizmanns aufmerksam gefolgt war, mußte erkennen, daß auch er die bisherige Haltung der Leitung der Z.V. f. D. nicht als eine Unterstützung seiner und der Exekutive Politik ansehen konnte, ganz davon abgesehen, daß es sehr klar in seinen Reden zum Ausdruck gekommen war, daß die in der .Jüdischen Rundschau'" vertretene Politik als direkt im Gegensatz zu der vom Aktionskomitee beschlossenen angesehen werden mußte. Auch in seinen Ausführungen zur politischen Debatte stellte sich Blumenfeld uneingeschränkt auf den Boden der Weizmannschen Politik, auch die ..neue Zielsetzung" erhielt eine Auslegung, die sie auch für die Opposition, die gerade in dieser bisher den stärksten Stein des Anstosses gesehen hatte, annehmbar machte. Hatte man sich wirklich alle die Wochen und Monate vor Jena so mißverstanden, hatte man so sehr aneinander vorbeigeredet, vor lauter Bäumen den Wald nicht gesehen? Oder ist der Boden eines Delegiertcntages so sehr die Mutter Erde der Zionisten Deutschlands, daß sie nur in Berührung mit ihm zu kommen brauchen, um wieder die alte Kraft und Einigkeit zurückzuerlangen, die ihnen im Kampf des Alltags verloren gegangen war? Diese beiden, doch wohl etwas waghalsigen Vermutungen müssen zurücktreten hinter die Tatsache, daß die Blumenfeldsche Richtung unter dem Druck und infolge der Argumentation der Opposition vor dem Delegiertentag ihre Anschauungen von der politischen .Lage und den aus ihr zu ziehenden Konsequenzen schon soweit revidiert hatte (eine jede politische Gruppe hat das Recht, gegebenenfalls sogar die Pflicht, im Verlaufe einer öffentlichen Diskussion ihre Anschauungen zu revidieren, wenn sie überzeugt worden ist), daß diese Resolution, die auf dem Boden der Weizmannschen Ausführungen stand, präsentiert werden konnte. Jedenfalls eines steht absolut fest, durch -Annahme der Blumenfeldschen Resolution i-:- in keinem Wort gesagt worden, daß die Mn^rität des Delegiertentages die Politik gutheißt, die v <_ r Jena von der Z. V. f. D. gemacht und ihren Ausdruck in der „Jüdischen Rundschau'" getunden halte. Der Delegiertentag hat sich durch diese Resolution nur zu den von Weizmann vertretenen Anschauungen bekannt und sie zur Richtschnur für die Zukunft der Z. V. f. D. gemacht. Um so merkwürdiger mußte es anmuten, und vielleicht war das der wirkliche Mißton, der Schönheitsfehler, der

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