Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 8 (8.1929)
- Date
- 1929-08-01
- Page
- Seite 98 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 98 Z I 0 N Nr. 8 im Galath erzielt, in der Dr. Oskar Wolfsberg das misrachistische Korreferat hielt. Per radikale Füh* rer Dr. J. Grünbaum, Warschau, hatte das Refera gehalten, dessen Inhalt sich ausschliesslich mit der Förderung des Hebräischen als lebendige Sprache befasste. Dem stellte Dr. Wolfsberg die Notwendigkeit gegenüber, die heranwachsende Jugend mit dem gesamten jüdischen Schrifttum und mit den Forderungen der Ueberlieferung vertraut zu machen, damit der jüdische Geist und die jüdische Geistigkeit auch dem kommenden Geschlecht erhalten bleibe. Es war das erste Mal seit vielen Kongressen, dass der Misrachi ohne anzugreifen, ohne Schärfe, ohne auch nur eine einzige Forderung für sich selber aufzustellen, Grundprinzipien der Erziehung darlegte, die für die Gesamtheit gültig sein können. Vor den Augen des Kongresses erstand ein gewaltiges Bild idealen jüdischen Lebensaüfbaus aus den Leben? quellen des Ju* dentums heraus, ein Bild, dem der Kongress atemlos' beinahe fasciniert, zuschaute — ein Bild war es, nicht eine Rede. Ein ganz neues Bild vom Misrachi erstand plötzlich vor den Augen des Kongresses, ein Misrachi, der allen geben kann und will, der sich restlos einspannen lässt, in den Rahmen'^ der Gesamtheitsaufgaben, ohne dabei im mindesten etwas von seiner Eigenheit oder von den Anforderungen, die er an sich selbst und seine Anhänger stellt, aufzugeben. Die Ausführungen WolfsbergB haben sicherlich die Beschlüsse des Kongresses über die palästinensischen Erziehungsfragen günstig beeinflusBt. Wir können mit Befriedigung feststellen, dass es gerade die Anschau. ungBweise unseres Krebses gewesen ist, die eine tragfähige Basis für zionistische Gemeinschaftserziehung sowie eine Möglichkeit der Durchdringung der zionistischen Gesamtheit mit dem Ideal jüdischer Tradition, aufgewiesen hat. Die Bildung einer zionistischen Executive auf Grund einer grossen Koalition ist gelungen, der Misrachi bat zwei seiner wertvollsten Kräfte in die Executive hineingeschickt. Ausser Raw Meier Berlin, dessen Aufgabe voraussichtlich die Sorge für das mißrachistieche Schalwerk sein wird, geht Lazarus Barth in die höchste zionistische Behörde. Der deutsche Misrachi verliert in Herrn Barth einen seiner eifrigsten und erfolgreichsten Mitarbeiter, aber er bringt dieses Opfer gerne in dem Bewusstsein, der zionistischen Allgemeinheit, wie auch der misrachistischen Sache dadurch zu dienen. Es ist bezeichnend für die Stellung, die der deutsche Misrachi in der Bewegung einnimmt, dass die drei Menschen, deren Kandidatur ausser der von Raw Berlin ernsthaft ins Auge getasst wurde, unserem Kreise angehören. Nicht nur bei den Arbeiten des Kongresses, sondern besonders auch bei der Sitzung des Waad Haroschi des Misrachi hat es sich erwiesen, dasB einzig die Menschen unserer Einstellung (die natürlich nicht nur in Deutschland, im wesentlichen aber in Erez Israel und -Westeuropa leben) bereit sind, konstruktiv und opferwillig für die Gegenwartsarbeit des Misrachi einzutreten. Wir werden bei nächster Gelegenheit noch eingehender auf dieses Problem eingehen müssen. Unseren Freund Lazarus Barth aber begrüssen wir an dieser Stelle besonders freudig in Beinern verantwortungsvollen Amt und rufen ihm ein aufrichtiges und herzliches aan r6s zu. Die konstituerende Tagung der erweiterten Jewish Agency gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung des Willens der Gesamt judenheit zur Erez-Israel-Arbeit unter nationaljüdischem Aspekt. Die vielen starken Persönlichkeiten in ihrer klaren individuellen Prägung, die sich [aus vollem Herzen rückhaltlos zum Palästinage danken bekannten, die endlich wiederhergestellte Einheit des jüdischen Volkes begrüssend, bieten eine^Gewähr für die Fortführung der von uns alleine begonnenen Arbeit im Sinne des Judentums, wie wir es auffassen. Das Werk und der Geist des Weikes hat diese Menschen erfasst, ebenso wie es uns vor Jahrzehnten gepackt hat. Vielleicht stehen jene heute erst da, wo wir schon vor Jahren standen, vielleicht ist noch der Wille zur letzten Konsequenz bei ihnen nicht vorhanden, vielleicht sind aber auch schon viele unserer Postulate und Probleme so sehr ins Blut der Judenheit übergegangen, dass sie immanent wirken, ohne dass mansch dessen klar bewusst werden braucht. Wenn M a r s h a 11 es ablehnt, dass man seine Gruppe nur als Vertreter der Geldmacht wertet, denn sie sei Vertreter eines hohen Ideals, das sie gemeinsam mit allen Juden durchführen will, wenn er betont, nur da3 gegenseitige Sich-kennenlernen sei notwendig, um ein gegenseitiges volles Verständnis und Einverständnis herbeizuführen, wenn er auf die diesbezügliche Misrachi-Resolution des Kongresses eingehend erklärt, dass die Erfüllung religiöser Bedürfnisse bei der Erez Israel-Arbeit eine ganz selbstverständliche Forderung Bei, und wenn der ehrwürdige Kalischer Raw sich ohne Einschränkung zum Gedanken der gemeinsamen Arbeit in der Agency bekennt, Leo n^B 1 u m eine Synthese zwischen der jüdischen Nationalbewegung und den grossen internationalen Menschheitsaufgaben findet, wenn Einstein den Manen Herzls und der Führergestalt Weizmanns huldigt — uid das alles sich zuträgt unter dem Bilde des grossen zionistischen Führers und der Landkarte von Erez Israel, dann brauchen wir nicht zu fürchten dass die Zukunft zerstören wird, was die zionistische Bewegung bisher gebaut hat. Mit vollem Vertrauen müssen wir der kommenden Epoche jüdischer Entwicklung in Erez Israel entgegentreten und mit dem festen Willen, an ihr mitzuwirken. Ist doch die Entstehung der Agency in ihrer heutigen Form ein neuer Beweis dafür, dass unser Volk nicht verwaist ist, dass seine Lebenskraft und sein Lebenswille nicht gebrochen ist, weil eine stärkere Hand, als die menschliche unser Schicksal und unsere Zukunft lenkt. A. A-