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Zion · 1929-08-01 · 8 (8.1929) · p. Seite 103

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
8 (8.1929)
Date
1929-08-01
Page
Seite 103 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 8 Z l 0 N Seite 103 spät in der Nacht aus der Synagoge in ihre Häuser zurückkehren, besonders wenn sie ein wenig berauscht sind von einem Schluck Mizwabwein. — ,.Nun, Rebb Möschen, du gehst hier so und triffst einen „Gordowoi" (russisch: Stadtpolizist), und er hält dich an und fragt: Wo ist der Pass? Wo ist die Erlaubnis, in der Nacht spazieren zu gehen? Und wohin zu so später Stunde? Und du Rebb Moscbeh, was wirst du ihm antworten?"--Die beiden, der Prager und der Gefragte, fühlen sich plötzlich so frei und glücklich wie Kinder, ohne das Joch des Gordowoi und ohne Pass. Alle Schrecken der Vergangenheit jagtn hinter diesen Juden her, und sie schmecken den Geschmack Erez Israels sowohl in der Synagoge wie wenn sie sie verlassen. „Wann benscht man Roschchodesch fragt ein Jude, der spät abends nach Hause geht, den Schutzmann auf seinem Posten, in vollkommenem Vertrauen, dass der ihm diese Frage ebenso genau wird beantworten können, wie die nach diesem oder jenem Wege. Bei einem jüdischen Polizisten setzt man voraus, dass er sich auch auf den Neumond versteht! ■5f * Gegenüber diesem inneren und psychologischen Unterschied ist die äussere Gestalt der Tel-Aviver Synagogen im allgemeinen nicht viel von denen in der Diaspora unterschieden Olt hat man den Eindruck, als ob jene Synagogen nach Palästina ausgewandert seien, so wie sie sind, zusammen mit ihren Betern, als ob all jene Synagogen „dort ', die zerstört und beraubt und entweiht wurden, hier nun ihre Wiederherstellnng gefunden hätten. Deshalb ist es falsch zu sagen, man bringe das Golus nach Erez Israel. In Wirklichkeit bringt man nicht das Golus hierher, sondern die Seelen der Synagogen, die in der Diaspora nackt und entblösst herumirren, finden hier ihre Erlösung. Da ist z. B. die „Grosse S y n a g o g e" von Tel-Aviv, die in der lärmenden Allenbystrasse auf Boden des Keren Kajemeth steht. Ausser dem flachen Dach mit der Kuppel in der Mitte, die im orientalischen Stil gebaut sind, ist hier alles in dem traditio nellen Stil einer Synagoge in der Diaspora gehalten. Auch das Innere des Hauses, auch der Wortlaut der Gebete, auch die Aussprache und die Beter selbst sind wie in jeder grossen Synagoge des Auslandes. Diese Synagoge ist eines der höchsten Gebäude der Stadt, und von ihrem Dache aus sieht man ganz Tel-Aviv mit seinen Vorstädten liegen. Wenn an der Kuppel der Synagoge die elektrischen Leuchter entzündet sind, dringt ihr Licht beinahe bis in alle Ecken der Stadt. ^Von den übrigen Synagogen, die von Anfang an für ihren Zweck bestimmt waren (wir reden hier nicht von den Synagogen in Siedlungen, die früher zu Jaffa gehörten und sich erst vor wenigen Jahren an Tel- Aviv angeschlossen haben, wie Neweh Schalom, Neweh Zedek u. s. w.) sind besonders zu erwähnen: „Beth Schlomoh1' in der „Strasse des Propheten Jonah", dann die Synagoge „Ohel Moed" sowie — last not least — die neue^, Synagoge des Altersheims,' die erst im letzten Sommer errichtet wurde. (Neue Synagogen werden auch in den Siedlungen Nordia und Borochow, Vorstädten Tel Avivs, gebaut, und zwar beide auf dem Boden des Keren Kajemeth). All diese Synagogen haben ihre feste Betergemeinde. Die Vorsteher herrschen dort ganz unumschränkt, und es gibt sogar Synagogen, wo eine Art Kriegszustand zwischen den Vorstehern herrscht. Anch an diesem „Kriege" ist nichts Neues, denn dies ist nun einmal die Art der Synagogenvorsteher von jeher. Und Synagogenvorsteher werden nicht aus dem Lande weichen, selbst nicht in den Tagen des Messias! Besonderer Aufmerksamkeit würdig ist das Bethaus des „Handwerker Zentrums". Diese Synagoge befindet sich zwischen der Scheinkinstrasse und den Strassen Rabbi Jizchak Nafcha Ider Schmied) und Rabbi Jochanan Hassandlar (der Schuhmacher). Der jüdische Handwerker ist nicht undankbar gegen seine Freunde in der lernen und nahen Vergangenheit. Menachem Scheinkin, ein zionistischer Führer aus der letzten Epoche, half bei der Gründung der Handwerkersiedlung in Tel Aviv. Und der Tanaite Rabbi Jochanan Hassandlar, sowie der grosse Amoräer Rabbi Jizchak Nafcha waren Handwerker. Sie haben also schon in grauer Vorzeit den Typus des jüdischen Handwerkers für alle Geschlechter geprägt, und die Handwerker in Tel-Aviv sind stolz auf sie. Ihre Synagoge dient auch dem ganzen Viertel als Versammlungslokal, keinerlei „synagogale EinssmKeit'1 liegt über ihr. Selbst Versammlungen mit praktischen Zwecken für die Verbesserung der Lage des Viertels finden dort statt. Und bei allen religiös gebotenen Freudenmahlzeiten oder an Ferientagen hört man dort das Orchester mit seinen Instrumenten. Neben dieser Synagoge ist. ein grosser freier Platz mit einem jung angelegten Garten. Nebenbei bemerkt, bisher ist diese Synagoge die einzige in der Stadt, die nicht zwischen eng beieinander liegenden Häusern steht und deren Erbauer auch die Bäume nicht vergessen haben. Und drinnen herrscht eine volkstümliche Atmosphäre : „Dein Volk Israel". ■x- Die meisten Synagogen in der Stadt gehören den jMithnagdim. Man betet ruhig und ernst, der Vorbeter laut, die Gemeinde leise. In den Synagogen der orientalischen Gemeinden beteiligt sich die Gemeinde beinahe gleichzeitig mit dem Vorbeter und in gleicher Lautstärke. Aber es gibt auch chassidische Betstuben, wo das Gebet den Psalmvers wahrmachen will: „A11 e meine Glieder sprechen: Gott, wer ist wie Du!" Die Stimme der Chassidim aus Stolin z. B. hört man aus ihrem Stübl von einem Ende der Allenbystrasse bis zum anderen. Und da der Betraum im zweiten Stock nach der Strasse zu liegt, kann man selbst auf weite Entfernung recht gut die Pelzmützen herumhüpfen sehen, wenn man dort tanzt. Und tanzen ist bei ihnen eine sehr gewöhnliche Erscheinung»

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