Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 11 (11.1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 137 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Z I 0 N Seite 137 Möglichkeiten der Arbeil schafft und dann dadurch, daß der innere Aufbau seinen Zweck erreicht, der in der Vorbereitung traditionell e r J u d e n a u f d e n B e r u f des L a d - wirtes in Palästina besieh!. Wir müssen es uns versagen, heule den einen Teil (.lieser Vorbereitung, den geistigen, näher zu uniersuchen — vielleicht wird dies einmal, seuier Wichligkeil einsprechend, in einem besonderen Aulsalz geschehen — und wenden uns gleich dem anderen Teile zu: der praktischem Berufsausbildung. Die Forderungen, die in Bezug auf die landwirtschaftliche Vorbereitung für Palästina gestellt wurden, haben im Laufe der Zeil einen wesentlichen Wandel durchgemacht. Während man sich früher damit begnügen zu können glaubte, daß man durch die mu'Dn die D^lSn allgemein körperlich voibereitete, dali durch sie eine gewisse Auslese' der geeigneten Elemente stattfinde und nebenbei gi wisse landwirlschaftliche Fachkenntnisse vermittelt wurden, hat sich im Laufe der Zeit der Schwerpunkt stark zu Gunsten der eigentlichen Berufsausbildung verschoben. Alan hat schließlieh gefordert, daß während einer 3—4 jährigen Ausbildungszeit sich die Chaluzim gründliche landwirtschaftliche Kenntnisse aneignen: bis zur selbständigen Führung eines landwirtschaftlichen Betriebes. Die Fnlcrschicdc zwischen deut-cher und palästinensischer Landwirtschaft zog man dabei nicht in Rechnung, indem man sich mit einer gewissen Berechtigung sagte, dali diese Unterschiede einem gut ausgebildeten Landwirt keine allzu großen Schwierigkeiten machen können. Und doch glaube ich. daß man noch wesentlich nützlichere Arbeit leisten könnte, wenn man von vornherein bei der Ausbildung möglichst auf die speziellen palästinensischen Verhältnisse Rücksicht nehmen würde. Wie weitgehend das trotz großer Verschiedenheiten möglich ist, soll in Folgendem gezeigt werden. Wenn man die landwirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland und Palästina in Bezug auf ihre Technik miteinander vergleicht, so fällt vor allem auf. daß in Deuts -bland sich Landwirtschaft und Gärtnerei aufeinander zu entwickeln, während man in Palästina eher vom Gegenteil sprechen kann. Tu IVtrs-hland versucht man die Landwirtschaft in steigendem Maße zu intensivieren, d. h. die Erträge durch vermehrte Kapitalanwcndung (in Form von Arbeit. Dünger e'.c.) pro Flächeneinheit zu vergrößern, während in Palästina allen, derartigen Versuchen ciiuch die Frage der Wasserversorgung eine enge Grenze gesetzt ist. sodaß vielfach ein Zurückgehen auf das amerikanische System des ..drv-farming" propagiert wird. So bilden in Deutschland Lanciwii (schall und Gärtnerei eine geschlossene ..Intensilätsreihc" mit fast unmerklichem Übergang, während in Palästina sich die beiden Gebiete des extensiven Ackerbaues und der intensiven Bewässerurgsw irlschall vollkommen voneinander geschieden gegenüberstellen. In wirtschaftlicher Ilinsichi ist in Palästina im Gegensatz zu Deutschland wesentlich, daß selbst in einem großen Teil der extensiven Akkcrbau-Gchietc die Produktion der Ackerfrüchte nicht der allein maßgehende Faktor für den Wirtschafisei lo!g ist, sondern daß die änderen Betriebszweige (Weinbau. Vieh- und Geflügelhaltung. Garten etc.) einen wesentlichen Einfluß auf das Betricbscrgcbnis haben. Wenn man sieh, diese Bilder der deutschen und der palüstincnsichen Landwirtschaft vor Augen hält, so wird einem klar, dali zwar die Betriebszweige, die wir in Deutschland finden, fast ausnahmslos auch in Palästina vorhanden sind und umgekehrt, daß aber das Verhältnis der einzelnen Zweige zum ganzen Bei rieb, und damit ihre Bedetilung. gründlich verschoben ist. Das bedeutet für die Ausbildung ein Negatives und ein Positives. Ein Negatives insolern. als wir nicht einfach in deutscher Landwirtschaft ausbilden können, weii dem Lernenden in vielen Dingen ein falsches Bild aulgedrängt wird von ..den" Problemen der Landwirtschaft, da das. was in Deujsch'- land für die dortigen Verhältnisse eine richtige Probieiv.su llung isl. für Palästina bedeutungslos sein und sogar zu ganz falschen Schlüssen führen kann. Ein Positives aber dadurch, dali uns die Möglichkeit gegeben ist. für Palästina auszubilden, wenn w ir 11 u r d a s G e w i c h t . tl a s \v i r d e n e i n - z e! n en Z w e i g e n g e b e n . richtig v e r - Die Bewertung der einzelnen Betriebszweige wird etwa in der folgenden Reihenfolge geschehen müssen: Obs!- und AVeinbau (Baumschulen). Gemüsebau (weniger um seiner selbst willen, vielmehr als Vertreter clor intensiven einjährigen bewässerten Kulturen). Viehzucht. Geflügel- und Bienenzucht. Ackerbau. Diese Reihenfolge soll nicht als absolut; feststehend bei rächtet werden, sondern nur als Schema zur Kennzeichnung der Richtung. Die Frage erhebt sich nun. wie die Ausbildung geleitet werden muß. um dieser Bewertung Rechnung zu .tiagen. Es erscheint uns hierbei zweckmäßig zu sein, mit der allgemeinen landwirtschaftlichen Ausbildung zu beginnen und damit verbunden Viehhaltung (evtl. Geflügelzucht) zu erlernen: dann zur Gärtnerei, d. h. Obst (Wein) und Gemüsebau überzugehen und evtl. daran anschließend Baumschulen zu besuchen. Wir möchten deshalb die allgemeine landwirtschaftliche Ausbildung in den Anfang stellen, weil es erstens leichter ist, vom Extensiveren, der Landwirtschaft, zum Intensiveren, dem Gartenbau, überzugehen; zweitens