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Zion · 1929-10-01 · 10 (10.1929) · p. Seite 129

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
10 (10.1929)
Date
1929-10-01
Page
Seite 129 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 10 Z I 0 N Söite 129 gleichsam durch Fasten „abzuwehren", nunmehr durch andere aktivere Methoden ersetzt sei und dass beide Methoden schwerlich nebeneinander beatehon können« Aber seibat der alte Jiachuw, der ja übrigens, wie bekännt, unter den Ereignissen sehr viel schwerer als der neue gelitten hat. ist der Parole nicht durchweg gefolgt. Ein merkwürdiger Beitrag zur Religionspsychologie des Historischen, der die grosse Schwierigkeit des Religionsgesetzes aufzeigt, das Erlebnis des unmittelbar heutigen Tages in seiuen Formen aufzufangen. Uud doch hängt von der Ueberwindung dieser Schwierigkeit Entscheidendes für die innere Neubelebung jüdischer Religion ab. Hoffen wir, dass vom vergangenen Erew Roschchodesch Elul eine Welle der inneren Selbstbesinnung ausgegangen ist, die am Jonikippur ihre Krönung finden möge! Der Misrachi in der neuen Executive Der Präsident des Welt-Misrachi. Raw Meir Berlin, ist seit dem Züricher Kongress bekanntlich Mitglied der Zionistischen Executive und hat vor einigen Wochen seine Arbeiten in Jerusalem aufgenommen. Bei der vorläufigen Ressort - Verteilung zwischen den wenigen hier anwesenden Executivmitgliedern wurde ihm die sehr wichtige Aufgabe zuteil, den „Keren Haesra" (Hilfsfond) zu leiten. Diese Aufgabe ist nicht etwa nur philantropischer Art, sondern konstruktiv im höchsten Sinne. Nach den beiden Rechenschaftsberichten, die Raw Berlin bei zwei Pressekonferenzen der Executive über seine Tätigkeit abgelegt hat, handelt es sich bei ihr etwa um die folgenden Aufgaben: zunächst um augenblickliche Hilfe (Nahrung, Kleidung, Unterbringung) für die oft völlig von allen Hilfsmitteln entblössten Flüchtlinge, darüber hinaus aber sofort um ihre möglichst schnelle Wiederzurückführung an die ursprünglichen Wohnorte oder Stadtgegenden, damit die hygienisch so gefährliche Konzentrierung grosser Massen in den drei grösseren Städten des Landes so kurz wie möglich andauere. Eine solche Zurückführung setzt natürlich sehr genaue Erkundungen, zum Teil auch Verhandlungen mit der Zentralregierung und mit den lokalen Behörden voraus, da sie mit der ganzen Sicherheitsfrage eng zusammenhangt. Auch bedarf ihre Lösung eines sehr fein abgewogenen psychologischen Eingehens auf die schwergeprüften Flüchtlinge, die oft nicht an den Ort der Greueltaten nach so kurzer Zeit wieder zurückkehren wollen und denen die nationale Notwendigkeit, keinen Ort früherer jüdischer Siedlung preis zu geben, erst umständlich klar gemacht werden muss. Die dritte, umfassendste Aufgabe schliesslich besteht darin, nicht nur Zerstörtes wieder aufzubauen, sondern durch konstruktive Neuschöpfungen an besonders bedroht gewesenen Punkten, deren zukünftiges jüdisches Gewicht zu stärken. — Auch diese Arbeit ist natürlich tief in die ganze Problematik verwickelt, die wir. in dem einleitenden Absatz dieses Tagebuches berührt haben. Doch wird es noch interessieren, zwei methodische Grundsätze zu hören, die Raw Berlin seinem Plane zu Grunde gelegt hat: einmal werden nur diejenigen berücksichtigt, die unmittelbar unter den Ereignissen gelitten haben, nicht aber solche, die nur mittelbar irgendwie zu Schaden gekommen sind, und zweitens werden sämtliche Beihilfen in der Form von Anleihen gegeben, da man die Regierung ja keinesfalls durch jüdisches Geld von ihrer Verpflichtung befreien will, für die Schäden Ersatz zu leisten. E3 ist also zu hoffen, dass selbst diejenigen Summen, die jetzt für unproduktive reine Unterstützungszwecke hergegeben werden müssen, einmal noch, wenigstens zu einem grösseren Teile, gleichfalls der produktiven ,,Hilfe durch Autbau" zufliessen. Ausbau des Misrachi-Schulwerkes. Ein Zeichen dafür, dass die natürliche Wachstümstendenz, die allem Lebendigen innewohnt, auch in dieser schweren PrüfiiDgszeit nicht ganz unterdrückt werden kann, ist die soeben erfolgte Gründung des misrachistiachen Mädchen-Gymnasiums ,,Ta'pioth" in Tel-Aviv. Der Name der misrachistischen Y o 1 k s - schule lür Mädchen „Talp'oth' dürtte manchem unserer Leser bekannt sein, besonders solchen, die auf einer Palästinareise den schönen Bau besichtigen und die Schule in der Arbeit sehen durften. Nun erhält diese Anstalt einen Oberbau, der drei bis vier Klassen umfassen wird und zu Beginn des neuen Schuljahres mit der ersten Klasse ins Leben tritt. Als besonders erfreulich darf bemerkt werden, dass diese Gründung das schon an und für sich sehr angespannte Scbulbudget des Misrachi überhaupt nicht belastet, da sie auf den spontanen Wunsch zahlreicher Ekern hin erfolgt, die ihren Töchtern über die Volksschule hinaus die Synthese religiös-jüdischer und weltlicher Bildung sichern wollen und sich demgemäss verpflichtet haben, die gesamten Kosten aufzubringen. Die Lage der Misrachilehrer. Es gibt innerhalb der an misrachistischen Schulen tätigen Lehrkräfte, finanziell gesehen, zwei Kategorien : solche, die aus dem allgemeinen zionistischen Schulbudget bezahlt werden und nur pädagogisch der Misrachiaufsicht unterstehen, und andere, die, ganz oder teilweise, vom Budget des Misrachi unterhalten werden, weil ihre Stellen oder ein Teil der von ihnen gegebenen Stünden nicht im allgemeinen Budget vorgesehen sind, der Misrachileitung aber, meist aus religiösen Gründen, unentbehrlich scheinen. Die Lehrer dieser zweiten Kategorie nun befinden sich in einer immer uneiträglicher werdenden Lage, da sie jetzt, wenige Tage vor Roschhaschanah, die Gehälter für volle fünf Monate (Mai, Juni, Juli, August, September) nicht erhalten haben, und man ihnen auch vom vorigen Jahr noch dreieinhalb Monate schuldig ist, von früheren Jahren ganz zu schweigen. Was es für einen Volksschullehrer mit 8 engl. Pfund Gehalt bei voller Beschäftigung — und viele der Be-

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