Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 8 (8.1929)
- Date
- 1929-08-01
- Page
- Seite 104 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 104 Z I Ö N Die Synagogen in Tel-Aviv sind heute schon vor dem Eindringen jedes fremden Geistes geschützt. In vielen von ihnen werden täglich Schiurim zwischen Minchah und Maariw abgebalten, und die vielbeschäftigten Juden wenden sich für einige Stunden von den Sorgen des Handelns und der Existenz ab, um sich in Mischnah und Gemarah zu vertiefen. Auch die Intelligenz wird allmählich von der Synagoge angezogen, zuerst nur heimlich und verstohlen, schliesslich aber ganz öffentlich. Und man soll es für kein Paradox halten, wenn ich erzähle, dass die Kleinen, die Schüler der jüdischen Schulen, ihre Väter in die Synagogen ziehen. Denn hier, im Unterschied zur Diaspora, ist das Judentum auf der Strasse noch starker spürbar als im Hause. Das Kind aber ist immer von der Strasse beeinflusst. „Vater, warum gehen alle Juden in die Synagoge, und Du nicht?" oder: „Vater, warum baust Du keine Sukkab, wie alle Juden?' oder: „Mutter, warum zündest Du keine Sabbatlichter an?' — Diese Fragen sind den Kindern aus unfrommen Häusern sehr geläufig, uud Vater und Mutter, die in dem Herzen des zarten Kindes keinen inneren Riss entstehen lassen wollen, halten es für ihre Pflicht, ein ganz klein wenig seinen Willen zu tun. Aus solcher Gewohnheit aber wird Natur. Die Synagoge öffnet von selbst auch anderen traditionellen Bräuchen Tor und Tür. * * * An den höchsten Feiertagen gesellen sich zu den fünfundfünfzig ständigen Synagogen der Stadt noch etwa 30 provisorische „Minjanim". In diesen Tagen findet man in der Synagoge auch solche, die sonst die Internationale singen. Aber es scheint, dass dieses Lied nicht verhindert, dass das Herz noch heimlich von den beiden Löwen angezogen wird, die ihre Tatzen über die Gesetzestafeln oben am Aron hako desch ausbreiten, und von dem traditionellen Nigun des Vorbeters und von der ganzen Athmospbäre, mit der selbst die „Leichten" in Israel durch tausend Jugenderinnerungen und heimliche Herzensfäden verbunden sind. * Als vorigen Pessachdas 20jährige Jubiläum Tel- Avivs gefeiert wurde,1 machten seine Gründer öffentliche Bilanz über den Besitz der Stadt. Den „heiligen Besitz" bezogen sie nicht mit ein, vielleicht weil, nichts besonderes dabei ist. Er ist etwas Selbstverständliches. An jedem Ort, wo sich Juden niederlassen, bauen sie dem Gebet und der Thora eine Wohnung. Und trotzdem lohnt es vielleicht, auch diesen Besitz zu verzeichnen. Denn, wie gesagt, Tel Aviv ist das Alterskind von Erez Israel, und ausser der Heiligkeit des Bodens selbst, durch die das ganze Land "geheiligt *ist, hat diese Stadt keine ihr besonders zukommende ^Heiligkeit von den Tagen der Vorzeit her. Es gilt, sie ganz und gar von Grund auf zu^bauen. (Aus dem Hebräischen des „Habed") Aktuelle Probleme der Gesundheitsorganisation und Gesundheitspolitik in Palästina. Von Dr. S. Pell er-, Wien (ehemaliger Vorstand des Bureaus für soziale Hygiene und medizinische Statistik, und ehemaliges Mitglied des Gesundheitssekretariates der Zion. Exekutive.) (Fortsetzung.) Die Not wird die Hadassah im Jahre 1928/29 zwingen, noch weiter zu gehen als in dem obigen Budgetentwurf verlangt wurde, denn Amerika hat im August nach der A.-C.-Sirznng Jerusalem verständigt, dass es die nach dem A.-C.-Beschluss erforderliche Summe nicht aufzubringen im Stande ist. Wenn es sogar dem Mediziner grotesk erscheint, dass das medizinische Budget der zionistischen Organisation viel grösser ist, als die der landwirtschaftlichen Kolonisation zogefühtten Summen — darauf hat bereits Dr. Danziger in der „Jüdischen Rundschau" hingewiesen — so ist dies nicht der wichtigste Grund für die in Palästina immer wieder betonte Notwendigkeit einer Reorganisation des ganzen zionistisch-medizinischen Werkes im allgemeinen und der Hadassah im besonderen. Für die Notwendigkeit sprechen: a) Fehler in organisatorischer Hinsicht,.b) lncongruenz zwischen den Kosten und der medizinischen Leistung bia zu einem Masse, das man Verschwendung nennt, c) das medizinische Niveau. In organisatorischer Hinsicht ist vor allem die Frage wichtig, ob es bei der „Dezentralisation" bleiben soll; d. b. ob die Hadassah, die Kupath Cholim, der Keren Kajemeth, die Malaria Research Unit, die freie Aerzteschaft, die Wizo und die anderen jüdischen Organisationen, jede nach eigenem Gutdünken, ohne gemeinsamen Plan, arbeiten sollen. Ob sie alle neben und gegeneinander wirken sollen, ohne dass die für die Kolonisation und für das ganze Aufbauwerk verantwortliche Stelle dreinreden, coordinieren, Ueberflüssiges ausschalten, Wichtiges anregen, oder — wenn nicht anders möglich — selbst machen darf. Es ist nicht nur dumme Prestigefrage, warum eigentlich die zionistische Zentrale kein Recht hat, das für medizinische Zwecke bestimmte Geld dorthin zu dirigieren und nur dort bin zu lassen, wo es wirklich im Rahmen der Aufbauarbeit nützlich und notwendig sein könnte. Es ist vielmehr ein sehr wichtiges und praktisches kolonisatorisches Problem, ob die Executive sich des Rechtes begeben darf, zu verhindern, dass in Palästina grosse Suramen der Eitelkeit von Gruppen oder Personen geopfert werden, wodurch ilenschenkraft an Bozial u n wichtige Arbeit gebunden, womit parasitäre, auf Gnade oder Bettel angewiesene Existenzen erhalten und vermehrt werden, womit die öffentliche Meinung korrumpiert, während sehr wichtige und dringende Zweige sozial-medizinischer Tätigkeit — z.B. die Sorge für die krankheitshalber arbeitsunfähig gewordenen, oder die Ausstattung der Kolonien mit den primitivsten hygienischen Einrichtungen -?