Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 12 (12.1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 146 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit» 146 ZION Nr. 12 Lösung hat vorläufig keine Mehrheit gefunden; whmüssen uns einstweilen mit der gegebenen Situation* abfinden. 3. Besteht aber die Z.V.f.D. nicht lediglich als territoriale Arbeitsgemeinschaft, sondern als wirklicher Landesverband der deutschen Zionisten (mit Ausnahme der Poale Zion, was man doch der Linken gegenüber in diesem Wahlkampfe genügend deutlich immer wieder betonen sollte!), so gibt es nur eine Möglichkeit ein solches System fruchtbar zu machen, nämlich wirkliche Zusammenfassung aller wesentlichen Kräfte in den leitenden Instanzen einer solchen Organisation. Daß davon heute keine Rede sein kann, ist leider eine Binsenwahrheit. Der Kreis der Männer, die die Geschäfte der Z.V.f.D. wirklich leiten und führen, hat sich von Delegiertentag zu Delegiertentag immer mehr verengert, bis ein nur noch im wesentlichen homogener Kreis von Menschen übrig geblieben ist, die in ihrem Wert gewiß nicht herabgesetzt werden sollen, die aber doch, zweifellos großen Schichten der jüdischen Bevölkerung Deutschlands, und sogar der zionistischen Anhängerschaft, vollkommen wesensfremd gegenüberstehen. Von den Problemen, die uns, dem Misrachi, die wichtigsten sind, ist kaum ein Abklang in der Leitung der Z. V. f. D. zu finden und wenn man im Wahlkampf jetzt Reden hört, in denen die geistige Erlösung als der wesentlichste Inhalt des Zionismus von diesen Seiten her gepriesen wird, so fragt man sich wirklich, was ist in den ganzen Jahren geschehen, um praktisch eine Hachscharah für diese geistige Erlösung zu schaffen, oder um auch nur eine über allgemeinste Redensarten hinausgehende Ideologie dieser Art zu schaffen. Die gleiche Fremdheit besteht — die Probleme berühren sich ja auch — in der Leitung, der Z. V. f. D. gegenüber den Fragen der Gemeindearbeit. Es wird gern so dargestellt, als überlasse man aus einer gewissen Großzügigkeit heraus Männern der Opposition diese Tätigkeit. In Wirklichkeit ist nicht daran zu zweifeln, daß ein Gemeindewahlkampf, der statt von den bisherigen Vertretern von den Männern der Leitung der Z. V. f. D. geführt würde, in der jüdischen Bevölkerung einen wesentlich geringeren Widerhall finden würde, weil es die Ueberzeugung weiter Kreise ist, daß man in der Meinekestraße dem wirklichen Leben und den wesentlichsten Aufgaben der Gemeinde mit einer erschreckenden Fremdheit gegenübersteht. Wenn überhaupt es dem Delegiertentag gelingt, wie wir hoffen, sein Ziel zu erreichen, so ist deshalb das Wichtigste die Umschichtung der Leitung der Z. V. f. D. in einer Weise, daß sie den inneren jüdischen Problemen mit ganz anderem Verständnis als bisher gegenübersteht. 4. Es ist mehr als ein zufälliges Zusammentreffen, daß die so gekennzeichneten Divergenzen auch zur Verschiedenartigkeit der Auffassung 'in der Außenpolitik führen. Gewiß ist die Art der Behandlung des Verhältnisses zu England und den Arabern innerhalb der einzelnen Gruppen verschieden, und es gibt ja neuerdings auch eine Gruppe, die sich glaubt den Zeire-Misrachisten und Revisionisten gleichzeitig zurechnen zu können, aber was jedenfalls innerhalb des Misrachi einstimmig als kaum erträglich empfunden wurde, das war die gewollte Kälte, die betonte Nüchternheit und Sachlichkeit, mit der in der Rundschau auf die Ereignisse in Erez-Israel reagiert wurde. Wer nicht von großen Kreisen des jüdischen Lebens seit Jahren sich abschloß, der konnte nicht in de Weise wie es hier geschah, auf das Vorgefallen, antworten. Mit Ueberlegenheit blickt man von diesen Seiten her a,uf die Geiühlsausbrüche der ostjüdischen zionistischen Presse. Es mag sein, daß hier Uebersteigerungen stattgefunden haben und daß Fehler gemacht worden sind, aber es sind in solchen Zeiten noch immer eher Fehler verständlich, die aus zu starken Gefühlsaufwallungen entspringen, als diejenigen, die aus der künstlichen Zurück drängung des Gefühls erwachsen. 5. Auf die Einzelheiten der Behandlung der politischen Frage sei hier nicht eingegangen, weil hierüber an dieser Stelle schon mehrfach gesprochen wurde. Nur soviel sei gesagt: meine Freunde und ich sehen die Wege zur Lösung des Araberproblems nicht in V e rhandlung, sondern in B e handlung. Eine Auseinandersetzung zwischen den Parteien ist nicht möglich, solange die eine glaubt, mit Mord und Raub Eindruck machen zu können, ist aber a uch nicht möglich, solange gerade die errungenen Positionen, die für uns einen unverrückbaren Ausgangspunkt darstellen, von dem aus sich über Einzelheiten verhandeln ließe, von der Gegenseite als unannehmbare Forderungen angesehen werden. Dagegen braucht und soll auch in dieser Zeit nicht ruhen die dem Anhänger der jüdischen Tradition selbstverständliche (oder selbstverständlich sein sollende) Einbeziehung der einzelnen Glieder der arabischen Gemeinschaft in das soziale und kulturelle Aufbauwerk soweit unsere Kräfte dieses nur irgend zulassen. Fehler, die hierin bisher gemacht wurden, müssen abgestellt werden, ohne daß man daraus ein politisches Feldgeschrei machen sollte. Mit dieser Art der Behandlung wird man gewiß die Führer des Arabertums, die uns bekämpfen wollen, nicht gewinnen. Auch daß man hierbei, was sicherlich der Fall sein würde, Einzelne von der Richtigkeit unseres Weges überzeugt, ist nicht der wesentlichste Grund, weswegen wir ihn gehen sollen. Uns selbst müssen wir beweisen, daß der Wiederaufbau unserer Heimat