Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 7 (7.1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 94 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 94 Z I 0 N Nr. 7 Hadassah kann man auf grosse Teile ihrer Tätigkeit ohne Schädigung der kolonisatorischen Aufgaben der zionistischen Organisation verzichten -), and man kann viel Geld ersparen, indem man den Rest ihrer Arbeit durch Rationalisierang stark verbilligt. Anders bei der Kasse. Wo immer man ihre Tätigkeit (in grossem Ausmass) drosseln will, muss ein anderer Faktor einspringen, wenn man nicht die der Kasse angehörenden produktiven aber mittellosen Elemente hilflos Seuchen und sonstigen Krankheiten aussetzen will. Kein Zionistenkongress hatte bisher Gelegenheit, ein ernstes fachmännisches Referat über medizinischorganisatorische Probleme Palästinas anzuhören. Der sanitären Kommission der Kongresse lagen lediglich Budgetziffern der Hadassah undlfupat Cholim vor, die niemand an Ort und Stelle zu überprQfen vermochte, und über die nur ein Gutachten des Waad Habriuth orientierte, in dem beide Organisationen massgebend vertreten waren. Das Resultat der Beratungen war daher immer „politisch" und nicht sachlich. Einmal — vor 6 Jahren — hat die zionistische Executive einen Mann aus Europa — Prof Rosenthal — mit dem Studium der medizinisch-organisatorischen Fragen und Verbältnisse betraut. Rosenthals Elaborat, das die Hadassah sehr kritisch beurteilte, ruht seither völlig unbeachtet im Archiv der Executive. Das medizinische Budget der zionistischen Organisation ist recht beträchtlich. Die Hadassah hat im Jahre 1919 engl. Pf. 69 000.—.-, im Jahre 1920 schon engl. Pf. 121000.—.— aasgegeben. In den 3 Jahren 1920 bis 1922 betrugen die Ausgaben der Hadassah in Palästina rund engl. Pf. 370 000.—.— 7,4 Millionen Goldmark. Damals gab es in Palästina ausser der Hadassah zwei, bzw. seit dem Jahre 1921 eine jüdische Krankenkasse. Im Jahre 1922 verauslagte die Kasse über engl. Pf. 24 000.—.— Mit ^den Ausgaben der Hadassah zusammen waren es in diesem Jahre rund engl. Pf. 152 000.—.— 3 040 000.- Goldmark, bei einer jüdischen Einwohnerzahl von rund 82 000 Seelen, die ja ihre Hilfe auch von 4 nichtzionistischen jüdischen und vielen nichtjüdischen Spitalsuntemehmungen, wie von Privatärzten bezogen haben. Das Jahr 1923 brachte die erste finanzielle Hadassahkrise. Das Budget der Hadassah wurde um rund die Hälfte veikleinert. Die Krankenkasse, die bis dahin medizinisch eigentlich nur auf dem Lande tätig war und in der Stadt ihre Mitglieder durch die Hadassah gegen geringe Entschädigung behandeln liess, bildete sich jetzt zu einer auch die städtische Arbeiterschaft selbst versorgende Organisation um. Ganz selbständig wurde sie allerdings nicht und ausser dem Budgetzuschnss, den der Kongress der Kasse bewilligte, erhielt sie sehr grosse 2) Siehe z. B. die Vorschläge der Experten der j: P. S. C. Boston 1928. materielle Aushilfe von der Hadassah. Im Jahre 1923 gaben Hadassah und Kupat Cholim zusammen engl. Pf. 99 000.—.— aus. Die amerikanische Hadassah erholte sich bald und konnte bereits im Jahre 1925 engl. Pf. 91000.-.— und im Jahre 1926 engl. Pf. 122 000.—.— für Palästina bereitstellen. Auch die Krankenkasse vergrösserte ihre Ausgaben (1924: 30000.—.— 1925: 42000 —.—und 1926: 65000.—.— engl. Pf.). Beide zionistischen Organisationen brauchten vom 1. 10. 25 bis zum 30. 9. 26 zur Bewältigung ihrer Arbeit die respektable Summe von engl. Pf. 173 C00. - .— oder 3 560 ( 00.— Goldmark. Die erstarkende Hadassah sah in der Krankenkasse nicht eine Mitarbeiterin, sondern eine Konkurrentin. Ihre Argumente waren: a) zwei Organisationen und Administrationen sind teurer als eine und b) die medizinische Arbeit in der Kasse ist schlecht, die der Hadassah gut. Ihre Mittel waren: 1) Konkurrenzkampf durch Ueberangebot der „medizinischen Ware" in Palästina und Verschleudern der „Ware" zu einem für den kapitalsschwachen Konkurrenten unannehmbaren Absatzpreis. 2) Kampf gegen die Krankenkasse in der zionistischen Executive, ferner gegen den Gesundheitsrat der Executive (Waad Habriuth), der die Kasse als medizinische Organisation schützte, und schliesslich im Jahre 1926 und 1927 gegen die Executive selbst. Dieser Kampf endete im April 1927 (siehe Bericht der Executive an den XV. Kongress, engl. Ausgabe S. 4 34 ff) mit einer kompletten Niederlage der Executive und des Gesundheitsrates — ohne dass dabei die Kasse besiegt worden wäre. Die Executive musste mit Rücksicht auf Amerika nachgeben. Zur selben Zeit hat jedoch die anfangs 1927 knapp vor dem selbstverschuldeten finanziellen Zusammenbruche stehende Krankenkasse (K. Gh.) unter den Auspizien der Executive ihre Reorganisation in Angriff genommen. Seither ist geraume Zeit verstrichen und die Kasse konnte trotz verminderter Zuschüsse, trotz Verringerung ihres Budgets von 65 000.—.— auf etwa 45 000.—.— engl. Pf., trotz schwerer Krise im Lande, ihre Arbeit ausbauen und mit der Schuldentilgung beginnen. Der XV. Kongress hat die Vorschläge der sanitären Kommission, wonach im Jahre 1927/8 ein die gesamte medizinische Arbeit der zionistischen Organisation, auch die der Hadassah, umfassender Reformplan in der zionistischen Executive auszuarbeiten ist, angenommen. Auch die Hadassahvertreter und die amerikanische Fraktion stimmten für diesen Vorschlag, ja sie haben sogar der Krankenkasse eine stattliche Jahresdotation bewilligt. Es war dies eine taktische Notwendigkeit. Unerwarteterweise meldeten sich nämlich während der Tagung des Kongresses die Palästinensische Regierung und das britische Kolonialamt in London (am 29. VIII. 1927) gegen die Hadassah zu Worte. Statt der er-