Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 7 (7.1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 93 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 Z I 0 N Seite 93 an die internationalen Erfahrungen und Erkenntnisse hatten in der Exekutive einen allerdings nur geringen Erfolg. Seither wird der mechanischen Prophylaxe mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Das Problem der Tuberkulose ist unverändert ernst. Es gibt seit 1926 nur eine Station für Schwertuberkulose im ganzen Lande. Trotz Erweiterung reicht sie nicht aus. Die Rpgierung h. t ihre Antituberkulosepläne nicht verwirklicht. Für Leichttuberkulöse gibt es überhaupt keine Anstalt. Das Netz der zur Antituberkuloseliga zusammengefassten Fßrsorgestellen mit den kleinen Beihilfen, die den Kranken gewährt werden, ist kein Ersatz. — Die grosszügige Bekämpfung des Trachoms ist auf einen toten Pnnkt angelangt. Die Aktion der Hadassa in der Schulen muss durch intensive Familienfürsorge und Wor>nungsbytriene ergänzt werden, wen)' weitere Fortschritte erzielt werden sollen. — Die allgemeinen sanitären Verhältnisse in den zionistischen Siedhrogen haben sich in den Jahren 1926 und 1927 gebessert und günstiger gestaltet als in den P1KA- und sonstigen Kolonien. Es war dies - wie der Jahresbericht der Regierung anerkannte — Folge der im Jahre 1926 von Organen der Exekutive begonnenen sanitären Aulklärungsarbeit und der damals unter dem Eindruck der Emekepidemie geschaffenen sauitftreu Einrichtungen. Es fehlte aber an Mitteln, um auch nur das von uns gemeinsam mit dem Gesundheitsdepartement der Regierang und des Kolonisationsdepartements der Exekutive für 1927 entworfene Minimalprogramm zu verwirklichen. Inzwischen haben sich die sanitären Verhältnisse verschlechtert, da der sanitäre Aufsichtsdienst der Exekutive aufgelassen und kein sanitärer Fond, mit dessen Hilfe das in früheren Jahren Versäumte nachgeholt werden könnte, geschaffen wurde. Bei der Anlage neuer Siedlungen und Errichtung nener Bauten werden in den letzten Jahren sanitäre Gesichtspunkte mehr als früher berücksichtigt. Die Wasserversorgung und Assanierung der besiedelten Böden obliegt nach wie vor dem Keren Kajemet; in den letzten Jahren wurden namhafte Fortschritte erreicht. — Derzeit wird die sanitäre Ueberwachung auf dem Lande von überlasteten jüdischen Regieiungsinspektoren und Kolonialä-zten, in den Städten von Kommunal- und staatlichen Funktionären besorgt. — Man kann nicht kolonisieren, ohne dass den sanitären, epidemiologischen und allgemeinmedizinischen Verhältnissen des Landes grösste Aufmerksamkeit geschenkt wird, ohne dass medizinische Erwägungen den Gang der Aktionen beeinflussen und jede Aktion von entsprechenden medizinischen Massnahmen begleitet ist. Die zionistische Exekutive hat kein medizinisches Departement und keinen eigenen peripheren Apparat, keine Spitäler, Ambulanzen etc. Es gibt in Palästina eine ganze Reihe jüdischer, zionistischer und nichtzionistischer, sanitärer und medizinischer Organisationen. Sie arbeiten ohne einheitlichen Plan. Die zionistische Exekutive hat sich zweier von ihnen, der Hadassa und der Kupat Cholim, bedient. E9 sind dies die beiden grössten med-zinisch^n Unternehmungen im Lande. Die erstere, organisatorisch mit Amerika eng verbunden, leistet medizinische Hilfe jedem, der sie begehrt.') Sie hat im Jahre 1927 die vollständige Unabhängigkeit von der zionistischen Exekutive erwirkt, d. h. die rechtliche Sanktion eines faktischen Zustandes eräugt. Seit einem Jahre macht die Hadassa eine schwere finanzielle Krise durch, die zu allerlei budgetären Kürzungen führte. Die medizinische Arbeit wurde nicht nach einem Plan verbilligt, sondern mit Rücksicht darauf, dass aus Amerika rund 100000 Dollar in diesem Jahre weniger eintreffen werden, wurde eine Reihe von systemlosen Operationen am Budget vorgenommen. So wurde z. B. der Spitalsbetrieb in Tel-Aviv um 20 Betten verkleinert — obwohl gerade in Tel-Aviv die Spitalsnot grösser ist, als in irgend einem Teil Palästinas. — Die zweite der genannten medizinischen Organisationen, die Kupat Cholim, ist eine Institution der Arbeitergewerkschaft, der Histadruth Haowdim. Im Jahre 1927 übernahm diese Krankenkasse auch die Funktionen der bis dahin selbständigen Kasse misrachistischer Arbeiter. In dem Ende 1927 geschaffenen Aufsichtsrat der Kasse ist die zionistische Executive vertreten. In letzter Zeit ist man in der Execntive wieder bestrebt, die Kasse in eine Institution zu verwandeln, die Beiträge einkassiert und Krankengelder auszahlt, aber keine medizinische Hilfe leistet, diese vielmehr der Hadassah überlässt. Diesen Plan der Hadassahleitung haben sich auch die amerikanischen Experten zu eigen gemacht. Die Verwirklichung dieser Pläne wäre eine schwere Schädigung Palästinas und würde zur Verteuerung der medizinischen Arbeit führen, da die Kasse viel billiger arbeitet, als die Hadassah. Heute bringt die Krankenkasse einen Grossteil ihrer Ausgaben im Lande auf und würde die Opferwilligkeit der Mitglieder zu Gunsten der Kasse im Notfalle die Probe zweifellos bestehen. Anders wäre die Situation, wenn die Kasse die medizinische Arbeit aus der Hand gäbe. Die Beiträge der Mitglieder würden rapide sinken, wofür wir den klaren Beweis in der bisher differenten Gestaltung der Landesbeiträge bei der Hadassah (geringer Bruchteil)2) und bei der Kupat Cholim (grosser Prozentsatz) haben. Käme es dann zu einer Krise bei der amerikanischen Hadassah, so wären die Folgen viel ernster als jetzt, denn im Tätigkeitsgebiete der Kasse sind Kürzungen mit dem Amputationsmesser nicht möglich. Bei der ') 4 Spitäler, zahlreiche Ambulanzen, Schulhygiene, Säuglingsfürsorge. Näheres s. S. Peller „Palästina" 1929 Nr. 2-3. 2) Siehe S. Peller 1. c. und in „Briuth Haam* 1926, N. 3.