Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 12 (12.1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 152 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 152 Z I 0 N Nr. 12 sichtbar gemacht werdep kann. Doch machten ihn die Griechen durch den Chor wenigstens hörbar, während uns auch dies Mittel verwehrt ist. Das Verbot: „Du sollst Dir kein Bildnis machen" gilt gleichsam für die „Gestalten" des Dramas, das ja unter den Wortkünsten die plastischste ist. Es gehört freilich eine besondere Beziehung zur Bibel dazu, um diese Schwierigkeit überhaupt zu fühlen. Die Art, in welcher man in Palästina die Bibel häufig liest : als nationales Volksbuch statt als religiöse Offenbarung, ist allerdings nicht geeignet, diese Beziehung zu schaffen und diese Schwierigkeit bloßzulegen. Das nationale Epos läßt sich dramatisieren; Gottes Wort nicht. Und es ist vielleicht das Ergebnis solcher Versuche, gerade durch ihr Mißlingen nicht nur zur Bibel zurückzuführen, sondern zur „Heiligen Schrift"". VON DER MlSRACH1-JUGEND. Der Jerusalemer „Hapoel-Hamisraehi" hat ein neues Heim bezogen und seine Tätigkeit stark ausgedehnt. Er besaß auch den bemerkenswerten Mut, die in Palästina heute so stark umstrittenen Probleme des „Brith-Schalom" als erste aller Parteien zur öffentlichen Diskussion zu stellen, die Rabbi Benjamin mit einem Referate einleitete. Die Anteilnahme der zahlreichen Hörer war so lebhaft, daß die Diskussion sich über drei Abende hinstreckte, natürlich auch dann kein abschließendes Ergebnis fand. Immerhin wird sie manches zur Klärung beigebracht haben und soll ihre ideologische Weiterführung in einem Ausspracheabend über „Jüdischreligiöse Politik" erhallen, für den der Schreiber dieser Zeilen das Referat übernommen hat. Die Jugendorganisation des „Hapoel-Hamisrachi", die „Bnei-Akiba1*, haben gleichfalls ihre Arbeit qualitativ und qualitativ weiter entwickelt. Verschiedene Jungens- und Mädchengruppen sind organisiert worden, die teils in persönlichem Zusammenschluß ihre Lebens- und Berufsfragen zu klären suchen, teils Grundprobleme des religiösen Sozialismus zu erarbeiten sich bemühen, teils einer Vortragsreihe über „Geschichte der Parteien bei den Völkern und in Israel"" folgen. Am Sabbath wird Thora mit Raschi gelernt. Auch für diese junge Bewegung bietet: das neue Heim, in dem sich auch die gutgeleitete Misrachi-Küche befindet, einen gesellschaftlichen Mittelpunkt. DIE UNIVERSITÄT UND WIR. Man wird sich noch der heftigen Kämpfe erinnern, die mit der Gründung der hebräischen Universität in Jerusalem verbunden waren, in denen besonders die extreme Orthodoxie als Gegnerin auftrat. Und es wird auch noch in Erinnerung sein, daß kein geringerer als der verewigte Rektor des berliner Rabbiner-Seminars, Prof, Dr. D a v i d Hoffmann s. a. sich in einer religions-gesetzlichen Entscheidung für die Beteiligung der Orthodoxie an dem Universitätswerk aussprach. Diese Entscheidung wurde der jüdischen Oeffentlichkeit durch Prof. Dr. Adolf Fränkel, damals noch Marburg, zugänglich gemacht, da sie ihm auf eine Anfrage hin erteilt worden war. Und nun konnte Prof. Fränkel selber, als Direktor des Mathematischen Instituts, auf dem Skopusberge einziehen, wo er nicht nur „Mengenlehre" vortragen, sondern auch den Geist des traditionellen Judentums an der Universität vcistäikcn wird, der schon bisher in Prof. Klein und R a w A s s a f sowie in noch manchem anderen Professor und Dozenten wichtige und überzeugte Verl reter gefunden hat. Auch unter der Studentenschaft ist das gesetzestreue Element zahlreich und würdig vertreten, so daß sich der Optimismus des Hofiuiannsehen Psak vielleicht auch in der von ihm erwarteten Einflußnahme der religiösen Kreise auf die Abseilsstehenden bewähren wird. KURZE NOTIZEN. Der Misrachi feierte Proi. F r ä n k e 1 s Ankunft durch ein festliches Beisammensein. — Die große Synagoge i n T e 1 - A v i v stellt jetzt vor ihrer Fertigstellung, die durch eine Spende des Baron Edmund Rothschild ermöglicht wurde. — Tel- Avivs Bevölkerung hat ein paar Tage lang kein Fleisch gegessen, um durch diesen vegetarischen „H ungerstreik" die Verlegung des Schlachthauses von dem immer noch nicht ungefährlichen Jaffa in das Weichbild der jüdischen Stadt durchzusetzen, was schließlich gelang. — Der Andrang zur „T achke m oni-Schul c" in Tel-Aviv war so gewaltig, daß viele Eltern mit ihren Kindern abgewiesen werden mußten. Diese verhinderten darauf gewaltsam den Beginn des Unterrichts — keine schöne Methode, aber ein schönes Motiv'. —, und setzten schließlich durch, daß, neben den zahlreichen, schon bestehenden Parallelklassen, 3 Naehmillagsklassen für die neuen, überschüssigen Schüler eröffnet wurden. Die „Tachkemoni-Schule hat jetzt, abgesehen von der „Realschule"', nicht weniger als 26 Klassen und ist damit wohl die größte hebräische Schule nicht nur Palästinas, sondern der Welt. — Am Lehrerinnenseminar des „Misrachi"" wurde — zunächst wahlfreier — arabi - s c h e r U n t e r r i c h t eingeführt, den ein jemenitischer Absolvent des Lehrerseminars „Misrachi" erteilt. — Die „Netiwa", das Blatt des „Hapocl Hamisrachi", bringt eine Kundgebung von Raw Kook, in der er sich, entgegen unserer Vermutung im vorigen „Tagebuch", gegen die — auch zeitweilige — Räumung der Klagemauer ausspricht. — In der Presse, besonders im Arbeiterblatt ..Dawar"' findet zurzeit eine Diskussion statt über die Wieder^