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Zion · 1929-09-01 · 9 (9.1929) · p. Seite 115

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
9 (9.1929)
Date
1929-09-01
Page
Seite 115 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 9 Z I 0 N Seite 115 sich als reifer Mensch verband. Für die Jugend aber, die mit dem Zionismus gross wurde, ist die Palästinasache Teil der Erziehung, sie hat das Land und seinen Aufbau mit in ihr künftiges Lebensbild aufgenommen, das Schicksal war mitbestimmend für ihren Lebensweg. Der Zionismus ist ein Stück ihrer selbst, ihres Seins geworden — er gab ihr den menschlichen Halt. Daher die eine Gefahr: Hier drohen junge Menschen zusammenzubrechen. Oder? Oleich zeigt sich die andere Gefahr: Jugend überwindet leicht, sie ist beweglich, sie kann sich umstellen. Worauf? Neue Wege suchen, weg vom Zionismus? Zwei Jungens kamen zu mir, in diesen schweren Tagen der jüdischen Not. Der eine: Nun müssen wir umkehren, unsere Idee lässt sich nicht verwirkliehen. Jetzt haben unsere politischen Gegner im jüdischen Lager doch recht behalten. Der andere, schon tiefer: War diese Katastrophe nicht Antwort auf die Auflehnung gegen das Schicksal? Sollten wir nicht den alten Weg der 1000 jährigen Fassivgeschichte leidend, duldend weitergehen? War der Zionismus als Beginn einer aktiven Geschichtsepoche nicht Abweg von unserem schicksalhaften historischen Weg? Freunde, lasst Euch durch Ereignisse des Tages, mögen sie auch noch so schmerzlich sein, die Idee nicht rauben! Können Hemmungen in der Verwirklichung einer sittlichen Idee dieser selbst Abbruch tun? Die ganze Geschichte des jüdischen Volkes, ja sogar die kurze Geschichte der zionistischen Bewegung sollte Euch gezeigt haben, dass die Idee stärker ist als die Macht von aussen. — Der Zionismus aber ist uns zu einer religiös-sittlichen Idee geworden, weit entfernt vom Modehauch opportunistischer Zeitströmung, von politischer Zufallskonstellation. Zeigt, dass Ihr keine Konjunkturzionisten seid! Uns galt es immer beim Aufbau Erez-Israels eine tiefe Sehnsucht weltanschaulicher Art zu verwirklichen: Schaffung eines Kulturzentrums, eines Gemeinwesens, das ganz die jüdische Idee verwirklichen sollte, wir wollten der religiös-sozialen Idee der Thora eine ungehemmte Stätte ihrer Verwirklichung geben. Dies. Ideal war das Beste, was wir uns aus der Krise der modernen Jugendbewegung hinüberretteten. Es ist notwendig und es ist gut, sich das alles im Moment einer solchen Katastrophe wieder zu vergegenwärtigen: Mit diesem Ideal p»m nnnn stehen und fallen wir! Was ist geschehen? Eine ruchlose Verhetzung des arabischen Brudervolkes 1 at ans Mark unseres Werkes gegriffen. Man hat uns missverstanden. Wir wollten wieder Subjekt unserer Geschichte sein, dafür Sorge tragen, dass in unserem Lande, in unserer ewigen Heimat, der Jude wieder so leben kann, wie sein Innerstes, sein Geschick, seine historische Aufgabe, sein Gott es erheischt. Kann die Verwirklichung dieser ethischen Idee wirklich das Unglück eines Andern sein? Nochmals: Mau hat ucs missverstanden, — teils missverstehen wollen. Aber, es ist alte jüdische Art, im Unglück zunächst die Schuld bei sich selbst zu suchen ««an! Welche politischen Fehler gemacht wurden und künftig vermieden werden müssen, ist Sache unserer politischen Führer. Der Jugend ziemt es, nach einem zu schauen: Es gilt eine direkte Verständigung mit den irregeleiteten arabischen Mitbürgern anzubahnen. Auf Einzelheiten einzugehen, ist hier nicht der Ort. Soviel aber ist sicher: Auf dem künftig einzuschlagenden Weg der Verständigung beider Völker fällt der Jugend eine grosse Aufgabe zu, vielleicht der arabischen und jüdischen eine gemeinsame. Verstehen kann man sich aber nur, wenn man die Sprache des Andern kennt. Vom Araber kann man schwer verlangen, dass er hebräisch lernt. So geht als Juden, die ins Land wollen, voran und lernt neben hebräisch auch arabisch. Das wird viel zur Verständigung beitragen. Man sollte aueh in Erwägungen eintreten über die Gründung gemeinsamer Siedlerschulen, in denen ein gegenseitiges Sichverstehen bei der kommenden Generation erwachsen könnte. Und nochmals uuan. Wir haben zu wenig unsere zionistische Aufgabe erfüllt. Es ist und war immer Aufgabe der Jugend, ein erkanntes Ideal hochzuhalten als etwas Ueberzeitliches, losgelöst von zweckhaften Augenblickskonstellationen. Es gilt heute mehr denn je, eine Einheitsfront der gesetzestreuen, ja der gesamten jüdischen Jugend zu schaffen, bereit zu sein für btr\& p« in seiner Not, unsere bisherige Arbeit zu verdoppeln und zu vervielfältigen!n:n Das sei die Antwort der jüdischen Jugend an die Toten unseres Volkes, an die Gefallenen Zions! .mSax nm p's oni' 'n Dr. J. Grünfeld, Würzburg.! n : 2: i •: - k "t ' > Noch einmal baue ich Dich, — Du wirst gebaut! Die Ereignisse in Erez-Israel bedeuten den schwersten Rückschlag, den das Aufbauwerk seit seinem Beginn zu erleiden hatte. Sie erfordern neue Stellungnahme zu den zionistischen Problemen, vor allem zur arabischen Frage und zur Chaluziuth. Sie erfordern sie in erster Linie von der Jugend als Träger der Aufbauarbeit, an der sie festhalten muss und festhalten " will, — das sei vorweggenommen — trotz aller Rückschläge und den Besserwissern zum Trotz, die alles schon vorher gewusst und immer gewarnt haben. Wir werden uns nicht einschüchtern lassen. Wir werden nur lernen aus dem Unglück, um zu wissen wie ihm später zu begegnen. Nicht die Schuld eines scheinbaren Versagens in der Idee, sondern in uns suchen. Nicht fürderhin uns in Sicherheit wiegen, im Schutze der Mandatarmacht und ihrer Versprechungen, vielmehr selbst, mit eigenen Händen und unter Einsatz all unserer Kräfte, unser Schicksal im Erez zu gestalten versuchen. Mehr Forderungen an uns als an England stellen. Damit ist nicht gesagt, dass wir England von

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