Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 12 (12.1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 154 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 Z I 0 N Seite 154 so lange lebendig, als man darum kämpft. Kommen Sie und ringen Sie mit uns! Dr. Stark: Um Beziehung zur Ganzheit des Judentums zu gewinnen, gilt es. an sich selbst zu arbeiten.1 Ueber den politischen Charakter ist das religiöse Erlebnis zu setzen. Im Schlußworte bemerkt Dr. Barth, der Misrachi wisse auch um .die Einzigartigkeit des jüdischen Volkes: aber der Misrachi wisse außerdem, daß das Judentum sich nicht in der Retorte sondern nur im Leben, inmitten des jüdischen Volkes entfalten könne. Deshalb dürfe unsere Besonderheit nicht bloß theoretisch gelehrt werden. Viele, die den Sabbath beachten wollen, können es einfach nicht mehr. Nun tut e i n Land sich auf zur Rettung. Wo bleiben da die Verfechter der Einzigkeit? Im Zionismus kämpfen wir als Brüder; so soll die Orthodoxie mitkämpfen. Dr. Wolfsberg erkennt an, daß der Mensch Einsamkeit braucht. Er braucht aber auch Charakter, und der bildet sich nur „im Strom der Welt". Es ist eine Verkennung jüdischer Zielsetzung, wenn wir den Wert der Vereinzelung übersteigern. Das führt zur Sektenbildung, und diese hat dem Judentum stets nur geschadet, sie ist nicht jüdisch. Auch er appelliert nochmals an die Einsicht der noch Draußenstehenden. Die vom Seminardozent Dr. Rabin geleitete Versammlung wurde im Auftrage des Gemeindevorstandes von Dr. W. Boß begrüßt. In der Debatte zeigte es sich, daß die Argumente der Redner starken Eindruck auf die Versammlung gemacht hatten. Die Misrachigruppe wird in den nächsten Wochen darangehen, diesen Eindruck für ihre Organisation praktisch auszuwerten. Die Veranstaltung kann als ein voller Erfolg für den Misrachi gebucht werden. Der Kampf der Orthodoxie mit dem Hifsfonds. Seit einiger Zeit wird in nichtzionistischen, meist orthodoxen Blättern ein regelrechter Kampf geführt gegen den palästinensischen Hilfsfonds, in »'.tf-m es so hingestellt wird, als vernachlässige der Alfsfonds die Unterstützung des alten Jischuw und der Chessed- und Thora-Institutionen in Erez-Israel. Diese Blätter, zu denen auch der „Israelit" gehört, sagen ihren Lesern, daß der unter neutraler Flagge gesammelte Fonds ausschließlich unter der Verwaltung von Zionisten stehe und die wahrhaft Gelschädigten, d. h. den alten orthodoxen Jischuw, aus Parteiinteresse nicht berücksichtige. Mit diesen Argumenten wird dann versucht, Stimmung zu machen für einen Sonderhilfsfonds zu Händen derjenigen palästinensischen orthodoxen Kreise, die mit den Gegnern der Kneseth Israel (palästinensische Einheitsgemeinde) und der palästinensischen Agudoh identifiziert werden können. Es soll an dieser Stelle ausdrücklich Erwähnung finden, daß wir nichts, aber auch gar nichts, dagegen einwenden wollen, wenn gewisse palästinensische Kreise sich in der ihnen nahestehenden außerpalästinensischen Judenheil um Hilfsgelder bemühen, die dem schwer betroffenen alten Jischuw und seinen ehrwürdigen Institutionen zugute kommen sollen. Wir wenden uns gegen ganz etwas anderes und zwar dagegen, daß man unter beinahe verleumderischen Anschuldigungen politischer Gegner versucht, bei Nichteingeweihten. zugleich mit der Stärkung und Festigung eines ..orthodoxen. Hilfswerks" auch die Stärkung der Gegnerschaft gegenüber dem Zionismus zu erreichen. Das empört uns und jeder religiöse Jude sollte unsere Empörung teilen und es nicht zugeben, daß im Namen der Gesetzestreue, Falschheit und Unwahrheit als erlaubte Mittel benutzt werden, einen politischen Gegner zu bekämpfen. E i n Maß und eine Wage schreibt das jüdische Gesetz vor. unser Gesetz weiß nichts davon, daß man mit zweierlei Maß messen darf, auch nicht, wenn es um Politik geht. Auf den ersten Artikel im ..Israelit", der die oben skizzierten Vorwürfe erhebt, hat der Leiter des Hilfswerks, Mitglied der zionistischen Exekutive und Präsident der Misrachi-Welt-Organisation, Raw Meier Berlin in einem ausführlichen Brief an Herrn Jakob Rosenheim, Frankfurt a. M., geantwortet und Punkt für Punkt die erhobenen Beschuldigungen widerlegt. Der „Israelit" hat es nicht für nötig befunden, auch nur in der kleinsten Bemerkung darauf hinzuweisen, daß eine solche Entgegnung gegeben worden ist. Seine Leser werden unter dem Eindruck gehalten, daß nichts gegen die erhobenen Anschuldigungen eingewendet werden kann. Wahrlich eine merkwürdige Auffassung von publizistischer Moral. Kommt noch hinzu, daß der Großteil der „Israelit"-Leser seine ganze Kenntnis über das jüdische öffentliche Leben aus diesem Blatte schöpft, dann grenzt das Verschweigen des Raw Meier'schen Briefes sehr stark an Uebertretung des Verbotes „vor den Blinden sollst Du keinen Fallstrick legen". Zwei Argumente sind es, die besonders gegen die Leitung des Hilfsfonds als Beweise dafür, daß man dem alten Jischuw gar nicht helfen will, angeführt werden. Der erste Beweis ist die Bezeichnung einer Hilfsaktion mit den Worten „Hilfe durch Aufbau". Aus dieser Hilfsdevise zieht man den Schluß, daß die Absicht besteht, nur die Palästina-Aufbauarbeit der Zionistischen Organisation oder der Jewish Agency mit den Hillsgeldern zu unterstützen. Es ist kaum vorstellbar, daß die Publizisten, die ihr Publikum so orientieren,