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Zion · 1929-12-01 · 12 (12.1929) · p. Seite 149

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Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
12 (12.1929)
Date
1929-12-01
Page
Seite 149 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 12 ZI O N Seite 149 hatte ich das vorgeschlagen, als sich auch der Name Schekel schon bei allen Rednern einbürgerte. Und als der Berichterstatter vor dem Kongreß sprach, da benutzten sowohl er wie alle Diskussionsredner nur noch diese Bezeichnung und fühlten gar nicht, daß sie neu sei." „Dies ist" — so beschließt YVolffsohn, ausnahmsweise einmal theoretisch, seine liebenswürdige Erzählung — „dies ist der Weg aller Schöpfungen im Geiste des Volkes. Es ist ein schönes Zeichen für sie, wenn ihre Neuartigkeit nicht empfunden wird und wenn das Volk sie als etwas einfaches und längst Gewöhntes annimmt." Diese schöne Selbstverständlichkeit, die zu HerzVs Palhos ergänzend trat, ließ YVolffsohn alle krampfhaften Bemühungen auf religiösem Gebiete ablehnen. Das bezeugt ein sehr merkwürdiger Anrwortbrief von ihm an Herzl, der angefragt hatte, ob er dem Rate eines zionistischen frommen Rabbiners folgen und in Zukunft orthodox leben solle. YY'olffsohn riet ab, und zwar mit der diplomatischen Begründung, die aber zugleich ein Stück ehrlichen Wahrheilsinstinktes enthält: Herzl werde es als Baal Tesehuwa den Frommen doch niemals rechtmachen können, während man es ihm heute hoch anrechne, sowie er einmal eine Synagoge betrete. Es geschah nicht mit Herzl's Einwilligung, der sich davon eine Ablenkung Wolffsohn's von der zionistischen Arbeit befürchtete, daß dieser im Jahre 1900 aktiv in die Gemeindepolitik seines Wohnortes Köln am Rhein eingriff. In diesem Jahre erreichten die Kämpfe um die Einführung der Orgel in einer der Kölner Gemeindesynagogen, die von den Liberalen heftig propagiert wurde, ihren Höhepunkt. Die Gegnerschaft der konservativen Kreise wurde durch die in Köln ansässigen Ostjuden sehr unterstützt, was wieder gewissen liberalen Heißspornen Anlaß gab, den Ostjuden mit Ausweisung zu drohen. Nun war für YY'olffsohn ein doppelter Anlaß gegeben, in den Kampf einzugreifen: der der nationalen Solidarität und der seines natürlichen Widerstandes gegen religiöse Reformen, die vor allem der Assimilationssucht entsprungen waren. Er ließ sich als Kanditat der konservativen Liste aufstellen und wurde zum Repräsentanten gewählt. Als solcher führte er einen jahrelangen, schließlich aber ergebnislos verlaufenen Kampf gegen die Liberalen, in dessen Verlauf er sich auch mehrfach mit Beschwerden an den, Kölner Regierungspräsidenten und an den Oberpräsidenten der Rheinprovinz wandte. Im Archiv findet sich eine Antwort der Gemeinde Köln (vom 28. 7. 1905) an den Regierungspräsidenten auf Wolffsohns Beschwerde, aus der hier einige ebenso sonderbare wie charakteristische Sätze hervorgehoben seien: „Ebenso unzutreffend ist auch die Behauptung des Beschwerdeführers, daß seine Wähler die gesetzestreuen Gemeindemitglieder seien. Die bei weitem überwiegende Anzahl der Gemeindemitglieder, welche zur Hebung und Verschönerung des Gottesdienstes die Orgel verlangen, ist in gleichem Grade gesetzestreu wie die Minderheit, und es handelt sich nur um eine verschiedenartige Auffassung der beiden Richtungen darüber, was das jüdische Religionsgesetz verlangt und verbietet. Jn fast allen deutschen Großgemeinden wird der Gottesdienst seit langen Jahren mit Orgelbegleitung abgehalten und in allen diesen Städten erbaut sich das gesetzestreue Judentum an diesem Gottesdienste, welcher der durchwegs vorherrschenden, auf erhebendere Ausgestaltung des Kultus hinzielenden Richtung des gesetzestreuen Judentums entspricht." Ueber allzu viel Bekennermut scheinen also die Kölner Liberalen damals nicht verfügt zu haben. In dieser gewundenen Beweisführung macht sich offenbar der Einfluß des Kölner mittelparteilichen Rabbiners Dr. Frank geltend, der den Versuch machte, die offenkundige Reform auf dem YYTege der Interpretation als unverfänglich darzustellen. So ist es zu verstehen, daß sich unter Wolffsohn's Papieren ein (von ihm selbst verfaßtes?) Gedicht „Die Orgel" befindet, das in scharf ironisierender Weise Dr. Frank persönlich als Redenden aufführt und z. B. den Vers enthält: „Als damals mich der Vorstand frug Nach meinen Gegengründen, Könnt' ich in meinem Talmudbuch . Doch absolut nichts finden." Andere Aeußerungen WTolffsohns über die Orgel überliefert Dr. Robins'ohns Manuskript der Biographie — leider ist das ganze Kapitel „Gemeindepolitik" im Druck fortgeblieben. Es heißt da z. B.: ..Die Orgel ist ein künstliches Reizmittel zum Beten." „Diejenigen, die am Samstag und an Wochentagen zu beten pflegen, brauchen diese Zutaten nicht; die nicht beten und nach einem Stimulans suchen, denen wird es nichts helfen." „Gewiß, wenn die Kinder keine jüdische Erziehung genießen, nichts vom jüdischen Leben, jüdischer Geschichte, jüdischen Sitten und vom Hebräischen wissen, dann müssen sie durch die unjüdische Orgel herangezogen werden." Und, mit scharfer Ironie: „Ich habe neulich gelesen, daß unter den Juden Afrikas eine Bewegung entstanden sei, beim Gottesdienst zu tanzen, wie es die Eingeborenen tun. Sie wollen die Orgel, weil es im Dome so ist." YY'ic ernst Wolffsohn seine Pflichten als Reipräseniant nahm, zeigen briefliche Anfragen über das YY'ahlreeht der ausländischen Juden an die Gemeinden Berlin, Frankfurt a. M.. .und Posen — alle

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