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Zion · 1929-11-01 · 11 (11.1929) · p. Seite 138

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
11 (11.1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 138 (sequence 8)
Language
German
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Seite 138 Z I 0 N ffr. 11 weil es von großer Bedeutung ist, daß dem Lernenden der „Betrieb als Einheit" mit seinem Ineinandergreifen der einzelnen Betriebszweige vor Augen geführt wird, welches nirgends so hervortritt, wie in der allgemeinen Landwirtschaft und drittens, weil — last not least — das Lehrgut aus Gründen der geistigen Erziehung am Anfang der Ausbildung stehen soll. Für diese erste Zeit sind etwa n/2 Jahre anzusetzen. Für die gärtnerische Ausbildung dann noch zirka 2 Jahre, und dann soll gegebenenfalls eine spezielle Baumschul - ausbildung (evtl. auch Viehzucht, je nach Neigung) von i bis 2 Jahren folgen. Für Rodges bedeutet das eine starke Umgestaltung des Betriebes. Der Getreidebau muß eingeschränkt werden zu Gunsten des Futterbaues und teilweise der Gärtnerei. Es bedeutet gleichzeitig V e r g rö ß e r u n g des Viehbestandes. Ferner muß die G e-. f lü g el zucht vergrößert und ausgebaut werden. Und schließlich kann vielleicht mehr als bisher Gewicht auf Obstbau gelegt werden. Wenn dieses Programm verwirklicht werden wird, kann Rodges d i e Vorbereitungsstätte für Palästina sein. Es wird die Grundlagen geben können, die für den Landwirt in Palästina notwendig sind, und es wird dann möglich sein, durch Verlängerung der Lehrzeit den geistigen Einfluß auf die Chaluzim tiefer und nachhaltiger zu gestalten. Wir sind uns darüber klar, daß diese Umgestaltung erneute Schwierigkeiten für die Leitung mit sich bringen und die Konsolidierung weiter hinausschieben wird. Das darf aber kein Hinderung* - grund sein, wenn es sich um die Grundlagen des ganzen Werkes handelt. Eine Stätte wie Rodges kann nur erhalten bleiben, wenn sie innerlich lebendig bleibt, d. h., wenn ihre Leiter nie das Ziel aus den Augen verlieren, wenn sie sich immer bewußt bleiben, daß das, was in Rodges erreicht werden kann, immer nur ein angenähertes Resultat bleibt und daß der Grad der Annäherung nach dem Mehr oder Weniger gemessen wird, das sie, am Ziel gemessen, darstellt. Antwort auf eine Nachbemerkung. Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem. Die Nachbemerkung, die die Berliner Redaktion des „Zion" meinem „Palästina-Tagebuch" in der letzten Nummer dieser Zeitschrift angehängt hat, war vielleicht deshalb notwendig, weil meine Aeusserungen, eben in meiner Eigenschaft als Jerusalemer Redakteur, als^die^offiziellen des Misrachi gelten konnten und man sich deshalb gegen sie abgrenzen musste. Die folgenden Zeilen werden von vorneherein vor einem solchen Missverstandnifl geschützt sein und von den Lesern als der Ausdruck meiner ganz persönlichen Meinung aufgefasst werden, die ja, wenn auch nur der Ausdruck einer Minoritätsgroppe im Zionismus und im Misrachi, auch ein Recht hat, gehört zu werden. Um was ist es mir und meinen Freunden im »Brilh Schalom" zu tan, wenn wir, auch und gerade in dieser wahrhaft schicksalschweren.Stunde, „grosse, weit ausgreifende Zukunftspläne in der arabischen Frage" fordern, wenn wir die sofortige „aktive Versöhnungspolitik" nicht nur als einen gangbaren, sondern als den einzig möglichen Weg ansehen, der aus der Krisis herausführt. Und was meinen speziell die religiös gerichteten Anhänger jener real politischen Fordet ungen, wenn sie in diesem Augenblick mit besonderem Nachdruck — mehr als jemals — religiöse Führung fordern und wenn sie, im Gegensatz zu der Nachbemerkung, sich nicht mit der Art und Weise zufrieden geben können, in der die Massen des orthodoxen Judentums und seine offiziellen Führer, die rabbinischen wie die politischen, auf die Ereignisse reagiert haben? Beginnen wir mit der Darlegung der real-politischen Erwägungen! Der Zionismus führt im Augenblick einen Krieg gegen zwei Fronten; die gefährliche Analogie mit dem „eingekreisten" Deutschland der wilhelminischen Epoche drängt sichjmmer wieder auf. Die beiden Fronten sind: das britische Weltreich und das arabische Volk. Die letzten Ereignisse haben unweigerlich klargemacht, dass die Engländer mindestens zur Hälfte, die Araber beinahe in ihrer Gesamtheit gegen uns [sind. Unserem der Politik seit Jahrhunderten entwöhnten Volke fehlt das Haupterfordernis politischer Psychologie: Augenmass. Wir sehen uns selbst im Mittelpunkt der Weltpolitik, während wir nur ein kleiner, durch Impoderabilien allerdings über unsere Quantität hinaus wichtiger Faktor dieser Weltpolitik sind. Vielleicht kann diese verkehrte Psychologie an einem jüdischen Witz klargemacht werden, der, wie so häufig, eine sehr tiefe Schicht der Volkseele blosslegt. Dieser Witz erzählt von einem Juden, der am Sabbath rauchend an einem Pulverturm vorbeigeht und auf die Bemerkung des Wachtpostens: „Rauchen verboten", hohnlachend antwortet: „Ueber den Schtuss bin ich längst hinaus". Dies ist noch heute der Geist jüdischer Geschichtsbetrachtung — wie penetrant bei Grätz! — und daher auch der Geist unserer Politik oder doch der Stimmung auf der Strasse, die so häufig die Politik unheilvoll beherrscht. Alle Posten der Welt stehen nur unsertwegen, und wenn sie das Rauchen verbieten, so nicht, weil der Pulverturm explodieren könnte, sondern, weil wir Juden unseren Sabbath haben. Jeder wird sehr gerne bereit sein, auch das Positive, das Menschlich-Rührende an dieser Geschichte zu würdigen; jeder wird verstehen, dass eine derartige Ichbezogenheit dem Volke des Ghetto, das so

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