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Zion · 1929-10-01 · 10 (10.1929) · p. Seite 131

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
10 (10.1929)
Date
1929-10-01
Page
Seite 131 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 10 ZI 0 N Seite 131 von Haas und Feindseligkeit, der Geborgenheit vor Gewalt und Ueberfall. Von solchem Glück träumten sie. War der Traum doch Sünde, die keimende Erfüllung doch Auflehnung? Oder hatte schon an der Schwelle die Hybris sühnefordernd ihr Haupt erhoben? Noch im Beginn der Verwirklichung traf uns das Ungemach. Wir wurden belehrt und vissen jetzt: auch dort nicht endgültig Ruhe und Frieden und Sicherheit, auch dort Hass ucd Feindschaft und Ueberfall. Der Blüten träum vom Glück wird auch dort nicht reifen. Friede, Hermann Cohen, deiner grossen jüdischen Seele: die Kerls werden nicht glücklich seio. Wollen wir denn glücklich sein? War und ist Glück der eigentliche Sinn unserer Zionssehnsucht, Streben nach Glückseligkeit der eigentliche Kern des „Zionismus"? Besinnen wir uns. Von den Anfängen der Bewegung bis nach Veröffentlichung der Balfour- Dekiaration kündete Einer früh und spät klarbliekeird> unbeirrbar, seiner Wahrheit gewiss, warnend und immer warnend vor Trugbildern und Irrgängen die Lehre vom einzig möglichen Ziel und eiuzig richtigen Weg: Die Zeit des Heils wird für Israel kommen, wenn einmal die ewige Gerechtigkeit über die Völker und Staaten zur Herrschaft gelangt. Die Judennot, sie mag tief sein wie das Meer, können wir beklagen und beweinen, zu lindern und mildern versuchen, wo und wie es sei, aber mit Zion hat sie und ihre Ueberwinduog wenig zu tun. Hüten wir uns, das Wohl und Glück des Einzelnen, das Wohl und Glück der Massen von der Besiedlung Erez Israels abhängig zu setzen. Was ist in Wahrheit unser „Nationalismus"? Ein erhabenes ethisches Ideal mit der Liebe zu Israel und allen seinen geschichtlichen Güte.'n als Mittelpunkt und jeder Tugend wie jeder menschlich wertvollen Eigenschaft als Umkreis. Was ist in Wahrheit „Zionismus"? Einzige Hoffnung in höchster Not. letzter Versuch zur Rettung des Juden t u m s. Das Volk Israe löst sich aul in eine Vielheit einander fremder „Stämme", der Geist Israels entflieht seinem Körper, das Herz Israels erstarrt, die Kultur Israels zerfällt, das Judentum stirbt ab — wir aber wollen, dass es lebe, fortlebe, auflebe. Wae sind wir, was unser Leben, wenn das Judentum, das alte, grosse, heilige zugrunde geht, nicht wieder emporsteigt als gewaltige ethische Urkraft in der Welt, in der Entwicklung der Menschheit? Nicht unser Glück suchen wir, nicht das Wohl der Einzelnen oder der Massen, sondern die Wiedergeburt des Judentums: die seelische Einung der jüdischen Volksteile, die Gesundung des jüdischen Geistes, die Belebung des jüdischen Herzens, die Neuauferstehung einer volljüdischen Kultur. Deshalb, um deswillen allein sind unsere Augen auf Zion gerichtet, „das Haus unseres Lebens" von altersher. „Ein Zentrum der Thora und der Wissenschaft, der Sprache und Literatur, der körperlichen Arbeit und der seelischen Reinheit, eine echte Miniatur des jüdischen Volkes, wie es sein soll" — das suchen wir in Zion. Weit ist der Weg, hoch and fern ragt das Ziel, schwere Opfer werden wir bringen, staike Hindernisse überwinden müssen. Wir wissen, dass »nur durch Schmerzen die köstliche Gabe erworben wird", die Erez-Israel heisst. Aber kein Opfer darf uns zu gross, keine Anstrengung zu viel sein: um des Judentums, eines wieder lebendig sinnhaften Judentums willen, müssen wir Zion aufbauen, nicht um einer glücklichen, sondern um einer jüdischen Zukunft willen. Dieser „geistige Zionismus", so ergänzungsbedürftig er im einzelnen nach der metaphysisch-religiösen wie nach anderen Richtungen hin sein mag, enthüilt letztgültig den innersten Sinn, das eigentliche Wesen der zionistischen Bewegung. Dieser Zionismus — ein Glaube, ein. Wille und ein behutsames Schreiten in mählicher Verwirklichung — wird durch keine Enttäuschung entmutigt, durch keinen Rückschlag erschütte t, durch keinen Siurm entwurzelt, durch keine Menschenhand zerstört. Ihm steht einzig ein ideales Ziel vor Augen, nicht eiu materielles Gut, einzig das Juieutuin mit seine Zukunft, uicht „das größtmögliche Glück der größten Zahl*. Die Kerls wollen nicht glücklich sein. Dr. Abraham Schlesinger. SUcherfoesprechung. Programm oder Testament von Isaac Breuer, Verlag J. Kaufmann, Frankfurt a. M. Im Verlag J. Kauiniann, Frankfurt a. M. ist eine Aufsatzsammlung „Programm oder Testament* von Isaac Breuer erschienen. Enthalten sind vier Artikel aus der Zeit von 1917 — 1\)'2S, die einen gedanklichen Zusammenhang haben. Sachlich stellen sie im wesentlichen drei Forderungen auf und zwar: konsequente Durchführung des Ausuittsprmzips, Verzicht der „Abhängig-Orthodoxen" auf führende Stellungen innerhalb der Organisationen der „unabhängigen Orthodoxie" und schliesslich Ausdehnung dieses Prinzips auf Erst Israel. Begründung und leitende Idee ist für Breuer folgender Gedankengang: „Die Urzelle des jüdischen Staates ist die jüdische Gemeinde"; ohne sie hätte die jüdische Nation sich nicht behaupten können. „Als Vorbild der jüdischen Organisation steht für ewige Zeiten die von Gott selber geschaffene Ur Organisation des jüdischen Volkes, die jüdische Nation". Das jüdische Volk bildet eine »Einheit des Seins", der sich niemand entziehen kann, und eine „Einheit des Soliens", beruhend auf der Verpflichtung jedes Juden zum Gehorsam gegenüber dem jüdischen Gesetze. Neologie und Zionismus entziehen sich dieser Einheit des Sollens, denn ihnen ist dieses Gesetz nicht einziger, unveränderlicher Masstab. Nichtantritt

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