Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 9 (9.1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 110 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 110 Z I 0 N Nr. 9 die Aufstellung der Gegenstände störten den Status quo, d. h. die Bestimmung des Mandats, dass die Eigentums Terhältnisse an den heiligen Stätten durch die Mandatsregierung garantiert sind. Die Regierung erkannte zwar an, dass das Vorgehen der Polizei nicht gutgeheissen werden kann, weigerte sich aber, die Schuldigen zu bestrafen. Die arabische Behörde aber, die gesehen hatte, dass. die Regierung ihr Interesse Bchützte, während sie die Forderungen der Juden unberücksichtigt Hess, ging einen Schritt weiter und fing an, an der Klagemauer Baulichkeiten auszufuhren, eine kleine Moschee mit einem Minarette, von dem aus die Mohammedaner zu gewissen Tageszeiten, auch während der Gebetszeiten der Juden, zum Gebet gerufen wurden. Es ist nicht anders, als dass diese Baulichkeiten nur aufgeführt wurden, um die Juden zu reizen und in ihrer Andacht zu stören. Es entsteht neue Aufregung in der jüdischen Bevölkerung Palästina! und darüber hinaus. Man protestiert, man erhebt Beschwerde, alles ohne Erfolg. Die Araber beginnen die kleine Gasse, die den jüdischen Andachtsplatz vor der Mauer bildet, mehr als bisher zur Durchgangs Strasse zu machen, man treibt Vieh durch die Gasse gerade zu Zeiten des jüdischen Gebetes. Das geht so all die Monate hindurch bis zum Juli. Die jüdische Oeffentlichkeit protestiert, die zionistische Executive protestiert, die Zeitungen der Juden protestieren, — nichts ändert sich. Der Zionistenkongress kommt heran, man erfährt von Vorbereitungen, eine Tür vom Tempelplatz aus auf den Durchgang an der Klage mauer zu brechen. Die Juden erkennen, dass diese Tür eine Gefahr sein kann, die Störungen noch häufiiger, noch ausgiebiger sein würden, wenn ein direkter, von aussen her unkontrollierbarer Zugang zum Gebetsp'atz der Juden vorhanden ist, den die Araber nach Beendigung ihres Gebetes in der Omar Moschee benutzen können. Man appelliert an die Palästina- Regierung, ja man schickt eine direkte Delegation vom KongresB aus nach London — nichts wird unternommen. Am Tischoh Beaw findet, wie alljährlich, ein Zug der Juden nach der Klagemauer statt, 10C00 Menschen sollen an ihm teilgenommen haben. Grosses Polizeiaufgebot befindet sich in der Nähe der Klagemauer, kein Zwischenfall ereignete sich, die Juden halten mustergültige Ordnung. In Tel-Aviv ein Zug zum Stadthaus, man überreicht die formulierten Forderungen des Schutzes der jüdischen Rechte an der Klagemauer. Ein Zug der Jugend formiert sich in Jerusalem, an dem auch Abordnungen aus Kolonien teilnehmen, Fahnen werden geschwungen, die Hatikwah erklingt an der alten Mauer, ein Schwur ertönt, die Mauer niemals preiszugeben. Eine Resolution fordert von der Regierung, Grossbritanien soll die Rechte der Juden an der Mauer schützen und die antizionistischen Beamten entlassen. Kein Zwischenfall auch bei dieser Demonstration. Die Juden demonstrieren in friedlicher und gesetzlicher Weise. Inzwischen bereiten die mohammedanischen Behörden ihre Aktion vor. Der oberste moslemitische Rat führt in einem Telegramm an das englische Kolonialamt Klage, die Juden erkennen den Status quo an der Mauer nicht an. Die Beter der Omar Moschee gehen schon beinahe zu Drohungen über: „wenn die Juden sich nicht an den Status quo halten, wird ein ernster religiöser Kampf ausbrechen", so telegrafieren sie nach London. „Beter der Omarmoschee" pflegen keine Telegramme an das Kolonialamt zu senden. Hinter all dem steht nur der berüchtigte Mufti Husseini, der schon nach den Unruhen von 1921 zu 7 Jahren Gefängnis verurteilt, dann aber von der Regierung begn; digt worden war. Am gleichen Tage werden zwei betende Juden an der Klagemauer von einem Trupp Araber überfallen und misshandelt. Und jetzt jagen sich die Ereignisse. Eine nach tausenden zählende Menge von Mohammedanern demonstriert vor der Klagemauer und verbrennt jüdische Gebetbucher. Aus dem neu eröffneten Tor an der Mauer kommen 100 Araber, zum Teil mit Messern bewaffnet und greifen Juden an. Am Sonnabend, Sonntag und Montag nach Tischoh Beaw kommt es in vielen Gegenden Jerusalems zu Angriffen auf Juden, bei denen schon viele verwundet werden. Ein kurdischer Jude wird getötet. Bei der Beerdigung dieses ersten Opfers der Unruhen greift die Polizei ein, um die Menge von der Hauptstrasse, durch die der Trauerzug geht, abzudrängen. Durch Gummiknüppel der Polizei werden Juden verletzt, man spricht von 20, Wolfgang von Weisl, der am Grabe gesprochen hatte, wird verhaftet, später wieder entlassen und auf der Strasse durch arabische Messerstiche verwundet. Steinbombardements auf die Jeschiwah „Thorath Chajim", sowie auf Passanten in den Strassen finden statt. Araber, aber auch Juden, werden verhaftet. Aus London hört man, dass die zionistische Executive mit dem Kolonialamt verhandelt, man fordert Bestrafung der Schuldigen und stellt fest, dass das Communique' der Palästina-Regierung feststehende Tatsachen leugnet. In der Mittwoch Nacht kommt es zum ersten Mal zu einem geschlossenen Angriff auf eine Vorstadt Jerusalems, die Polzei ist rechtzeitig zur Stelle und die Angreifer ergreifen die Flucht. Die Angriffe Einzelner und kleiner Trupps auf Juden gehen aber weiter bis zum Freitag, dauerten damals also schon eine ganze Woche. Freitag, der 23. August war der Unglückstag für Jerusalem. Das Gerücht war ausgesprengt, die Juden wollen die Omarmoschee durch Gewalt in Besitz nehmen, viele Araber strömten in die Stadt und es fanden Angriffe auf eine ganze Anzahl jüdischer Stadtviertel statt, es kommt zu regelrechten Kämpfen zwischen Juden und Arabern, zwölf Jaden finden den Tod, 107 Verwundete auf beiden Seiten werden gemeldet, die arabische Polizei verlässt ihren Posten. Panzerwagen werden eingesetzt, Kriegszustand und Pressezensur werden angeordnet. Ohne das Eingreifen der organisierten jüdischen Selbstwebr wäre ein weit grösseres Unglück über die jü