Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 8 (8.1929)
- Date
- 1929-08-01
- Page
- Seite 105 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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; Kr. 7 Ä I 0 N Seite 105 vernachlässigt bleiben. Es ist eine wichtige Frage, ob die moralisch, z. T. — ein Jahr lang — auch rechtlich für Leben und Gesundheit des neuen Jischuw verantwortliche Executive die Sorge für sanitäre und epidemiologische Znuni Missstände dem Outdünken ausländischer freiwilliger, philanthropischer Unternehmungen überlassen darf, ob und warum die Executive den Keren Kajemeth beim Bodenankahf wie Bodenassanierung und sich selbst bei der Üebernabme des zu besiedelnden Bodens oder bei Anlage der Siedlungen und beim Bauen von Wohnhäusern für die Kolonisten nicht durch einen eigenen beamteten medizinischen Fachman beraten lassen daif. Es ist die Frage, ob die Executive vom lnteressen&tandpunkte der Kolonisation genügenden Einflass auf die Hadassabgeschäfte auszuüben vermag, wenn der Kontakt lediglich durch zwei, nach dem Vertrag vom Jahre 1927 medizinisch nicht vorgebildete (kein (Scherz) Vertreter in einem sechsgliederigen Beratungs-Aus- 8chuss bewerkstelligt wird, wo die anderen vier Mitglieder vom Hadassahdirektor nominiert werden. Es ist eine Frage, ob eine so machtlos der inneren Desorganisation gegenüberstehende Exekutive die medizinischen Interessen des neuen Jischuw der palästinensischen Regierung gegenüber vertreten kann, oder ob sie konsequent erweise auch hier den Vorrang einem Angestellten einer im Ausland lebenden Leitung einer ausländischen Gruppe überlassen darf und soll. Es ist die Frage, ob nicht die Executive den bisherigen Zuständen durch Schaffung eines mit administrativen Befugnissen ausgestatteten medizinischen Departements begegnen soll und ... kann — auch auf die Gefahr hin, dass dadurch die Sammeltätigkeit der Hadassah schwächer werden wird. Vor drei Jahren machte die Exekutive einen zaghaften Schritt in der Richtung einer Ordnung der medizinisch organisatorischen Probleme. Es wurde das Bureau für soziale Hygiene und medizinische Statistik geschaffen, das die Verhältnisse der Hadassah, der Kupath Cholim und des Landes überhaupt studieren, statistisch erfassen, die Ausgaben revidieren, Vorschläge ausarbeiten, die sanitären Zustände beheben und der Epidemiebekämpfung sich widmen sollte. Erst mit Hilfe dieses Apparates konnte der Waad Habriuth seine ihm vom Kongress zugewiesenen Funktionen erfüllen, ohne dieses Bureau war und blieb der Waad Habriuth ein machtloser und beinahe zweckloser Debattierklub, in dem sich alle — Hadassah, Kupath Cholim, die Vertreter der freien Aerzteschaft und der zionistischen Executive — befehdeten, ohne dem medizinischen Werke zu dienen und sachliche Arbeit zu leisten. Im Herbste 1926 erreichten die Machtstellung und das Ansehen des Waad Habriuth — infolge der erfolgreichen Kooperation mit der Regierung auf dem Gebiete der Epidemiebekämpfung und des Abkommens in Angelegenheit der sanitären Aufsicht — den Höhepunkt. Das Büro für soziale Hygiene war auch schon genügend mit den Landesverhältnissen and der medizinischen Arbeit im Lande vertraut. Deshalb wollte damals die Leitung des Waad Habriuth, dessen Präsident der weltbekannte Serologe Dr. Felix war, an die Reform des Medizinalwesens herantreten. Alle Voraussetzungen waren gegeben, bis auf eine, den Willen der Hadassah. Die Hadassah musste sich damals entscheiden, d. h. entweder ihre Politik, der zuHebe sich ihre Arbeit in Palästina so kostspielig gestaltete, aufzugeben und vor Palästina kapitulieren, oder sich von der Aufsicht der zionistischen Executive gänzlich loslösen. Die Hadassah entschied sich für die Loslösung und rettete sich solcherart vor der rechtzeitigen Reorganisation, die, wenn sie damals durchgeführt worden wäre, bis jetzt mehrere hunderttausend Dollars erspart hätte. Der XV. Kongress hat mit Rücksicht auf die Genehmigung des Hadassah-Vertrages die Zusammensetzung des Waad Habriuth geändert, bezüglich des sozialbygienischen Bureaus hat er jedoch keine Aenderung beschlossen, seine Existenz „gesichert" —. Die Executive hat sich vom ersten Moment, in dem die Gründerin der Hadassah die Leitung des „medizinischen Sekretariats" übernommen hat, auf „Dezentralisierung" der medizinischen Tätigkeit eingestellt. Der alte Standpunkt der Hadassah, den man auf dem XV. Kongresse zn vertreten nicht mehr wagte, siegte auf dem Umwege der Personalzusammensetzung der Executive. Es war konsequent, dass in den neuen Waad Habriuth als Vertrauensmänner der Executive auch Mänrer einzog' n, die bis dahin die Executive bekämpft und Gegner des Waad waren. Allerdings führte dies dazu, dass der eine „Vertrauensmann der Executive", der Hadassahdirektor, nur solange den Beratungen beiwohnt«, als diese wesentlich Fragen der Hadassah, z. B. das Budget — nicht berührten, während der zweite Vertn uensmann dafür sorgte, dass die Beratung — in Abwesenheit des ersten — nichts an der autonomen Selbstherrlichkeit der Hadassah ändert. Bei dieser Zusammensetzung des Waad Habriuth war es von vornherein klar, dass der vom KoDgr'ss gefasste Besehluss betreffs Reorganisation im Laufe des Jahres 1927,8 umgangen werden wird, und musste es dazu kommen, dass ein hoher Beamter der Executive „Beratung" des Hadassahbudgets nicht mitmachen wollte, und sein Mandat eines (des dritten) Vertrauensmannes der Executive im Waad Habriuth der Executive zur Verfügung stellte, während ein anderes der 7 Mitglieder des Waad systematisch den Sitzungen des Gesundheitsrats fernblieb. Es war auch absolut konsequent, dass die neue Executive vom Beginn an die Arbeit des sozialhygienischen Bureaus auf allen Gebieten durch Störung und Hinderung des Leiters bis zn dessen Abgang lahmlegte and bis zur durch systematischen Personalabbau völligen Auflösung dieses in den letzten 3 Jahren enstandenen Apparates das. Terrain für eine Reorganisation im Sinne der Hadassahbestrebungen vorbereitete. Die schwere finanzielle Krise der amerikanischen Hadassah bewirkte, dass die Arbeit, der Hadassah