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Zion · 1929-10-01 · 10 (10.1929) · p. Seite 123

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
10 (10.1929)
Date
1929-10-01
Page
Seite 123 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10 Z I 0 N Seite 123 entbehren. Erforderlieh ist lediglich Gemeinsamkeit des Ziels und Einigung Uber den zu beschreitenden Weg, wenigstens in grossen Zügen. Wie steht es damit, fragen wir, bei Misrachi und Agaloh? I. Es ist wichtig, sich klar zu machen, dass die Genesis der Agudas Jisroel von vornherein einen doppelten Charakter trug. Zur Gründung führte die Sehnsucht nach religiöser Erneuerung des Judentums auf dem Boden derThora und das Streben nach politischer Machtentfaltung und Repräsentation der Weltorthodoxie. Diese beiden Ziele sind keineswegs unvereinbar, ja bedingen sich bis zu gewissem Masse gegenseitig. (Selbstverständlich könnte auch jeder Misrachist an und für sich ein solches Programm unterschreiben). Eine Spannung ergab sich aber bald: Was dem Einen Ziel war, war dem Andern nur Weg. Die Devise der einen Gruppe lautete: Religiöse Erneuerung durch Zusammenschluss und Organisation, den Andern war die 0 g a n i s i e - rang and Vereinheitlichung der Weltorthodoxie vornehmster Selbstzweck. Die Einen sahen in der intensiven Politisierung eine Ablenkung der Energien von dem geistig religiösen Problem, das im Vordergrunde stehen sollte, die Anderen erblickten gerade im Autrollen des kulturellen Fragenkomplexes eine Gefährdung der zu schaffenden Einheit. Mit anderen Worten, es ging der Kampf am das Primat der kulturellen oder politischen Idee. Die politische Idee selbst konnte auch nicht einheitlich fixiert werden. Es gab sozusagen eine universale, unitaristische nnd eine partikularistische Lösung. Der einen Richtung kam es darauf an, die Gesamtheit der nw zu sammeln, also einen möglichst weiten Ereis zu ziehen nnd auch die peripheren Glieder, deren Bedeutsamkeit nicht unterschätzt wurde, mit einzubeziehen, die Andern legten den Nachdruck auf die Homogenität des Aufbaus, auf die Ausschliesslichkeit im Begriffe der Orthodoxie, wobei man zum erheblichen Teil diese Orthodoxie identifizierte mit den in den Austrittsgemeinden schon organisierten Gesetzestreuen. Die ideologische Grundlage für die unitarische Richtung gab die religiösnationale Struktur des Klal Jisroel im Sinne Min ^kiw» idid iS'bn, für die Partikularisten, die im Kampf gegen den Liberalismus geformte religiös-politische Idee der Austrittsorthodoxie. Es lag in der Logik der Tatsachen, dass dort, wo man das Primat der politisch-organisatorischen Idee forderte, die partikularistische Lösung bevorzugt wurde, es kann anderseits psychologisch und typologisch verständlich gemacht werden, dass bei den Anhängern des Kulturprimats mehr Hinneigung zur universalen Lösung, zur national-religiösen Begründung bestand. In der gehobenen Stimmung der Gründungszeit lebte in der Agudas Jisroel stark das Klalbewusstsein, das Bewusstsein der Verbundenheit und der Verantwortung für die jüdische Gesamtheit im Sinne derer, die eine unitarische Lösung ins Ange fassten. Das fand anch in der Katto witzer "Formulierung seinen Ausdruck, wo es heisst: „ Agudas Jisroel" erstrebt die Lösung der jeweiligen jüdischen Gesamtheitaaufgaben im Geiste der Thora. Aber der rein organisatorische Vorsprung der Austrittsorthodoxie zeigte bald sein entscheidendes Uebergewicht. Eine kleine Reminiszenz sei gestattet: Es sind gerade jetzt 10 Jahre her, dass von einem Kreise der Agudohjugend, zu dem auch der Schreiber dieser Zeilen gehörte, mit allem jugendlichen Eifer in Wort und Schrift der Kampf geführt wurde gegen einen „Separationsagudismus", für eine „Aguda des Klal Jisroel", für das „Primat des Kulturproblems", für eine „nationale mehr oder minder palästinozentrische Agudoh*. „Gerade weil wir jeden unreligiösen Nationalismus bekämpfen, müssen wir dem religiösen Nationalismus den Boden der Verwirklichung schaffen", hiess es in einem der damaligen Aufrufe von unserer Seite. Denn die Losung der religiösen und kulturellen Probleme, die Ueberwindung der seelischen Not des jüdischen Individuums in seiner geistigen Isolierung, erhofften wir damals von einer religiös-nationalen Renaissance in und durch Eres Jisroel. Darin standen wir, wie uns mit Recht vorgeworfen wurde, schon auf dem geistigen Boden des Misrachi. Unsere Niederlage war rettungslos und erledigend. Man zog verschiedene Konsequenzen. Einige blieben in der Agudoh, mehr oder weniger passiv, Andere fanden im Misrachi Betätigungsfeld nnd seelische Heimstatt. Ich will diese Reminiszenzen nicht weiter ausbeuten, aber ich erinnere mich eines jugendlich anmassenden Wortes, das ich zu einem sehr würdigen und hochverdienten Manne sprach: „Ich glaube, in zehn Jahren werden sie ans besser verstehen, hoffentlich ist bis dahin nicht zu viel verloren". Was heute in der deutschen Agudoh vorgeht, der Kampf gegen den § 4, die Einstellung des Esra, ist meines Erachtens im Grunde nichts anderes, als dass man anfängt, unsere damaligen Ideen etwas besser zu begreifen. Die Organisierung der Gemeinde-Orthodoxie und ihre Erfolge, der Aufschwung des Misrachi und seine praktischen Leistungen haben das Ihre dazu getan. Doch kommt es jetzt nicht darauf an, die Ursachen der langsamen und noch recht bescheidenen Wandlung näher zu untersuchen. II. Ich habe versucht, die geistige Struktur der Agudoh in kurzen Schlagworten, die natürlich die Fehlerquellen der Einseitigkeit noeh enthalten, aber Alles in Allem doch ein zutreffendes Bild geben, sine ira et studio zu zeichnen. Ich kann mich aber kurz fassen; denn einmal liegen die Verhältnisse hier viel einfacher und eindeutiger, anderseits ist das Wesentliche schon erwähnt worden. Misrachi als Bewegung wurzelt in dem Willen zur religiösen Wie-

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