Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 8 (8.1929)
- Date
- 1929-08-01
- Page
- Seite 106 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3133276-3139346-3139354--0145-3139626- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 106 ZION im Laufe des Jahres 1928/9 weniger kostete. Damit ist jedoch das Hadassahproblem Dicht gelöst. Für die, welche lediglich den Spender und die Grösse der Spende sehen, ist zweifellos die Hadassahkrise eine schmerzliche Erscheinung. Wer auch der Art der Verwendung der Gelder eine nicht geringe Bedeutung beimisst, muss jedoch jetzt erst recht die Frage stellen, ob in Zukunft die Hadassah ihre Autonomie und Verschwendungsmöglichkeit beibehalten soll und ob man ihr trotz aller - Erfahrungen die medizinische Arbeit der Eupath Cholim ausliefern darf. Zwei Fragen müssen beantwortet werden. Hat die Hadassah bewiesen, dass sie die medizinische Arbeit rationeller (besser und billiger) zu organisieren versteht als die anderen Faktoren im Lande? Sind die medizinischen Probleme in Palästina schwieriger zu lösen als die kolonisatorischen, so dass man sie von der Executive loslösen und der Hadassah anvertrauen muss? Ohne Bejahung dieser zwei Fragen gibt es keine objektive Rechtfertigung für die Bestrebungen der Hadassah, und es hatte jede andere nach Geographie oder Alter oder Sexus gekennzeichnete Gruppe in der zionistischen Organisation das gleiche Recht irgend einen anderen Zweig der kolonisatorischen Tätigkeit für sich zu beanspruchen und von Berlin oder Warschau oder Johannesburg aus selbstherrisch zu leiten. Welches Chaos dann entstünde, ist leicht auszumalen. Die beiden oben gestellten Fragen sind zu verneinen und somit ist es höchste Zeit, das nun über zehn Jahre währende Hadassabexperiment, das misslungen ist, radikal abzubrechen. Auf nichts in Palästina trifft wohl das harte englische Urteil — conducted in a lavish if not extravagant scale — so gut zu, wie auf die Hadassah, kein anderer als der medizinische Teil der zion. Arbeit in Palästina hat ein so hartes aber gerechtes Urteil über sich ergehen lassen müssen. So, wie die Dinge jetzt liegen, ist die Hadassah keine Lehrmeisterin, kein beispielgebender Faktor für Pa läatina, ja bei einer zweckentsprechenden Reform könnte die Hadassah bei jüngeren, palästinensischen Institution die Kombination von Güte der Arbeit und Sparsamkeit in den Ausgaben lernen. Die Monopolstellung der Hadassah hat daher weder sachliche noch moraliche Berechtigung. Kein anderer Teil palästinensischer Probleme ist der zionistischen Welt so wenig bekannt, wie der medizinische. Wiitschaftliche, politische, religiöse Probleme haben ihre Parteien und ihre Presse. Die Medizin liegt ausserhalb des Programms und des Interesses der Parteien. Nur die Hadassah hat ihre Agitationspresse und lässt von sich hören, begreiflicherweise in einem ihr passenden Sinne. Darunter leidet Palästina. Die zionistische medizinische Arbeit in Palästina braucht eine Leitung in Jerusalem und keine in New-York. Die Leitung muss der ganzen zionistischen Organisation, d. h. dem Kongress und der Executive, aber nicht einem gemischten New-Yorker AusscbuBS unterstehen. Die Leitung kann lediglich einer medizinisch allgemein gut geschulten, auf verschiedenen Gebieten der Individual- und Sozialmedizin erfahrenen Persönlichkeit anvertraut werden, die über ausreichende Landeskenntnisse, gesunden Menschenverstand, kritische Begabung, Ausdauer und Energie verfügt. Der Leiter darf nicht parteimässig gebunden, sondern soll Fachmann sein, der nur der Executive und dem Kongress verantwortlich ist. Die Bndgetierung und Verteilung der von der zionistischen Organisation aufgebrachten Gelder hat in der zionistischen Executive zu erfolgen. Die medizinischen Institutionen büssen keineswegs ihre ganze Autonomie ein, Spitäler, Ambulanzen, sozialfürsorgerische Einrichtungen etc. nehmen den Charakter von gemeinnützigen Laudesunternehmungen an — wie es die Kupath Cbolim ist — an deren Budget ."wie an deren Leitung die zionistische Executive beteiligt ist. Finanzielle Beihilfe und sachliche Beratung der Institutionen im Rahmen eines in der zion. Execative aufgestellten und nach der jeweiligen Lage im Lande modifizierten und erweiterten Planes! Nur soweit das Land selbst nicht ia der Lage ist für sich zu sorgen, springt die zion. Executive bei oder sehafft und erhält eigene Institutionen. Das Geld der zion. Organisation soll zur Anregung, aber nicht zur Lähmung der Initiative der palästinensischen Bevölkerung dienen. Die produktive palästinensische Bevölkerung hat bis jetzt erstaunlich viel eigene Initiativkraft gezeigt, wenn man bedenkt, wie leicht es in Palästina den Menschen gemacht würde, auf diese Initiative und auf die Selbstsorge zu verzichten und wie schwer es den Palästinensern gemacht wurde, die Konkurrenz der Philantropie zu überwinden. Philantropie darf von der zionistischen Gesundheitspolitik nur geduldet — aber nicht gefördert werden. Palästina-Tagebuch. Rückblick auf die Kongresswahlen. Wenn auch der Leser diese Betrachtungen erst nach dem Kongress zu Gesicht bekommen wird, so haben sie vielleicht doch noch ein aktuelles Interesse, da die Kongresswahlen ja nicht nur den Zweck haben, Delegierte zu entsenden, sondern zugleich einen Stimmungsausdruck der jüdischen Bt^ölkerung geben. Und da muss denn gesagt werden, dass der grosse Erfolg, den die Misrachisten zweifellos in fast allen Ländern hatten, in Palästina nicht zu verzeichnen ist Eher im Gegenteil: während vor zwei Jahren wenigstens noch insgesamt 4 misrachistische Delegierte, zwei von der allgemeinen Misrachiliste und zwei von der des Hapoel Hamisrachi, gewählt wurden, waren es diesmal, trotz vereinigter Liste, nur insgesamt drei. Hätte wenigstens der Misrachi Hazair, diese beinahe rein fiktive Konkurrenzgründung zum Hapoel Hamisrachi, seine wenig mehr als hundert Stimmen durch Listenverbindnng der vereinigten Liste zu Gute kommen lassen, so wäre möglicherweise noch ein vierter durchgekommen — aber an dem grundsätzlichen Re-