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Zion · 1929-10-01 · 10 (10.1929) · p. Seite 126

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
10 (10.1929)
Date
1929-10-01
Page
Seite 126 (sequence 8)
Language
German
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Seite 126 Z 10 N Nr. 10 des Bestehenden ist sein ganzes Tätigkeitsfeld, er hat kein Intoresse dafür, selbst mit tätig zu sein an der Wiedererweckung verloren gegangener Werte. Aber die Knessioh Gedanloh ist selbst über die Festlegung dieser Dinge noch hinausgegangen. Sie hat sich mit der Frage der Jewish Agency befasst und ihren Ein« tritt in diese abgelehnt. Sie weiss, dasB das Palästinamandat eine Agency vorsieht, die eine Vertretung der Gesamtjudenheit gegenüber der Mandatarmacht sein solL Indem sie erklärte, dass eie selbst nicht eintreten will und deshalb die jetzige Agency keinen Anspruch darauf machen könne, die Vertretung der Gesamtheit der an Er ez-Israel interessierten Juden zu sein, hat sie versucht der für Erez-Israel arbeitenden Judenheit einen Fallstrick zu legen, damit auch andere nicht ausführen sollen, was sie selbst leichtfertig abgelehnt hatte. Von dieser Auffassung der jüdischen Lebensaufgaben trennt uns Misrachisten eine Welt. Zwischen ihr und dem Gedankengang jener liberalen Juden, die in den Tagen der nationalen Trauer um jüdisches Blut, das in Erez- Israel geflossen ist, ihre Ablehnung des Palästina- Aufbaus in Zeitungsinseraten kundgetan haben, erblicken wir kaum noch einen Unterschied. Beide Anschauungen stellen ein Zerrbild jüdischen Geisteslebens dar und gründen sich auf einer Einstellung, die vergeblich versuchen wird, Hassen von Juden zu sich herüberzuziehen. Beide haben sich zu absoluter Einflusslosigkeit verurteilt, weil sie den Gemeinschaftsgedanken ^ablehnen, sich selbst aus dtr Gemeinschaft aussondern. Es hat keinen Sinn, darüber nachzugrübeln, was die Aguda sein könnte, wenn sie nicht das wäre, was sie tatsächlich ist. Die Wahlen auf der Knessioh haben erwiesen, dass sie nicht die Absicht hat, etwas anderes zu werden. Die Annahme, dass einzelne Misrachisten, die in ihr verbleiben, einen Umschwung in der Gesinnung all der einflussreichen Führer oder Geführten herbeiführen können, die im rabbinischen Bat oder im Präsidium sitzen und die Knessioh jederzeit durch ihren Psak Din vor ein fait accompli stellen können, dem sich die Vollversammlung mit Begeisterung anzuschliessen hat, ist ohne jede Grundlage. Bei der Lage der Dinge nach der 2. Knessioh sollte sich ein Misrachist aber ernstlich überlegen, ob er es verantworten kann, auch die kleinste Energie von der zionistischen Tätigkeit abzulenken, dem Phantom der Aguda, wie sie sein sollte, zu liebe. Er sollte aber auch bedenken, ob die Grundanschauungen des Misrachi es ihm erlauben, eine Partei zu unterstützen, die durch einen Psak Din politische Aktionen machen oder hintertreiben will. Alexander Adler. Moses Mendelssohn. Von Rabbiner I. Nobel, Berlin. Für das Fortleben grosser Menschen über ihren Tod hinaus hat die jüdische Spruchweisheit das Wort geprägt: oanat an on»isn n»p»i^ nwtj \w I'k. Es bedarf für die Frommen nicht der Denkmäler, ihre Lehren sind ihr Andenken. Dieses Wort gilt auch für Moses Mendelssohn. Damit ist gesagt, dasB dieser Mann den sittlichen Anspruch hat, als Grosser und Frommer in Israel zu gelten. Von der Parteien Gunst und Hass verwirrt, schwankt allerdings auch sein Charakterbild sowohl im Urteil seiner Zeitgenossen, als in der Geschichte. Unter Charakter verstehe ich nicht nur die persönliche sittliche Reinheit und Lauterkeit, sondern das Gesamtbild seiner geistigen Haltung und Führung, das im jüdischen Urteil vor allem von Mendelssohns Einstellung zu allen Fragen der jüdischen Religion, seiner Blut- und Glaubensgemeinschaft, sowie der hieraus orientierten praktischen Lebensführung und Wirksamkeit abhängt. Die liebenswürdige Menschlichkeit unseres Weltweisen ist der unveräusserliche Besitz, den Mendelssohn seiner Zeit und der Nachwelt gegeben hat. Wenn das Wort berechtigt ist, der Stil ist der Mensch, so ist Mendelssohn der lebendige, noch immer lebendige Beweis für die Wahrheit dieses Wortes. Seine philosophischen Gedanken waren nicht immer originell und einzig in ihrer Art. Das klassische Zeitalter, das Zeitalter Kants, hat grössere Denker geboren und gleichartiges Denken vielfach hervorgebracht. Was für Mendelssohn einnahm, war die aus Morgenduft und Klarheit gewobene ästhetisch gefällige Ausdrucksweise, die sanfte Abgeklärtheit und Harmonie, die Wiederspiegelung des Menschen und Charakters im Stil. Diese Menschlichkeit und dieser Stil, das philosophisch geadelte Denken, verbunden mit mathematischer Schärfe, ist die glückliche Ergänzung Leasings. Leasing-Mendelssohn, Tempelherr-Nathan ist ein zweites Geschenk geistiger Weltgeschichte, gelebter Universalismus, gelebte Toleranz und Humanität. Es würde sich lohnen, den Freundschaft*bund Lessing - Mendelssohn mit dem Verhältnis Goethe- Schiller kritisch zu vergleichen und dem Verhältnis Goethe-Herder gegenüberzustellen. Hier ist wie selten der psalmistische Satz bis zur Neige ausgelebt worden: Siehe wie schön und wohltuend, wenn Brüder einträchtig zusammenleben^ Einem Lessing, einer deutschen klassischen Dichtung, den Weltuniversalismus, den „Nathan" vorgelebt zu haben, ist etwas unbeschreibbar Grosses. Den wahren Universalismus gezeigt und gelebt zu haben, ist eine jüdische Grosstat, hier sind Mendelssohn und der edle Lessing in guter Schule, in der Schule des jüdischen Prophetismus. Solange der Mensch im Irdischen wurzelt, ist gesunder sittlicher Universalismus und Kosmopolitismus nur möglich, wenn der geistige und physische Organismus des Menschen auch im Boden des Realismus einer Heimat, einer Scholle, eines Vaterlandes fest verankert ist. Für die Gesamtheit der menschlichen Organisation ist überzeitliche, übernationale oder anationale Askese,

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