Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 12 (12.1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 155 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 12 Z I 0 N Seite 155 so wenig Bescheid wissen sollen in Dingen, die sich in voller jüdischer Oeffentlichkeit abspielen, daß sie selbst an dieses Argument ernsthaft glauben. Es muß bekannt sein, daß die Hilfsaktion für die Geschädigten und die Keren-Hajessod- und Keren-Kajemeth-Aktion „Hilfe durch Aufbau" zwei getrennte Aktionen sind, die nicht das Mindeste miteinander zu tun haben, daß das Verteilungskomitee des Hilfsfonds, über das diese Leute Beschwerde führen, keinerlei Verfügungsrecht über diejenigen Gelder hat. die unter der Devise ,,Hilfe durch Aufbau" gesammelt wurden, daß die Aktion Hilfe durch Aufbau" nur in solchen Ländern durchgeführt wurde, in denen für den Hilfsfonds nicht gesammelt worden ist und in den anderen Ländern, nachdem die Hilfsfonds-Aktion beendet war. Es mutet eigenartig an. wenn in allen anderen Dingen gut informierte Journalisten immer nur in solchen Fällen mangelhafte Kenntnisse zeigen, wenn diese irrtümliche Orientierung ihrer Partei politischen Vorteil bringen kann. Werden sie aber eines Besseren belehrt, und bringen trotzdem keine Berichtigung, dann fällt es wirklich schwer, ihnen zuzuerkennen, daß sie in gutem Glauben gehandelt haben Der zweite Beweis, den die Mannet des „Israelit" gegen den Hilfsfonds und seine Leitung, sowie gegen die Exekutive der Zionistischen Organisation und der Jewish Agencv bringen, ist ein Brief des Oberrabbiners von Erez Israel. Raw' Kook, den dieser an Raw Chaim Oiser Grodzenski in Wilna geschrieben hat und in dem bewegliche» Klage geführt wird über die Einstellung der Hilfsfondsleitung, die die wirklich Geschädigten nicht unterstütze. Man solle, so heißt es. ' nach den Gewähisleuten des „Israelit" und seiner bunde-genössischen Blätter, Hilfsgelder sammeln und sie direkt an Raw Kook schicken, damit auch wirklich die Unterstützungsberechtigten zu ihrem Geld kämen. Auch wir waren stützig geworden, nachdem wir von diesem Brief aus der zionistenfeindlichen Presse erfahren hatten. Wer konnte auch auf den Gedanken kommen, daß man es wagen würde, in aller Oeffentlichkeit mit einem gefälschten Dokument zu operieren! Wir erhalten jetzt von Erez- Israel die Abschrift eines Briefes von Raw Kook an Raw Meier Berlin die in der Uebersetzung wörtlich folgendermaßen lautet: .,lch beziehe mich auf meinen Brief an Raw Chaim Oiser. Zu meinem Leidwesen ist da etwas Unerhörtes von streitsuchender Seite geschehen. Ich habe, in meinem Brief nur geschrieben, daß es verschiedene Ansichten wegen der Verteilung der Hilfsgelder, gibt und zwar, die Ansicht der Zionistischen Organisation und des Waad Leumi, die die Verteilung bewerkstelligen, daß die Gelder nur an direkt Geschädigte zu verteilen sind und nicht an solche, die i n d i r e k t gelitten haben, einerseits, und andererseits die Meinung vieler anderer und unter ihnen auch meine Ansicht, die es für nötig finden, von den Geldern einen gewissen Teil, gemäß einem gemeinsamen Abkommen, auch an indirekt Geschädigte auszuzahlen. Zu denen, die indirekt geschädigt sind, gehören auch die Mehrzahl der Thora- und Chessed-Institutionen. Ich habe ihm weiter dargelegt, daß ich die Absicht gehabt hatte, den kleinen Teil der Hilfsgelder, der direkt an meine Adresse gelangt war, ebenfalls dem Hilfsfonds zu übergeben, daß ich aber wegen der Bedrängnis, in die die indirekt Geschädigten, die sich an mich gewandt, gekommen waren, gezwungen war, dieses Geld nach meinem Gutdünken selbst zu verteilen. Ich habe kein einziges Wort der Klage gegen das Vorgehen des Hilfskomitees gebraucht, nur die verschiedenen Ansichten »und auch die meinige dargelegt. Ebensowenig habe ich davon gesprochen, daß bei der Verteilung ein Unterschied gemacht wird zwischen Menschen verschiedener religiöser Anschauung, auch habe ich n i c h t verlangt, daß man Gelder an meine Adresse senden soll. Jetzt aber empfange ich einen Brief von Raw Chaim Oiser. in dem er Klage führt, daß mein Brief an ihn in fremde Hände gefallen sei, daß man ihm den Brief gar nicht ausgehändigt habe und daß man anscheinend den Brief entwendet habe, um Kapital aus ihm zu schlagen, unter Hinzufügung von unwahren Tatsachen, nach der bekannten Art der Streitsüchtigen. Ich bedauere außerordentlich, daß mein Brief, in der Zeit der Unruhen geschrieben, als mich so viel Elend umgab und mein Sekretär nicht im Hause war. fortging ohne daß ich eine Abschrift desselben zurückbehielt. Seien Sie versichert-, daß so meine Worte gewesen sind. Ich wollte Raw Chaim Oiser bitten, mir meinen, Brief oder eine beglaubigte Abschrift desselben zuzuschicken, aber leider hat auch eu den Brief nicht empfangen, da er in unrechte Hände gekommen ist. Ich hoffe, daß die Angelegenheit durch diese meine Worte genügend geklärt ist, so daß jenen ihre Beute entschlüpft. In diesem Sinne gebe ich allen, die eine Auskunft wünschen, Antwort in dieser Angelegenheit, die wahrhaft beschämend ist für jene, die dar-i beteiligt sind Zersplitterung in das jüdische I i.sei zu tragen. Hoffen wir, daß der Hüter Israels uns fernerhin beschütze vor allen großen und kleinen Verhängnissen, den äußeren, aber auch den inneren; daß er bald ausbreiten möge die Hütte seines Friedens, auf daß herrsche unter uns Friede und Eintracht, und bei uns kein Leid mehr geschehej Das ist der Wunsch Ihres treu ergebenen . Abraham Jizchok Hakochen Kook." Wir haben diesem wahrhaft erschütternden Brief nichts hinzuzufügen.