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Zion · 1929-11-01 · 11 (11.1929) · p. Seite 140

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
11 (11.1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 140 (sequence 10)
Language
German
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Seite 140 Nr. 11 darum, unter sich in recht verschiedener Weise, bemüht haben, standen rechts oder liDks von seinem Lager: Nathan Birnbaum und Isaak Breuer. Achal Haam und A. D. Gordon, Martin Buber und Hans Kohn. Hier liegt ein sehr ernstes Problem der von uns so oft vermissten selbstkritischen Haltung vor. Selbst Raw Kuk hat, so weit ich sehe, nur zur jüdischen Innenpolitik, in der Grundlegung seiner prinzipiell, nicht aus Schwäche, sondern aus jiidisi hf-r Grundanscbauung heraus toleranten Gemeinschaftshaltung, dem Gedanken und der Praxis neue Wege gewiesen, nicht aber in der jüdischen Aussenpolitik, im Verhältnis Israels zu den Völkern. Dies ist nachzuholen, und da genügt nicht die so billige und nachgerade blasphemisehe Berufung auf pazifistiche Prophetenworte, da muss ein politisches Programm entstehen, dem man in allen Einielheiten anmerkt, dass es aus der Weltanschauung der Thora geboren ist, dass es den Begriff der Auserwähltheit Israels in seiner ganzen schweren Verpfliehtungskraft ernst nimmt, dass es nicht den Weg der Gesamt assimilaiion gehen will, vor dem Hermann Cohen sich fürchtete, wenn er den Zionismus mit den neulich hier wieder zitierten grandiosen Worten als Episode abtat: „Die Kerle wollen glücklich sein." Gedanken zum Thema „Thora Waawoda". Von Jeschajah Schapira, Jerusalem. Arbeit und Händewerk gehören zu den idealen des Judentums, abgesehen vom sozialen und zivilisa torischen Wert der Arbeit erblickt es nur in der Verbindung mit eigener Arbeit die Möglichkeit eines vollkommen gerechten Lebenswandels. Dieses Ideal d^s Judentums kann nicht nur aus der der Halacha, sondern auch aus derAgadaundaus unserem gesamten a'ten Schrifttum erschlossen wenden. Es äussert sich nicht nur im Gesetz (Dinj, sondern hauptsächlich in dem Begriff des pn mrao z^h. Naehmanides sagt (Thora- Eommentar zu Kedoschirii, die Thora mahne des wegen — ausserhalb aller Verbote und Gesetze — vnn D'trnp, weil alle Verbote nicht zu verbürgen vermögen, dass der jüdische Mensch auch wiiklich im Geiste der Thora leben werde: man könne auch innerhalb der Schranken des Gesetzes ein Unwürdiger sein, sich seinen Gelüsten an erlaubten Dingen überlassen, Völlerei mit erlaubten Speisen treiben und Woge finden, um den Nächsten — auch ohne Uebertretung eines ausdrücklichen Verbotes — zu beeintiächtigen Daher die Mahnung vnn ü'wnp, die besagen will, das« man sich nicht aut das fo n a'e Recht be chränken darf, sondern — wie Maimonides sich ausdrückt — die Tendecz der Thora zu verfolgen hat nnx spn nvr6) (minn Müs oder nach dem talmudischen Ausspruch; 7? miöa -asy vip (auch im Gebiete des Erlaubten erstrebe Heiligung). Wer die Thora in Wahrheit erfüllen will, kann sich nicht mit der Befolgung der ausdrücklichen Vorschriften begnügen, sondern hat sich auch in den den Gesetzen innewohnenden erhabenen Zwecksinn zu vertiefen und ihn zu erreichen zu versuchen. Er hat sich nicht nur nach dem, was ihm gut und recht erscheint, sondern auch nach dem, „was vor Gott recht und gut ist" 21cm wnj, zu richten. Eigentlich erscheint auch die Mahnung, das vor Gott Gute und R?ch;e zu tun, die die Thora den Gesetzen hinzufügt, überflüssig, da alle Gesetze das Ziel verfolgen, dem Menschen den rechten Weg zu weisen. Tatsächlich gibt es aber Dinge, die von Gesetzes wegen gestattet wären und nur aus Gründendes ntr'n rvryt» " t, aitsm verboten sind. Der Talmud entscheidet (ßaba mezia 16,b);„uach menschlichem Recht braucht die Piänduog nicht rückgängig gemacht zu werden, abar aus Gründen des '"n aiem *itr»n n'rjM/; wird entschieden, dass sie rückj äugig gemacht wird. Es gibt also ein „menschliches Recht" und auch ein Recht nach "2ism wn nnPin.f. Das Judentum begnügt sich nicht mit der Einschränkung und Zurückdiängung des Bösen, sondern erstrebt auch die Ausrotiui gdes aktuellen potentiellen Bösen in der Seele des Menschen. Daher enthält die Thora eine besondere Mahnung ,,-iiDnn *S": sie begnügt sich nicht mit einem „Snjn xhu. Wer sich lediglich nach dem „SttJin kS" richtet, hat auch innerhalb des GeseUes die Möglichkeit zu raubähulichem Vorgehen (Su pn«); wer aber auch das „nonn «Su zu erfüll"!! bestiebt ist, wer nicht nur den Griff sondern auch das GelüV. nach dem Gut des Nächsten vermeidet, nur der hat die- S.eherheit, dass er auch das „binn nh„ im tiefsten Thora Sinne halten wird. Wir haben danach zi streben, nicht nur die Vorschriften der Thora, sondern auch das vnn enrnp und das „'n a^n; T.-n rvcvi" zu erfüllen, und wenn wir im Galuth a's Gemeinschaft diesem Ziel nicht die gebühiende Aufmet ksainkeit widmen konnten ifreilich gab es zu allen Zeiten Einzelne, die sich der Heili guug und der Reinheit im erhabensten Sinne weihten, aber für die Gemeinschaft, die tief in der schweren Knechtschaft steckte, bedeutete es schon eine Hoch leistuutr,, s'ch selbst und ihr Wesen zu erhalten, sich Dicht mit den Völkern zu vcimischen und sich ihnen nicht anzupassen,, so ist <s unsere PfTcht heute, wo wir in unser Land zurückkehren und hier echtes jüdisches Leben schaffen wellen, uus das Ziel der Lebensheiligung in seiuer ganzen Grösse und Tiefe zu setzen. Wir haben hier eine Lebensform zu gestalten, die uicht nar vom Standpunkt des Gesetzes, sondern auch vom Standpunkt des „vnn D'tPnp* und des „aism nr'n rvE*m" zulässig sein soll. Wenn wir nun die Dinge unter diesem Gesichtswinkel betrachten, so ergibt sich, duss das Judentum sich keinesfalls für deu Besitz ausspricht. Wenn im Judentum als die Ansicht „Gewisser"

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