Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 7 (7.1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 92 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3133276-3139346-3139353--0126-3139606- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 92 Z I 0 N Nr. 7 war, sondern vielmehr von dem völligen Fehlen jener notwendigen Hemmungen, die wir vorhin als konstitutive Vorbedingungen einer wirklich thoratreuen Politik angesprochen haben. Die Artikel von Raw Fischmann, dessen persönlichen Mut man gewiss hoch einschätzen muss, und der sich mit Recht über die Angriffe erhaben dünken darl, die seiner Stellungnahme persönliche Motive unterzuschieben versuchten, waren in einem Tone geschrieben, der dem Ansehen des Misrachi und damit, wie die Dinge nun einmal liegen, dem Ansehen der Thora auf das schwerste abträglich sein musste. Es handelt sich hier nicht nur, wie auf Angriffe aus Kreisen junger Misrachilehrer erwidert wurde, um eine Frage des Stils und des guten Geschmacks, sondern um eine Frage der religiösen und politischen Moral. Es ist nicht angängig, wenn im führenden Blatt der grossen thoratreuen zionistischen Bewegung aus der Feder ihres Chefredakteurs, und möge er auch tausend Mal als Privatperson schreiben — wer jahrzehntelang Führer war, kann nicht mehr Privatperson sein! —, es ist nicht angängig, dass aus der Feder des Raw Fischmann im „Hator" heftige, kaum wiederzugebende Beschimpfungen und IronisieruDgen führender und verdienter zionistischer Vorkämpfer und Vorkämpferinnen erscheinen, insbesondere solcher, die persönlich eine anerkannte religiöse Lebensführung aufzuweisen haben. Es ist nicht angängig, dass in diesen Artikeln Mitteilungen über eine Versammlung gemacht werden» bei der der Verfasser jener Zeilen nicht anwesend war, von der er aber behauptet, sie habe mit Unterstützung von Exekutivmitgliedern zu Angriffen auf den Misrachi gedient, während am Tage darauf der allerdings dort anwesend gewesene und dem Misrachi doch gewiss nahestehende Rabbi Benjamin Öffentlich bezeugen kann, dass in jener Versammlung des Misrachi nur im lobenden Sinne gedacht wurde. Es ist auch nicht angängig, dass in den gleichen Artikeln gewisse Vorgänge am Tischa b'aw, die sich leider in der Schule von Sichron Jaakow ereignet haben, so dar gestellt werden, als habe es sich um ein von den Lehrern für die Schüler veranstaltetes Instrumentalkonzert gehandelt, das ohne jede Verbindung mit dem Charakter des Tages gestanden habe, während der „Hahed'* schon vor Monaten feststellen konnte, dass es sich um einen zwar gut gemeinten, aber leider verfehlten Versuch eines Kinoth abends mit Musikbegleitung handelt. Man wird einwenden und hat eingewendet: erstens, dass man im Kampfe nicht auf die Mittel sehen könne and zweitens, dass umgekehrt die misracbistiscben Lehrer gleich schwer von einzelnen allgemeinen Lehrern beleidigt worden si id. Darauf ist eben zu erwidern, dass wir, als angebliche Träger der Thora-Ethik, uns nicht der Waffen bedienen dürfen, deren sich unsere Gegner, die mit geringerem Anspruch auftreten, vielleicht gelegentlich bedienen. Die ganze Schwäche einer orthodoxen Lebenshaltung, die verlernt hat, aus der Tatsache der Gesetzestreue Folgerungen und Verpflichtungen für Weltanschauung und sittliche Politik zu ziehen, dieselbe Schwäche, die sich auch in der naiv chauvinistischen Haltung vieler Misrachisten zur Araberfrage zeigt, kommt in einer solchen Bankrotterklärung zum Ausdruck. Sie spitzte sich epigrammatisch zu in einer von Misrachilehrern geführten öffentlichen Diskussion über diese Fragen, in welcher der Schreiber dieser Zeilen die eben angedeuteten Gedankengänge vertrat, und in der ihm ein (sogar junger) Lehrer, unter Hinweis auf die scharfen Angriffe allgemeiner Lehrer gegen das religiöse Schnlwerk, leidenschaftlich entgegenrief: „Wir brauchen doch nicht grössere Zaddikim zu sein als die Anderen". Sollte nicht gerade dies unsere wahre Aufgabe sein? (Weitere Aufsätze folgen.) Aktuelle Probleme der Gesundheitsorganisation und Gesundheitspolitik in Palästina. Von Dr. S. P e 11 er- Wien (ehemaliger Vorstand des Bureaus für soziale Hygiene und medizinische Statistik, und ehemaliges Mitglied des Gesundheitssekretariates der Zion. Exekutive.) Die Volksseuchen, Typhus, Dysenterie und Malaria, machten sich im Jahre 1928 in Palästina weniger bemerkbar als vorher. Die im Jahre 1926 inaugurierte systematische Typhus bekämpfung wurde zwar nicht fortgesetzt, aber einstweilen war der Schaden nicht gross, da es in den letzten Jahren keine Masseneinwanderung gegeben hat, weswegen die Zahl typhus- (und dysenterie)empfänglicher Individuen wesentlich abgenommen hat. Die grossen Schwierigkeiten der Hospitalisierung haben sich auch verringert, weil seit 1926 die Regierungsspitäler in grösserem Ausmasse als früher jüdische Patienten aufnehmen. Kommt es zu neuerlicher Alijab, so wird das Typhus- und Dysenterieproblem wieder aktuell und wird vor allem die Spitalsnot im südwestlichen Teil Palästinas (Zentrum Tel-Aviv) wieder krass werden. Die Malaria hat zum letzten Mal Nord- und Nordwestpalästina im Jahre 1927 schwer heimgesucht. Eine so schwere Epidemie wurde seit dem Jahre 1922 nicht beobachtet. Der aussergewöhnlich regenarme Winter 1927/8 bat der Epidemie ein Ende bereitet. Die Natur, nicht die Abwehrmassnahmen! Die Malariabekämpfung in den jüdischen Siedlungen obliegt seit 1922 einer nichtzionistischen amerikanischen Organisation, der M. R. U. Die zionistische Exekutive hat aut die Malariabekämpfung keinen Einfluss genommen. Die vom sozialhygienischen Bureau Ende 1927 ausgegangenen Anregungen bezüglich der Anpassung palästinensischer Antimalariaarbeft