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Zion · 1929-09-01 · 9 (9.1929) · p. Seite 119

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
9 (9.1929)
Date
1929-09-01
Page
Seite 119 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 9 Z I 0 N Seite 119 senden einmütig angenommen. Nach dem Vortrag des „Aw Harachamim" durch Herrn Josef Margulies sprach Herr Lipa Scharf einen an die Geschehnisse in Brez - Israel angepassten „El maleh Rachamim", worauf nach Verrichtung der Jörn Kippur Eoton Gebete die Trauerstande ihren Abschluss fand. Die Knesioh Gedauloh. In diesen Tagen tritt die zweite Knesioh Gedauloh der Agudas Jisroel in Wien zusammen, der Weltkongress der „unabhängigen" Orthodoxie, wie sie sich selbst gerne nennt. Diese Unabhängigkeit der Agudoh hat zu einer gewissen Isolierung geführt, die, es mehren sich die Anzeichen, in ihren eigenen Reihen unangenehm empfunden zu werden beginnt. Dahin ist die Resolution zu deuten, die in Leipzig getasst warde, und die die Abänderung des Paragraphen 4 des Agudoh-Statuts, der auf Misrachi und Gemeinde-Orthodoxie gemünzt ist, verlangt. Wurde doch die Resolution sogar mit dem Argument begründet, dass in dem intransigenten Verhalten der Agudoh gegenüber dem Misrachi ein Grund dafür zu suchen sei, dass die Jugendorganisation der Agudoh nicht genügende Fortschritte mache. Die Frankfurter Richtung allerdings scheint bisher noch nicht davon überzeugt zu sein, dass Differenzierungen in geistiger Beziehung nicht gleichbedeutend sein müssen mit Verketzerung der Andersdenkenden. Die von diesen Leuten zur Begrüssung der „Jewish Agency" geschriebenen Worte drücken ein solches Mass von Verständnislosigkeit gegenüber der Gemeinschaftsidee des Judentums aus, dass die Gemässigteren grosse Mühe haben werden, ihren fraglos bestehenden Willen, zu einer Verständigung mit der Agency zu kommen, durchzusetzen. Der bezeichnenderweise aus dem Kreise der Agudoh- Jugend kommende, in Forderung und Sprache gleich gemässigte Vorschlag eines Anschlusses der Agudoh an die Agency, soweit sie politische und wirtschaftliche Aufgaben verfolgt, verdient eine ernsthafte Erwägung von Seiten der Knesioh. Lehnt sie ein Zusammengehen mit dem Grossteil des jüdischen Volkes auch in solcher Form ab, dann wird sie für sich einen Zustand der „splendid Isolation" herbeigeführt haben, der v i e-11 e i c h t ehrenhaft ist, dessen Gefahren aber von verantwortungsvollen Führern nicht übersehen werden sollten. Wahre Unabhängigkeit sollte sich nicht nur dadurch dokumentieren, dass man nach aussen volle Handlungsfreiheit und Selbständigkeit besitzt, sondern auch darin, dass man nach innen sich frei machen kann von früher einmal gefassten Vorurteilen, dass man unabhängig ist von den selbst erkannten Fehlern. Es ist erfreulich zu sehen, dass in gewissen deutschen Agudohkieisen, und sie sind nicht nur in den Reihen der Jugend tu suchen, diese innere Unabhängigkeit besteht. Es wäre ein starker Erfolg der zweiten Knesioh Gedauloh, wenn die Agudoh auf ihr lieh zu einem Bekenntnis zur Enheit des Judentums durchdringen könnte, durchringen zu der Erkenntnis, dass Einheit des Volkes ein wesentlicher Bestandteil jüdischer Gedankenwelt ist. Im Interesse der Ausbreitung und Stärkung dieser Gedankenwelt, die vom Sinai ihren Ausgang genommen, wünschen wir den Wiener Tagungen solchen Erfolg. 200 Jahre Moses Mendelssohn. Die deutsche Judenheit beging den 200-jährigen Geburtstag Moses Mendelssohns. Die Liberalen feierten ihn als den grössten Sohn des deutschen Judentums. Und sie von ihrer Einstellung aus haben völlig recht, wenn sie das tun, trotzdem auch sie sich bewuist sind, dass Mendelssohn den Gesamtkomplex des Traditionellen, einschliesslich des formalen, uneingeschränkt bejahte. In den Kreisen der Gesetzeitreuen hingegen schien man sich bei dem Feiern nicht so ganx wohl zu fühlen, trotzdem man hier die gleiche Erkenntnis bezüglich Mendelssohns Stellung zur Tradition besitzt. Der eigenartige Zwiespalt zwischen dem Schöpfer, seinem Werk und den Auswirkungen desselben übertrug sich aui diejenigen, die in Schrift und Rede ein gerechtes Urteil abzugeben sich bemühten. Und ist es nicht wirklich ebenso verfehlt, den orthodoxen Juden Mendelssohn als den geistigen Vater des liberalen Judentums in Anspruch zu nehmen, und ihn deshalb zu preisen, wie ihm einen Vorwurf daraus zu machen, dass diejenigen, die sich zu seinem Geiste bekannten, nicht die gleichen Konsequenzen aus seiner Erkenntnis togen, wie er selbst? Anch ohne Mendelssohn wäre die Judenemanzipation eines Tagts erfolgt, vielleicht nicht um einen Tag später, auch ohne Mendelssohns Bibelübersetzung hätte die Aufklärungsperiode und das erste Glück der erlangten bürgerlichen Freiheit Juden aus demfestgefügten Rahmen ritual-gebundener Lebenshaltung gerissen. Nur eines scheint absolut festzustehen: In Mendelssohn, dem Menschen, steht vor uns ein Idealtyp des nach dem Höchsten strebenden, das Menschliche und Göttliche mit ganzer Inbrnmt liebenden Juden. Dieses im edelsten Sinne Menschliche verschaffte ihm seine Stellung in der nichtjüdischen Welt, dieses Menschliche scheint irgendwie noch bis auf den heutigen Tag nachzuwirken. Ist es nicht ein ausserordentliches, glückhaftes Gefühl, dass so etwas möglich iat? dass es gerade einer der Unsrigen ist, dessen liebenswertes Wesen sich so über Jahrhunderte hinweg lebendig erhält, dass noch unsere heutige hastige Zeit den vor 200 Jahren Geborenen feiert? Und hätte uns Mendelssohn nichts weiter gegeben als dieses, und er gab uns mehr, auch dann schon müssten wir uns glücklich schätzen, ihn gehabt zu haben. Wir werden in einer unserer nächsten Numern uns noch eingehend mit dem Menschen und Juden Moses Mendelssohn befassen. Louis Marshall b"u In einem Sanatorium in Zürich starb am 11. September der erste Präsident des Council der Jewish Agency Louis Marshall. Eine besondere Tragik

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