Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 11 (11.1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 134 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 134 ZIION Nr. 11 deutlich in die Erscheinung. Es ist hier sieht der Platzen untersuchen, ob die politische Meinung der einen oder der anderen richtig oder falsch ist. Hier kommt es darauf an, klarzustellen, daes es ein unerträglicher Zustand ist, wenn eine Vereinigung, die die Vertreterin von Revisionisten und Brith- Schalom- Anhängern, von auf der äussersten Linken und der äussersten Rechten stehenden Zionisten ist, sich för die Gesamtheit der deutschen Zionisten politisch festlegt, ihren moralischen (und durch ihr offizielles Organ auch ihren starken journalistichen) EinfluBB nach einer ganz bestimmten Richtung hin ausübt. Man hat versucht, den bestehenden Gegensatz zu bagatellisieren, hat gesagt, es handele sich um Nuancen, um einzelne Redewendungen, nur um eine quantitative Verteilung von Licht und Schatten nach der einen oder der anderen Richtung, das dürfe in dieser ernsten Zeit nicht Anlass zu inneren Kämpfen geben. Die Wahrung des Friedens sei wichtigste Forderung der Stunde, die Einheit der gesamten zionistischen Welt müsse man der Aussenwelt zeigen, es lägen für uns jetzt wichtigere Arbeiten vor, als der Kampf um Majoritäten auf einem Delegiertentag. Es ist das eine sehr bequeme Weise der Stimmungsmache gegen eine Opposition. Wem. aber wirklich zu ton ist um Einigkeit in der Z. V. f. D., der muss erkennen, dass die Differenzen doch wohl^tieferliegender Natur sind, wenn vier ganz verschiedenartige Gruppen von Zionisten, die auch keineswegs ihre buher bestehenden inneren Gegensätze zu einander aufgegeben haben, zu den gleichen Forderungen gegenüber der Leitung der Z. V. f. D. kommen. Wenn diese vier Gruppen, deren Föhrern man auf Grund ihrerbisherigen zionistischen Leistungen nicht etwa das gehörige Verantwortungsgefühl für die allen gemeinsame Arbeit absprechen kann, sich so stark beunruhigt fühlen, dass sie gerade jetzt eine einschneidende Aenderung in der Geschäftsführung der Z. V. f. D. verlangen. Einheit oder Einigkeit muss hergestellt, nicht vorgetäuscht werden. Nicht durch Vertuschen, Leugnen oder Vergessen der Differenzpunkte wird der Friede in der Partei gestärkt und die Stosskraft erhöht, sondern durch gemeinsames Bemühen, das Einigende klar herauszuarbeiten und die Arbeit nach diesen Gemeinsamkeitsmomenten einzurichten. Auf der inneren, nicht auf der äusseren Linie zionistischer Politik muss die Arbeit der Z. V. f. D. aufgebaut sein. Der mit Art und Riehtung Zufriedene kann naturgemäss gar nicht beurteilen, ob nicht Fehler vorliegen, die es anderen direkt unmöglich machen, die Verantwortung mitzutragen — wäre es anders, dann könnte ja auch er nicht zufrieden sein —, dass Unzufriedene da sind, ist eben ein Beweis dafür, dass man auf falschem Wege ist, und unsere Arbei kann sich nur dann auswirken, unsere Kräfte können sich nur dann voll entfalten, wenn alle teilhaben an Verantwortung und Ausgestaltung der Arbeit. Damit unsere Arbeit die richtige Stosskraft erhält, muss die Luft gereinigt werden, muss der innere Kampf ausgetragen und beseitigt werden, muss den Gruppen, die auf dem Boden der Kongress- und A. C.-Beschlüsse stehen, die Möglichkeit gegeben werden, die' Verantwortung für die Arbeit mit zu tragen. Durch Vergewaltigung und Majorisierung eines beachtlichen Teiles der Z. V. f. D. leidet die Arbeit mehr, als durch einen Wahlkampf in loyaler Form. Auch ein solcher Wahlkaropf trägt zur Vertiefung zionistischer Ideen, zur klareren Erkennung der vorliegenden Probleme und infolgedessen zur intensivierten Mitarbeit bei. Bisher scheint es allerdings, als ob ein Teil der jetzigen „Regierungsmehrheit" den Kampf als einen Kampf um die Macht in gehässiger und nicht loyaler Weise führen will. Dadurch erst würde die Beunruhigung uLd Arbeitsschwächung in der Z. V. f. D. herbeigeführt werden, und man sollte noch jetzt alles tun, was einen solchen Kampf verhütet. Frieden halten im Innern sei die Forderung der Stunde, ist gesagt worden, und mit Recht gesagt worden. Aber ist das so zu verstehen, dass eine Gruppe kraft ihrer offiziellen Stellung ihre Gedankenwelt der Oeffentlichkeit als diejenige der „Vereinigung" hinstellen kann und die von diesen Ideen Abweichenden sich einfach abzufinden haben und um des Friedens willen eine ihrer tiefinnersten Ueberzeugung nach falsche Meinungsbildung in weiten zionistischen und nichtzionistischen Kreisen unterstützen müssen? Oder müssen auch die anderen den Frieden dadurch fördern resp. erst ermöglichen, dass sie darauf Rücksicht nehmen, dass in der Z. V. f. D. eine ganze Anzahl von Gruppen vereinigt sind, deren Anschauungen gleichberechtigt nebeneinander stehen und berechtigt sind, ebenfalls als Meinung der Z. V. f. D. gehört zu werden? Haben nicht auch die Zufriedenen die Pflicht, ihrem Friedenswillen ein Opfer zu bringen? Oder sind nur die Unzufriedenen es, von denen man Opfer des Intellekts und der Ueberzeugnng verlangen darf? Ist es wirklich die Ueberzeugung der die Notwendigkeit des Delegiertentages Verneinenden, daes ein Wahlkampf in diesem Augenblick vermieden werden müsste,^ dass Friede und Einheitsfont jetzt oberste Richtlinie sein sollten, dann hätten sie in ganz anderer Weise versuchen müssen, die Forderungen der aus innerer Besorgnis um das zionistische und jüdische Lebensinteresse heraus in die Oppositionsslelfung gediängten Gruppen ernsthaft zu prüfen und eine Linie gemeinsamer Arbeit zu finden. Das ist nicht geschehen, man hat sich damit begnügt, die gestellten Forderungen zu bagatellisieren den Ernst der Beweggründe anzuzweifeln. Deshalb, gab es nur einen Ausweg, den des Delegiertentages