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Zion · 1929-10-01 · 10 (10.1929) · p. Seite 124

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
10 (10.1929)
Date
1929-10-01
Page
Seite 124 (sequence 6)
Language
German
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Seite 124 ZION Nr. 10 dergeburt des Thorajudertums im Rahmen der hebräisch-nationalen Renaissance Er will das kulturelle Gallith überwinden durch Erez Jisroel und durch ein Chaluziuth des jüdischen Geistes. Der Misrachi hat niemals Anspruch darauf erhoben, die Gesamtheit des gesetzestreuen Judentums zu repräsentieren , oder die Fragen des Gallith von sich aus zu löseD. Geistige Differenzierungen bestehen natürlich auch hier. Aber sie treten viel weniger in Erscheinung, weil sie für die organisatorische Struktur nicht entscheidend sind und weil das praktische Programm schon viel fundierter und fester umrissen iet als bei der Agudoh. Auch ist die Marschroute des Misrachi durch die Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation im Wesentlichen gebunden. III. Von hier aus nun können wir an die Beantwortung der Fragen gehen, die wir eingangs aufstellten. Ad 1 ist zu sagen : Ein Weltanschauung snnterschied zwischen Misrachi und Agudoh besteht nicht. Ja, das Ziel der Organisationsidee ist das Gleiche : Religiöse Erneuerung auf dem Boden der Thora. Bei der Frage des Weges, der zur Erreichung des Zieles beschritten werden soll, geht man allerdings auseinander. Die Agudoh will das Ziel erreichen wesentlich durch die selbständige Organisierung der gesamten Orthodoxie. Der Misrachi wesentlich durch Palästina und die Wiedererweckung der hebräisch nationalen Kultur. Aber ich sehe nicht, dass hierin unvereinbare Gegensätze liegen. Dass eine Richtung in der Agudas Jisroel ähnliche Gedankengänge wie der Misrachi vertritt, ist ja schon ausführlich gezeigt worden. Es kann sein, dass mancher Misrachist den Weg der Agudoh für ungangbar oder aussichtslos hält, es kann sein, dass mancher Agudist den Weg des Misrachi für unpraktisch und gefährlich hält, aber Weltanschauungsgegensäize sind das nicht. Wir kommen nun zur 2. Frage: „Ist ein Zusammenschluss bezw. eine Einheitsfront des gesetzestreuen Judentums wünschenswert, möglich oder erforderlich? Da9S er wünschenswert ist, darüber wird eine Meinungsverschiedenheit gar nicht bestehen; dass in einer Zeit, die unsere Idee so furchtbar bedroht, eine Zerrissenheit des gesetzestreuen Judentums noch in Erscheinung treten muss, schwächt unsere4Position auf Schritt und Tritt. Die gehässigen Formen, die dieser Kampf manchmal annimmt, untergraben im stäiksten Masse die Autorität des Gesetzes und die Durchschlagskraft der religiösen Idee. Ist aber nun eine Einheitsfront möglich? Ideologisch ist die Brücke leicht zu sehlagen, da man sich über das Ziel im Grunde einig ist. Aber auch die verschiedene Auflassung über den einzuschlagenden Weg bietet, wie schon gezeigt wurde, keine unüberwindlichen Schwierigkeiten. Denn man kann das Eine tun und braucht das Andere nicht zu lassen. Schliesslich ist auch eine Teilung der Arbeitsgebiete fast von selbst gegeben, so dass selbst Kompetenzkonüikte leicht zu lösen sein imissten. Eine wesentliche Schwierigkeit könnte cur die Frage der Koalition bezw. Kooperation mit nichtorthodoxen jüdischen Gruppen bereiten, denn hierbei ist die Marschroute des Misrachi durch seine Verbindung mit der zionistischen Organisation fest gebunden. Wir wollen die Frage etwas näher untersuchen. Drei prinzipielle Einstellungen sind möglich: 1. Man lehnt jede gemeinsame Organisation oder Kooperation mit jüdischen Gruppen ab, denen die Thora nicht konstitutives Element ist, da man dadurch die Berechtigung einer anderen Form der jüdischen Verbundenheit, als der, die durch die Thora gegeben ist, anerkennen würde. 2. Mau fordert für jede Kooperation mit Nichtorthodoxen ein Maximum an-Sicherheiten gegen eine Majorisierung in allen Fragen, die das religiöse Gebiet tangieren. 3. Man sucht jeden Bruch der Klal-Gemeischaft so lange zu vermeiden, als wenigstens ein a u »- reichendes Minimum an Sieherungen in allen Gewissensfragen vorhanden ist. Der erste Standpunkt, also der Standpunkt der prinzipiellen Isolierung, hat natürlich die absolute Konsequenz und Eindeutigkeit für sich. Er ist auch, was zugegeben sei, halachisch durchaus vertretbar, was natürlich nicht heisst, halachisch entscheidend oder gar entschieden. Von diesem Gesichtspunkte wäre ein einheitliches Vorgehen allerdings ausserordentlich erschwert und eine Zugehörigkeit von Misrachisten zur Agudoh fast unmöglich gemacht. Aber in praxi wird dieser Standpunkt nicht einmal von der AustrittsortLoiloxie strenger Observanz konsequent verfolgt, als Prinzip für die Agudas Jisroel wohl nur von einer Minderheit vertreten. Dafür spricht am besten die Entscheidung des ralbiniscbeu Rates der Agudoh in den Fragen der Gemeindeorthoioxie und des $ 4. Zwischen den Einstellungen die unter 2 und 3 definiert wurden, können sich im Einzelnen auch schwere Divergenzen ergeben, aber unüberbrückbare Gegensätze siud es nicht mehr. Man kann eher von einem Auseinandergehen taktischer Art sprechen und da muss es Möglichkeiten der Einigung oder wenigstens der gegenseitigen Verständigung geben. Wie ich mir solche im Einzeluen denke, braucht hier nur angedeutet zu werden. Vorbedingung ist, dass den Misrachisten eine Mitarbeit in der Agudoh auf dem Boden völliger Gleichberechtigung ermöglicht wird. Sodann müsste man Wege und Mittel suchen, um mindestens unnötige Kämpfe, wie sie bedauerlicherweise u. a. bei Wahlen zu Gemeindevertretungen in Erscheinung treten und gehässige Formen der Auseinandersetzung vermieden werden. Hier lässt sich schon heute vieles verbessern. Wenn führende Persönlichkeiten von beiden Gruppen sich einmal mit gutem Willen zusammensetzen, so braucht der Ge-

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