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Zion · 1929-07-01 · 7 (7.1929) · p. Seite 91

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
7 (7.1929)
Date
1929-07-01
Page
Seite 91 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 7 Z I O N Seite 91 anlassung gegeben, sondern die Verständnislosigkeit unserer Gegner für die legitimen Forderungen des überlieferten Judentums zwingen uns zu politischer Kampfmethode für unsere kulturellen und geistigen Forderungen. Für uns gibt es nur eine Frage: Entspricht das Misrachi-Schulwerk den Anforderungen, die in religiöser Beziehung an es zu stellen sind, vermittelt es profanes und jüdisches Wissen in genügendem Ausmass, in einem Wort: sind seine Schulen gut? Soweit uns bekannt, auch Miss Szold hat nichts Gegenteiliges gesagt, kann diese Frage bejaht werden. Dann besteht weder für uns noch für die Zionistische Organisation eine Notwendigkeit, das heutige Schulsystem in seinen Grundlagen zu ändern. Wir aber verlangen im Namen der Erhaltung jüdischer Ueberlieferung die volle Aufrechterhaltung der Autonomie des Misrachi-Schulweiks, und wir werden auf dem Kongress für sie kämpfen. A. A. Offene Fragen. Eine Aufsatzreihe von Dr. Ernst Simon, Jerusalem. (Fortsetzung.) Und damit sind wir bei dem zweiten grossen Tätigkeitsgebiet, das als positiver Ersatz eine neue wirkliche Einheitssiimmung schaffen könnte; bei der kulturell-religiösen Beeinflussung der grossen zionistischen Mittelschicht, die zwar weder misrachistisch noch auch orthodox, häufig aber mehr oder minder traditionell ist und für echte religiöse Einwirkung durchaus empfänglich wäre. Auf dem Gebiete des Schulwesens sind diese Versuche ja durch die gesetzestrenen Vertreter im gemeinsamen „Waad Hachinuch" und durch den Eintritt von Oberrabbiner Aronsohn und Frau Dr. Persitz in die Schulaufsicht der allgemeinen Schulen etwas intensiver angebahnt werden. Wichtiger ist es vielleicht noch, der sich gelegentlich bemerkbar machenden religiösen Stimmung und Aufnahmebereitschaft innerhalb der Arbeiterschaft durch direkte, unparteimässige Fühlungnahme entgegenzukommen, wie das, auf dem Gebiete der Politik, Rabbiner Dr. Hoffmann, Frankfurt, auf dem letzten Zionistenkongress nicht ganz erfolglos unternommen hat. Alle diese Versuche werden aber vorzeitig, noch ehe sie reifen konnten, abgebrochen und zum Scheitern verurteilt, weil in der Brust des Misrachi zwei Seelen wohnen, die sich schwer mit einander vertragen: die der religiösen Bewegung, die über ihre eigenen Grenzen hinaus Einüuss gewinnen will, und der auch an späten und indirekten Wirkungen nicht weniger gelegen ist als an sofort buch- und greifbaren, und die der politisch organisierten Partei, die einen Teil ihrer Lebensberechtigung aus dem Anspruch herleitet, innerhalb des zionistischen Palästinas das Monopol der religiösen Vertretung und Erziehung zu besitzen, und die deshalb mit einem scheelen Auge auf die etwaigen Erfolge ihrer eigenen religiösen Einwirkungen ausserhalb der Parteireihen sehen muss. Dieser innere Widerspruch, der kein böswillig verursachter, sondern ein tragisch in Geschichte und Wesensform des Misrachi angelegter ist, muss nun aber klar zur Erkenntnis seiner Führer und damit zu einem allmählichen Ausgleich kommen. Fällt er wie bisher unvermittelt in Beine beiden Hälften auseinander, so mag er zu noch verwunderlicheren Ergebnissen treiben, als es neulich in der privat geäusserten Meinung eines der geistigsten Misrachiführer zum-Ausdruck kam: niemand, der politischer Beziehungen zur linken zionistischen Seite „verdächtig sei ', dürfe sich beklagen, wenn man bei ihm, selbst falls er persönlich fromm sei, nicht essen wolle. Zu einer solchen Vermischung der Kategorien hat die unter ungeklärten Voraussetzungen geschlossene Ehe zwischen Religion und Politik geführt. Wir sind nicht naiv genug, um in der heutigen Situation auf dieses Bündnis ganz verzichten zu wollen, aber wir dürfen es nur fortsetzen, wenn wir seine geistigen Voraussetzungen prüfen. Daau sollen die bisherigen Darlegungen zum Problem der Einheit oder Trennung ebenso ein Beitrag sein, wie die nun folgenden über die selbstkritischen Hemmungen, die jede thoratreue Politik sich auferlegen muss. II. Aus dem Vorangegangenen wird schon klar geworden sein, dass wir die inhaltlichen Vorschläge, mit denen Raw Fischmann, Mitglied der Weltzentrale des Misrachi und Redakteur des „Hator", seine aufsehenerregende Artikelserie »der Misrachi und das Erziehungswesen* abschliesst, keineswegs billigen können. Seine Vorschläge, jede innere Verbindung des zionistischen Erziehungswesens mit dem misrachistischen aufzuheben und nur eine technisch-organisatorische bestehen zu lassen, sich nicht weiter am Waad Hachinuch und an gemeinsamen pädagogischen Ausschüssen oder Veranstaltungen sowie an der allgemeinen palästinensischen Lehrerorganisation zu beteiligen, widerstreiten der oben dargelegten Einheitstendenz, die wir in einem tieferen als nur organisatorischem Sinne begründet wissen wollen. Auch die Anregung, in Zukunft an den Misrachi-Schulen nur noch solche Lehrer zu beschäftigen, die nicht nur, was selbstverständlich ist, dem national-religiösen Ideal ergeben sondern auf den Misrachi als Partei eingeschworen sind, scheint uns gefährlich und würde, einmal verwirklicht, vermutlich gerade diejenigen Kräfte aus dem traditionellen Schulwerk entfernen, die immer wieder das Recht der religiösen Bewegung gegenüber dem der Organisation zur Wirkung bringen. Aber nicht davon soll im Folgenden die Rede sein, weil \a davon schon im ersten Abschnitt immanent die Rede.

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