Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 7 (7.1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 89 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- Safed 1× ep/1046078
OCR text
Nr. 7 Z I 0 N Seite 89 dass Raw Berlin als Vorsitzender der Misrachi-Welt- Organisation der Verwaltung von Sichron Jaakob einen Brief schrieb, dass die Verhandlungen zwischen Sichron Jaakob und dem Misrachi als beendet zu betrachten seien, da die Motive der Verhandlungen mit dem Misrachi nicht rein religiöser Natur zu sein schienen. Raw Berlin übergab eine Abschrift dieses Briefes der Presse zur Veröffentlichung. Aus den Berichten über die oben erwähnte öffentliche Versammlung in Sichron Jaakob, sowie aus dem Schreiben, das Raw Berlins Erklärung veranlasste, ging hervor, dass weniger ein rein religiöses Bedürfnis als der Umstand, dass der Uebergang der Schule in die Misrachiaufsicht den Erziehungsbeitrag der Ortschaft um engl. Pf- 400.—.— verringern würde, für Sichron Jaakob massgebend war. Selbst wenn der veröffentlichte Bericht nicht ganz korrekt sein sollte, so zeigt er doch die Gefahr für die Einheit des Schulwesens, wie auch für die ernste religiöse TJeberzeugung, die durch die Verwendung besonderer, nicht der Kontrolle des Erziehungsdepartements unterliegender Fonds, gegeben ist. Auf Grund des Briefes aus Sichron Jaakob vom 26. September wurde ein Abkommen zwischen dem Erziehungsdepartement und Sichron Jaakob getroffen, das in einem Brief der Ortschaft enthalten ist. Auch in diesem Brief wird von einem Uebergang der Schule zur Misrachikategorie, oder von einem Referendum nichts erwähnt. Darauf wurde in Uebereinstimmung mit den Forderungen von Sichron Jaakob in dem Brief vom 26. September ein neuer Direktor und ein neuer Lehrer nach Sichron Jaakob geschickt, ein früherer Lehrer wurde nach Safed versetzt. Jetzt fand eine neue Elternversammlung in Sichron Jaakob statt, der Bericht über diese errei hte das Erziehungsdepartement am Tage der Eröffnung der Schulen. Es kamen dann täglich Deputationen nach Jerusalem, um den Misrachi oder das Erziehungsdepartement zu einer Wiederaufnahme des Verfahrens zu bewegen. Es wurde beschlossen, eine Kommission nach Sichron Jaakob zu schicken, um die Frage nochmals zu untersuchen und Vorschläge zu machen. Ein Versprechen, einen evtl. Vorschlag der Kommission auf Uebertragung der Schu'e an den Misrachi, anzunehmen, wurde nicht gemacht. Da die Kommission zwei verschiedenartige Vorschläge machte, dürfte es klar sein, dass man von einem Wortbruch des Erziehungsdepartements nicht sprechen kann, denn es war selbstverständlich die Absicht des Erziehungsdepartements gewesen, die Schule selbst in diesem späten Stadium noch zum Misrachi überzuführen, wenn die Kommission nur einen solchen Vorschlag gemacht hätte. Tatsächlich aber waren beide Vorschläge nicht für uneingeschränkten Uebergang zum Misrachi; der den Uebergang zum Misrachi befürwortende Vorschlag spricht auch nur von der Aufsicht des Misrachi, besagt im übrigen, dass dieser ein neues Lehrerkollegium aus der „allgemeinen Lehrerschaft" erwählen solle, was selbstverständlich für den Misrachi unannehmbar war. Der Waad Hachinuch nahm eine der Empfehlungen der Kommission in folgender modifizierter Form an: „Gegenwärtig ist keine Möglichkeit, die Schule zum Misrachi überzuführen, aber die religiösen und pädagogischen Forderungen der Eltern sollen erfüllt werden. Deshalb wird ein neues Lehrerkollegium zusammengestellt. Das Erziehungsdepartement soll besondere Sorgfalt in der Ueberwachung der Schule ausüben. Falls trotzdem die Schule im Laufe des Jahres den Anforderungen der Eltern nicht entspricht, soll ein Referendum der Eltern in Uebereinstimmung mit der gebräuchlichen Form, zu gegebener Zeit stattfinden. In Uebereinstimmung mit dem Resultat dieses Referendums soll die Schule im nächsten Jahr (1929 30) eingerichtet werden". Diese Handlung des Waad Hachinuch erregte Widerspruch bei den Misrachimitgliedern, die die Versammlung mit der Erklärung verliessen: „Krieg von Jerusalem bis New-York". Auch die Deputation von Sichron Jaakob war gleich unzufrieden und schrieb einen Drohbrief an das Erziehungsdepartement, dass schärfste Oppo3itionsmassnahmen genommen werden würden. Später wurde der Inhalt dieses Briefes von massgeblichen Bürgern Sichron Jaakobs zurückgewiesen. Auf Wunsch angesehener Misrachilehrer fanden einige Tage später nochmals Verhandlungen zwischen Raw Berlin und dem Erziehungsdepartement statt Raw Berlin verlangte ultimativ, dass die Schule unter gemeinsame Aufsicht des allgemeinen und des Misrächi- Inspektors gestellt würde, und dass zwei bis drei Personen des Lehrerkollegiums, einschliesslich des Direktors, vom Misrachi gestellt werden. Im Interesse des Friedens, wenn auch innerlich widerstrebend, wurde auch dieser Vorschlag angenommen und ein Abkommen dieses Inhalts unterzeichnet. Indessen zeigte es sich nach achttägigen Unterhandlungen mit Lehrern der allgemeinen Kategorie, die religiös eingestellt waren, dass niemand unter diesen Bedingungen zu arbeiten einverstanden war, da man gemeinsame Aufsicht als eine unmögliche pädagogische Massnahme ansah. Versuche des Erziehungsdepartements, den Misrachi zur Aenderung der Bedingungen zu veranlassen, schlugen fehl. Jetzt blieb nur noch die Möglichkeit, den oben angeführten Beschluss des Waad Hachinuch auszuführen. Sichron Jaakob nahm den Vorschlag an und die Schule wurde eröffnet mit dem Misrachi nicht angehörenden, aber religiös positiv eingestellten Lehrern. Bis jetzt hat diese Einrichtung Befriedigung gegeben, am Ende des Jahres kann die Frage der Uebertragung auf Verlangen der Elternschaft neu aufgerollt werden. Ungelöst blieb, das Problem der Jemenitenschule in Sichron Jaakob, obwohl angeboten wurde, einen besonderen Lehrer für Gebete und Aussprache einzu-