Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 12 (12.1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 147 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 Z I 0 N Seite 147 uns in unseren alten jüdischen Grundsätzen nicht wankend macht, sondern stärkt. Das sei denen gesagt, die glauben, daß wir nur aus taktischen Gründen über diese Fragen in diesem Sinne sprechen. Aber gerade weil wir so denken und handeln sollen, können wir auch die Ueberzeugung haben, daß in Zeiten wie diesen, in erster Reihe mit Aufbietung aller unserer Kräfte daran gearbeitet werden muß; unsere politischen Positionen zu behaupten und auszubauen. Das A.-C. hat weitgehende und kluge Beschlüsse in dieser Beziehung gefaßt. Die Exekutive hat ihre Durchführung übernommen ufld arbeitet daran. Im offiziellen deutschen Zionismus hört und sieht man nichts davon, fehlt es an jeder psychologischen Vorbereitung unserer eigenen Anhänger und der übrigen Welt, kein Abklang davon findet sich in der Rundschau. Gegenüber .dem in diesen Blättern bereits Gesagten mögen zur außenpolitischen Frage diese kurzen Sätze genügen. 6. Wer diese Probleme so ansieht, wird uns darin beipflichten müssen, daß ihre Behandlung in unserem Sinne eine Umwälzung in der Leitung des deutschen Zionismus bedeuten müßte und würde, daß aber diese Umwälzung auch zur Folge haben würde, daß in ganz anderem Maße als bisher große Teile der Judenheit Deutschlands hinter einer solchen Leitung stehen würden und sie auch die Wiedereinschaltung der deutschen zionistischen Organisation in den Weltzionismus an den Platz bedeuten würde, der der Z. V. f. D. gebührt. David Wolffsöhn als religiöser Jude. (Aus z. T. unveröffentlichten Materialien des „David Wolffsohn-Archivs" der Hebräischen Universitätsbibliothek. Jerusalem.) Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem. Von allen Präsidenten der Zionistischen Organisation war David Wolffsohn der einzige, der in lebendigem Zusammenhang mit dem Synagogalen- und Gemeindeleben stand. Urwüchsiger jüdisch als Herzl und Warburg, weit weniger intellektuell losgelöst als Weizmann, blieb er, ohne orthodox zu sein, stets in einer gewissen Fühlung mit den Bräuchen und Gedanken seines frommen litauischen Elternhauses, das zwar schon vom Geiste der Haskala berührt war, aber doch noch ganz in der Welt der Thora und Mizvvoth lebte. Wolffsohns verdienstvoller Sekretär und Biograph, der leider gleichfalls zu früh verstorbene Dr. Abraham Robinsohn, hat in seiner Biographie — ausführlicher im ursprünglichen Manuskript als in der sehr gekürzten Druckausgabe — ein Bild seiner Eltern entworfen; außerdem ist in dem Wolffsohn-Gedenkheft der Nationalfonds-Zeitschrift „Erez Israel" (1915) eine Studie Robinsohns über Reb Eisik Wolffsohn gesondert erschienen. Wir können uns deshalb hier kurz fassen und wollen nur feststellen, daß der vielseitige Mann beinahe alle „jüdischen Berufe" gleichzeitig ausübte, aber doch auch Mendelsohn's deutsche Bibelübersetzung im Schranke stehen hatte. Im Wolffsohn-Archiv befindet sich ein Faszikel schön geschriebener hebräischer Briefe, die er an seinen Sohn in der Fremde gerichtet hat. David W7olffsohn ist in sehr jungen Jahren von Litauen nach Memel gekommen. Im Archiv findet sich ein Bericht mit der Aufschrift „Herr N. Ber. London über Ben Sew", der sich zwax nicht mit Sicherheit auf David Wolffsohn selbst beziehen läßt, sondern vielleicht auf dessen älteren Bruder, der einige Jahre vor ihm sich in Memel seßhaft gemacht hatte, der aber jedenfalls ein gutes Bild des gemeinsamen Milieus liefert und deshalb zitiert sei. Nach einer Schilderung des Vaters des Herrn N. Ber, der ein reicher und sehr frommer Holzhändler in Memel war, heißt es weiter: „Eines Tages während des Morgengebetes kamen in die Synagoge einige Juden, die auf Flössen aus Rußland nach Memel gekommen waren, mit einem kleinen Jungen, um, wie es schien, gemeinsam zu beten . . . Nachdem das Gebet zu Ende war, wandten sich einige arm gekleidete russische Juden an Herrn Ber, mit dem Ersuchen, den armen Jungen, den sie mit sich führten, aufzunehmen, da er aus einer sehr armen Familie stamme, sehr fähig sei und es jammerschade wäre, diesen Jungen in einem kleinen Städtchen in Rußland ohne Erziehung und ohne Kenntnisse zu lassen." Nach Rücksprache mit dem Ortsrabbiner, dem bekannten Dr. R ü 1 f, entschließt sich denn auch Herr Ber, der Bitte Folge zu leisten; der kleine Wolffsohn wird bei ihm zu Hause „natürlich sofort gebadet, bekam einen neuen Anzug und verblieb in seinem Hause, um weiter zu lernen, um aber auch gleichzeitig kleine geschäftliche Gänge zu machen." Nach solchem — oder ähnlichem — Eintritt ins europäische Leben hat Wolffsohn dann die jüdische Schule des Dr. Rülf besucht, wo er sein gründliches Chederwissen wohl kaum mehr wesentlich bereichert, dafür aber gewisse — bis an sein Lebensende jedoch niemals ganz sichere Kenntnisse der deutschen Sprache und der europäischen Literaturen eintäuschte. Er hat in seiner großen Bescheidenheit stets einen gewissen Mangel an Bildung empfunden. Weltanschaulich beeinflußten ihn in dieser Zeit die Gespräche mit Dr. Rülf übejr religiöse und palästinensische Probleme. Allmählich stellten sich die ersten geschäftlichen Erfolge des aus der Lehre Entlassenen ein; in der kleinen ostpreußischen Stadt Papenburg, wo er eine Zeitlang wohnte, baute er der armseligen Zwergigemeinde mit dem ersten verdienten Geld eine