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Zion · 1929-09-01 · 9 (9.1929) · p. Seite 116

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
9 (9.1929)
Date
1929-09-01
Page
Seite 116 (sequence 10)
Language
German
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«Seite 116 ZI 0 N Nr. 9 der vor aller Welt freiwillig übernommenen Verpflichtung entbinden wollen! Es wird gnt sein, die zu ziehenden Schlüsse sofort, wenn anch nicht übereilt zu ziehen: am Grabe unserer gefallenen Brüder, die wir in erster Linie beklagen. Angesichts der Hunderte von Verwundeten, deren Schmerz unser Schmerz ist. Unter dem fiiscben Eindruck der rauchenden Trümmerhaufen, die eben noch blühende Kolonien waren, getränkt vom Schweisse und nunmehr auch vom Blute unserer Besten. Denn nur, wenn wir der ganzen Schwere unseres Verlustes uns bewusst werden, ist es möglich, die Grösse, der nun auf uns liegenden Verantwortung zu bemessen. Und die Verantwortung ist gross. Die mit dem Aufbauwerk verbundenen Probleme sind nicht leicht zu lösen, vor allem nicht die arabische Frage, und schon garnicht auf dem Papier. Doch eins sei hier klar ausgesprochen: dass wir, die wir in Zion mehr als ein nur-nationales Ideal sehen, die wir von dort die Erneuerung des religiösen und sozialen Lebens und Zusammenlebens aller Menschen erhoffen und erwarten, dass wir diese Erneuerung nicht herbeiführen wollen auf Kosten eines anderen Volkes. Jugend sucht schwere Aufgaben, und in der Art, wie es der jüdischen Jugend gelingt diese Schwierigkeiten zu überwinden, wird sie ihren Wert beweisen können und zeigen, dass sie den Zweck nicht die Mittel heiligen lässt. Wir glauben, dass die zionistische Jugend den Beweis liefern wird, dort, in Erez-Israel. — Und so kommen wir zur Frage der Chaluziuth. Die letzten Ereignisse zeigen mit grausamer Deutlichkeit, daas wir in diesem Punkte einen entscheidenden Fehler begangen haben. Zu wenig von uns sind nach Erez- Israel gegangen, zu wenig haben wir hier uns und andere zur Chaluziuth erzogen. Wir fanden sehr gute Gründe uns zu beruhigen, beriefen uns auf die Galutb, in der noch schwere Arbeit zu leisten ist und die wir erobern müssen. So glaubten wir uns frei von der Verantwortung für Erez-Israel, glaubten durch Galutharbeit unserer zionistischen Pflicht zu genügen. Es ist in den letzten Tagen oft ausgesprochen worden: "Wäre der Jischuw nur doppelt so stark gewesen, es wfire nicht erst zum Angriff gekommen. Es wäre kein Blut geflossen. Wir Hessen unsere Chaluzim Chaluzim sein, Pioniere, und vergassen, dass Pioniere Wegbereiter sind für andere, für uns, die wir ihnen zu folgen hatten und es nicht taten. Deshalb, durch unsere Schuld mussten sie zu uns »si^n werden und mit der Waffe in der Hand Leben und Gut verteidigen. Wir sind jetzt überzeugt und wissen, dass ein gelungenes Aufbauwerk, ein blühender Jischuw ausstrahlen wird auf die Galuth und für den Zionismus werben wird besser, als wir es tun könnten. Wir sind fest entschlossen uns umzustellen und fordern von uns grössere Bereitschaft für das Werk und grösseren Opfermut. Von der der Mandatarmacht fordern wir, uns die Möglichkeit zu geben, diesen unseren festen Willen in die Tat umzusetzen: Erez-Israel wieder aufzubauen, noch einmal, in unseren Tagen. Isi EiBner, Berlin. Araberpolitik. Von Dr. Adolf Jacobus (Berlin), Die Hand Gottes öffnete uns die Tore Palästinas. Die Emanzipation der Juden, die Versuche ihrer Autoemanzipation und die Balfourdeklaration sind nichts anderes als drei Etappen eines Weges, der durch höhere Fügung vorherbestimmt war. — Irdisch gesprochen hat uns die Tore Palästinas das Interesse Englands geöffnet, dem es vorteilhaft erschien, in dem Lande, das einerseits eine Sicherung des Suezkanals bieten kann, andererseits eine Brücke zwischen Aegypten und Indien darstellt, eine Bevölkerungsschicht europäischer Prägung anzusiedeln. Die Balfourdeklaration sollte möglichst grosse Teile der Judenheit veranlassen, in kürzester Zeit sich in Palästina niederzulassen. Sicherlich sahen Lord Balfour und seine Freunde die Förderung der zionistischen Ziele auch vom Aspekt der Unterstützung einer idealen Menschheits- und Gerechtigkeitsforderung an, aber so stark sie sich auch iür die jüdischen Bestrebungen eingesetzt haben, entscheidend für ihre Politik war doch das englische Staatsinteresse. Nach dem Kriege liess England sich vom Völkerbund das Mandat über Palästina unter Hinweis auf die in der Balfourdeklaration übernommene moralische Verpflichtung übertragen, wodurch es „den Schlüssel" zu seinem Empire in die Hand bekam. Das ist die tatsächliche Situation, aus der Bich die Richtlinien für die von den Engländern einerseits, von den Jaden andererseits in Palästina zu führende Politik ergaben. Der wichtigste und schwierigste Teil dieser Politik betraf die arabische Majorität im Lande. Vor dem Kriege standen die Araber unter der drückenden Herrschaft der Türkei. Unter die Herrschaft Englands und noch dazu als Maudatarmacht kommen, bedeutete für sie die Erlangung von Rechten, die sie unter dem türkischen Regime nie besessen haben. Allein dadurch, dass England die nationalen Aspirationen nicht nur der palästinensischen Araber, sondern der ganzen arabischen Welt im Weltkriege, um ihre Bundesgenossenschaft gegen die Türkei zu gewinnen, weitgehend ermutigt hatte, kam es, dass die palästinensischen Araber mit den Rechten nicht zufrieden waren, die der Weltkrieg ihnen in den Schoss geworfen hat. Die durch England gleichsam legitimierte panarabische Bewegung zu meistern, war daher die politische Aufgabe sowohl der Mandatarmacht als auch der Juden in Palästina. Die letzten Ereignisse lehren, dass die gegenwärtige Führung der englisch-jüdischen Politik eine unzureichende gewesen ist. Es gab in Palästina eine staatsmannische Persönlichkeit, die ihrer politischen Aufgabe in diesem Lande gewachsen war. Das war Sir Herbert Samue.

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