Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 10 (10.1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- Seite 122 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 122 Z I 0 N Nr. 10 des A.-C. und des Administrative Committee der Jewish Agency mit aller Energie durchgeführt werden sollen. In der Resolution kam zum Ausdruck, dass vor allem unsere Rechte auf freie Ausübung gottesdienstlicher Handlungen an der Klagemauer, unser Anrecht auf Einwanderung in einem Ausmasse, das die Ausführung der das Nationalheim begünstigenden Mandatsbestimmungen ermöglicht,' unser Anrecht auf Schutz von Leben und Eigentum in der von der Zionistischen Organisation als notwendig angesehenen Weise, nicht geschmälert werden dürfen. Es wurde betont, dass wir nicht beabsichtigen, irgendwelche Rechte unter Außerachtlassung derjenigen anderer Nationalitäten durchzusetzen, dass wir Frieden und Gerechtigkeit in Erez-Israel wollen. Eine Zusatzresolution, die sich gegen nationalistische Propaganda und Erziehung richtete, wurde abgelehnt, da die angenommene Resolution auch diese Ablehnung nationalistischer Maxime mit umfasse. Dr. Wolfsberg erstattete den Bericht über die innerzionistische Lage in Deutschland. Er führte anst dass man nicht das Empfinden haben könne, als stände die Leitung der Z. V. f. D. hinter den Forderungen der Executive. Es mache sich in den leitenden Kreisen ein gewisser Defaitismns geltend, der lähmend auf die Arbeit in Deutschland wirken müsse. Die Haltung der „Jüdischen Rundschau" bewege sich in denselben Bahnen. Eine Politik, die klar und deutlich die Haltung des Aktions-Comites decke und unterstütze, sei in der Z. V. f. D. nötig. Der geschäftsführende Ausschuss der Z. V. f. D., ans dem verschiedene Mitglieder ausgetreten sind, stellt nicht mehr das Bild der Majoritätsverhältnisse und somit des Willens der Mehrheit im deutschen Zionismus dar. Das Zentralkomite' hiess die Richtung der Landeszentrale, die auf die Einberufung eines Delegiertentages der Z. V. f. D. hinzielt, gut. Der Wunsch, dass die Leitung der Z. V. f. D. so zusammengesetzt sein müsse, dass sie den Willen der Mehrheit der Zionisten Deutschlands repräsentiere, wurde ausgesprochen. Dabei wurde es klar gemacht, dass ein Zusammengehen mit den Revisionisten in politischen Fragen für uns nicht in Frage komme. Es wurde beschlossen, in einem besonderen Memorandum an die zionistische Exekutive ausführlich die Stellungnahme des deutschen Misrachi zu dem Gesamtkomplex politischer Fragen darzulegen. Misrachi und Agudoh. Von Bez. Rabbiner Dr. Harry L e v y, Regensburg. Durch seinen Artikel „Misrachisten in der Agudoh" (erschienen im „Israelit" und der „Jüdischen Welt") hat Professor Dr. Fraenkel-Kiel von neuem eines der latenten Probleme aufgerührt, die das gesetzestreue Judentum unserer Zeit bewegen und unglückseligerweise spalten. Ich glaube, man kann und darf nun nicht mehr schweigen, vor allem nicht, weil das Echo seiner mutigen Worte in keiner Weise der Bedeutsamkeit der Ausführungen und der wirklichen Stimmung der betroffenen Kreise entfpricht. Was sshen wir? Der misrachistische Blätterwald rauschte ein wenig in vornehmer und etwas indignierter Ablehnung, von Seiten der Agudoh eisiges Schweigen, und kaum ein Wort der Ermutigung von „neutraler" Seite. Dazu kommt: Entgegnungen und Repliken blieben für mein Gefühl recht rlächenhaft, beschränkten sich auf die von Fraenkel in den Vordergrund gestellte Teilfrage der organisatorischen Zugehörigkeit von Misrachisten zur Agudoh. begnügten sich mit Erwägungen über politische Opportunität, mit Darstellungen der organisatorischen Constellation, mit Feststellungen politischer Fehler aus Vergangenheit und Gegenwart, konnten aber gerade darum letzten Endes nicht befriedigen. Es sei daher gestattet, den Grundfragen wieder etwas ideologischer nahe zu kommen. Diese Grundfragen hat Adler in seiner Entgegnung in der „Jüd. Rundschau" angedeutet. Ich möchte sie präzise zu folgenden Fragen formulieren: 1. Besteht eine Weltanschauungsdifferenz zwischen Agudoh und Misrachi? 2. Ist ein Zusammenschluss bezw. eine Einheitsfront des gesetzestreuen Judentums wünschenswert, möglich oder gar erforderlich? 3. Ist die Zeit für eine Neuorientierung in dieser Richtung schon reif? Fraenkel bestreitet das Bestehen einer weltanschaulichen Differenz zwischen Agudoh und Misrachi — die Idee des gesetzestreuen Judentums sei einheitlich uiid fest umrissen — aber er fühlt sieh bei dieser Konstatierung nicht in Uebereinstimmung mit dem Gedankenkreis eines Teiles des Misrachi, wie er besonders bei führenden deutschen Misrachisten ausgeprägt sei. Dazu sei Demerkt: Die jüdische Orthodoxie ist heute weltanschaulich sicher kein völlig homogenes Gebilde, aber die wesentliche Scheidungsliuie verläuft keinesfalls in der Grenzkurve Misrachi-Agudob. M. a. W. auch die Agudas Jisroel umfasst, stärker noch als der Mi3rachi, weltanschauliche Differenzierungen und Spannungen von erheblichem Ausmass, auf der anderen Seite wird man zwischen einem Agudisten und einem Misrächisten typisierende Unterscheidungsmerkmale oft erst künstlich konstruieren müssen. Um es noch zu verdeutlichen: Die deutsche Orthodoxie zeigt heute ohne Unterschied der Parteizugehörigkeit einen ziemlich geschlossenen Lebensstil, dagegen trennt etwa den Gerer Chossid von dem gesetzestreuen Anwalt oder Professor westeuropäischer Prägung viel mehr als nur die Gradstufe der Zivilisation. Aber all dies ist tür unsere Frage völlig belanglos. Es ist für keine Organisation oder Bewegung erforderlich, dass ihre Mitglieder eine Weltanschauung — oder Kulturuniform tragen. Ja, wäre sie vorhanden, so wäre vielleicht die Organisation überhaupt zu