Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 11 (11.1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 135 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 ZIOU Seite 135 und es ist ein guter Ausweg, wenn man versuchen wird, auf ihm wieder eine Atmosphäre deB Vertrauens Aller gegen Alle zu schaffen. Wenn es gelingt, auf dieser Tagung eine Leitung für die Z. V. f D. zu bilden, die der Ausdruck einer wirklichen Vereinigung der deutschen Zionisten verschiedenster Parteischattierungen ist, sodass in ihr nicht eine Einzelrichtung dominiert und allen anderen den Stempel ihres Geistes aufdrückt, dann wird der Delegiertentag ausserordentlich befruchtend auf alle unsere Arbeitsgebiete, sicherlich nicht in letzter Reihe auf die praktische Unterstützung des Aufbauwerks, wirken können. Die Aufgaben der Z. V. f. D. w^saspE^r yon Edmund L e w y, Berlin. Soll die Z. V f. D. nur die Zusammenfassung aller Zionisten und zionistischen Gruppen in Deutschland darstellen mit der wesentlichen Aufgabe nach aussen hin eine zionistische Einheitsfront zu bilden* zionistische Gesamtheitsinteressen, namentlich nichtzionistischen Gruppen gegenüber zu vertreten, eine einheitliche Propaganda durchzuführen und vor allem eine starke Zentralorganisation zur Aufbringung der Fonds zu schaffen? Oder soll sie auch eine „Vereinigung" höherer Art sein? ■ In jedem Zionisten, gleichviel welcher Anschauung er auch huldigt, ist ein tiefes Sehnen nach der Einheit des jüdischen Volkes lebendig. Er sieht in der Galuth die Glieder des jüdischen Volkes auseinanderfallen. Der gemeinsame Boden jüdischer Kultur wird verlassen. Jeder wendet sich der Kultur seines Landes zu. Der Jude dieses Landes entfremdet sich dem Juden des anderen Landes. Das Bewusstsein einer geistig fundierten jüdischen Volkseinheit geht verloren. Drum sein Sehnen und Streben: zurück zum Judentum, zurück zum Judenland, der Stätte, von der aus der Neuaufbau des Judentums seinen Ausgangspunkt nehmen soll. Je stärker die Zersetzung, desto grösser ist die Pflicht der Vereinigung. Wer wollte leugnen, wie bitter notwendig gerade in Deutschland das Verknüpfen von Mensch zu Mensch, das Einfügen in die jüdische Masse, das Heranführen des Menschen zu jüdischen Lebensformen und Lebensauffassungen ist. Wie fühlen wir uns losgerissen vom Nährboden des Volkhaften und erfasst von < inem wilden Strudel, hineingeschleudert in ein mächtiges Meer, wo wir als Einzelne, getrennt von einander, rettungslos verloren sind. Hier hat die Arbeit der „Vereinigung" einzusetzen. Ihrer Führerschaft winkt eine grosse, gewaltige Aufgabe. Menschen verschiedener Gruppen mit verschiedenen Anschauungen. Sie alle eint ein gemeinsames Ziel. Aber sie bedürfen einer Führung, die es versteht, jeder Anschauung gerecht zu werden, eines jeden Können und Wollen, so verschiedenartig es auch sein mag, der gemeinsamen Idee dienstbar zu machen und von jedem das Beste der Gesamtheit nutzbar zu gestalten. Gleich dem Führer eines Heeres, das sich aus verschiedenen Truppengattungen zusammensetzt. Jede Gattung hat ihre besondere Aufgabe. Die Kunst des Heerführens liegt darin, dass er es versteht, jedwede Trupps an richtiger Stelle einzusetzen. Das Zusammenwirken aller Truppenarten gibt erst dem Heer seine richtige Stosskraft, seinen — Erfolg. Nicht genügt es, eine Truppe zu haben, die schön geordnet in Reih und Glied nebeneinander hinmarschiert, sie muss ihre Lebensfähigkeit dadurch erweisen, dass alle Abteilungen auf einander eingespielt sind, in Wechselwirkung zu einander stehen, und indem alle ihr Bestes geben, zusammenwirken. — Nicht darf die Führung einer zionistischen Vereinigung den Hauptwert auf die äussere Form der Organisation, auf Propaganda nach aussen legen, Führerkunst bewährt sich erst, wenn es gelingt, alle vorhandenen Kräfte zum Wohle des Ganzen zu wecken und zum Zusammenspiel zu führen. Nicht Unterdrückung der Einen, nicht Kompromisslerei zwischen verschiedenen Gruppen, sondern ein Zusammenführen. Man bekämpft ja meistens Anschauungen, die man nL'ht kennt. Wie oft genügt es, die Gegner an einen Tisch zu bringen, dass sie sich verstehen lernen. Die Probleme werden geklärt, man erkennt in den Anschauungen der Anderen das Richtige, erkennt, dass man selbst üb er's Ziel hinausgeschossen Ut, und Forderungen werden auf das richtige Mass beschränkt. Hier kann eine zielbewusste, ihre Aufgabe voll erfassende Führung wertvolles leisten. Also nicht allein und nicht vor allem darf sich unsere Arbeit erschöpfen in der Propaganda zum Aufbau des jüdischen Landes. Aufbau des jüdischen Menschen ist auch eine Forderung der Stunde. Und damit schaffen wir auch die Menschen, die das jüdische Land aufbauen können. Die zionistische Vereinigung hat sich nicht darauf zu beschränken, immer neue Menschen dem Zionismus zu gewinnen, diese in die grosse Bewegung einzuordnen, deren. Beteiligung an den Fonds durchzusetzen, sie hat vor allem auch diese von aussen kommenden Menschen durch einen starken geistigen Zionismus zu Volljuien zu machen. Für den jüdischen Menschen ist vor allem eins notwendig: „Jüdisches Wissen". Wir müssen endlich aufhören, als „d i e" jüdische Kulturarbeit die Erlernung-,der hebräischen Sprache zu fordern. Hebräisch zu können muss für uns alle schon eine Selbstverständlichkeit sein, darüber sollte man nicht mehr viel Worte machen. Wir müssen mit ganzem Ernst grössere