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Zion · 1929-08-01 · 8 (8.1929) · p. Seite 102

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
8 (8.1929)
Date
1929-08-01
Page
Seite 102 (sequence 8)
Language
German
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Seite 102 ZION Nr. 8 vn w /iiasn 10 d>»tib Daß» nvn na tnö3 djsn ^mc?» 'B2B> ornns oy t wSn «btr v;ba t?2> »trat« iD3p3i Skw bnpa msatr c^iSn vn Sana n,l7yn ryra wnu« »tryas noapa n1? s]ni n^bob nana las .2"nN spD epct? mpa mm .i;miay bn azipb bmvs -[t-r>b ,tn wv Snan "pjrn 02S p.k ia'trn nn^j? rx inp£> n>2 pro *mj Sjreab nnjna crvastra bxw> nnnsS n^N cjs» CM3D int» c» f|tft tone»» dj»^ 'oiN7 man h,[j ikum nan n« i2't3< nanan "pm naa o^soan .Skid» min mi2 pn ma p2 pivc» .i33fj?a .» Synagogen in Tel-Aviv. Von A. Awi-Schulamit Ich will dich aufbauen, dass da erbaut bleibest. (Jer. 31,4; Wahlspruch Tel-Avivs.) Die Stadt Tel-Aviv, Erez Israels Alterskind, feierte in diesem Sommer ihr zwanzigjähriges Bestehen. Diese Stadt hat keine Vergangenheit und keine Tradition, keinen Propheten und keinen Tanaiten. "Weder im Tnach, noch im babylonischen oder Jerusalem itischen Talmud wird sie erwähnt. Ausser der Heiligkeit des Bodens selbst, durch die ganz Erez Israel geheiligt ist, hat diese Stadt keine ihr besonders zukommende Heiligkeit von den Tagen der Vorzeit her. Ihre Heiligkeit gilt es zu erbauen, vom Grund an bis zum Dache, zusammen mit dem profanen Aufbau. Augenblicklich geht es noch ein bischen durcheinander. 65 ständige Synagogen gibt es in Tel-Aviv, aber nur ein Teil davon wurde von vornherein für diesen Zweck gebaut. Die übrigen sind Notwohnungen, in irgendwelche Wohn- oder Geschäftshäuser hineingesteckt. Aber auch die provisorischen Betbäuser haben bereits ein mehr oder weniger ausgeprägtes Gesicht, das Gesicht der Stadt selbst, die am Tor des Landes liegt: das Gesicht der Sammlung aller Diaspora- Niederlassungen, die sich nun vereinigen und zusammenschmelzen zu ein1 m gemeinsamen Lebensstil. Denn in Tel-Aviv scheint der „Siddur" weniger zwischen den einzelnen Juden zu unterscheiden, als in irgendeiner anderen Stadt der Welt. Trotz aller „Gemeindelichen" Tradition, die die Siedler mit sich hierher gebracht haben, findet man ständig aschkenasische Beter in sephardischen Synagogen und umgekehrt. Der „Beth Jossef" und der Eema, die viele Generationen lang verschiedener Ansicht waren, kommen nun hier in Tel-Aviv zuBammenr und es gibt nicht mehr den Streit, ob man früher „Boruch sch'omar" oder „Hodu" sagen soll. Alles hängt von dem ab, der gerade vorbetet. Auch die beiden Oberrabbiner, der aschkenasische mit seinem Zylinder und der sephardische mit seinem Tarbusch, werden von der ganzen Stadt, ohne Unterschied der Gemeinden, gleichmässig anerkannt und geliebt. * * * Auch zwischen der Synagoge und der Strasse herrscht Harmonie, und ebenso zwischen der Synagoge und der Gesellschaft. Eine Sefer Thora wird -in den Schrein gebracht, und da begleitet man sie aui der Strasse mit blau-weissen Fahnen und singt (natürlich hebräisch) „Wir heben die Hände ..." Versammlungen über Sabbath und Feiertage, oder Protestversammlungen gegen Sabbathverletzungen werden selbstverständlich hebräisch abgehalten. Und jede religiöse Freudenfeier — z. B: eine Mahlzeit zu Rosch-choudesch oder bei eiLem Siuni schliesst mit der Hatikwah ab. All das ist gauz selbstverständlich, ohne den geringsten Zwang. Wenn ein berühmter Prediger aus dem Auslande in die Stadt kommt, der nicht geläufig hebräisch sprechen kann, dann zögert er überhaupt erst einmal, die Kanzel zu besteigen, und wenn er glücklich oben steht, dann hält er es für seine Höflichkeitspfücht, sich einleitend zu entschuldigen. Er weiss ganz genau, dass alle seine Zuhörer die Sprache der Galuth, die er spricht, sehr wohl verstehen — aber trotzdem entschuldigt er sich. Um die Harmonie nicht zu stören. Diese Harmonie ist vor allem fühlbar in den Bethäusern der orientalischen Juden, am stärksten wohl bei den Einwanderern aus den Balkanländern. Das sind noch ungebrochene, naive Menschen, und Zions Gnade ist noch nicht von ihnen gewichen. Die Synagoge der balgarischen Jeden z. B. ist am Lag beomer zu Ehren des „Lichtzündens" und ebenso an anderen Festtagen, sowohl mit religiösen Symbolen — z. B. Thoravorhängen — wie auch mit vielen blau-weissen Fahnen geschmückt. Dies scheint denn auch der Weg zu sein, um die Jagend ins Lehrhaus zu ziehen. Wenn der Verfasser des Sohar mit einem blau-weissen Tallis ausgeht, dann kommt er den Herzen der Schüler näher. Aber auch die Synagogen der Einwanderer aus Osteuropa betonen ihr.palästinensisches Gefühl in den verschiedensten Formen bei jedem Schritt und Tritt. Dieser Einwanderer kommt z. B. erst vor kurzem aus den Ländern der Judenverfolgungen, und er kann noch nicht einen Augenblick seinen Sinn von dem Gedanken abwenden, dass seine Füsse auf dem Boden des befreiten Heimatlandes stehen, und dass er hier das Recht hat, seinem Gott ganz nach Gefallen zu dienen. Er weiss ja freilich, dass dieses Erez Israel in seiner heutigen Form nur ein Abglanz des Erez Israel von ftüber und ein Vorglanz des kommenden ist — aber wohl dem, der doch wenigstens in diesem Erez Israel wohnen darf. „Die Feigen, die wir jetzt essen" — so hörte ich einen Cnassid mit seinem Nachbarn bei der dritten Sabbathmahlzeit im chassidischen Beth Hamidrasch sprechen — „was sind sie im Vergleich mit den Feigen, die hier wuchsen, als Israel noch auf seinem Boden sass? Alle Früchte des Landes sind seit der Zerstörung des Tempels zusammengeschrumpft, aber, so Gott will, werden sie küßttig wieder zu ihrer früheren Grösse zurückkehren in den " Tagen des Messias". Und wie viel Spott gibt es manchmal über die „Länder der Gojim" in den Gesprächen dieser Beth Hamidrasch-Juden der hebräischen Stadt, wenn sie

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