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Zion · 1929-07-01 · 7 (7.1929) · p. Seite 86

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
7 (7.1929)
Date
1929-07-01
Page
Seite 86 (sequence 8)
Language
German
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Seite 86 Z I 0 N Nr. 7 ter Weise Gemeindeortbodoxe hier und in manchen Orten gekämpft haben. Das eine aber glauben wir nun fordern zu können, dass die Gemeindeorthodoxie, wenn sie zu einem Teil in die Aguda hineingebt, Boviel Selbstachtung nnd geschichtlich klaren Blick hat, dass sie nicht zulässt, dass ihre besten Ueberzeugungen preisgegeben -werden. Jede Gruppe darf in einer höheren Einheit nur aufgehen, wenn sie das Beste ihrer Ueberzeugung hinuberrettet. Eine Preisgabe des wesenlichsten Prinzips kann nur vernichtend wirken und muss das Ansehen herabsetzen. Man kann Ueberzeugungen ändern, man kann heute gemeindeorthodox und morgen separatistisch sein und diese Wandlung kann in vollster Ehrlichkeit geschehen, aber man kann nicht gemeindeorthodox sein und bleiben und agudistisch sein und bleiben, wenn die Existenz und Geltung innerhalb der Aguda abhängt von der Opferung des Ideals, dem man den Namen und das Dasein verdankt. Der separatistische Gedanke hat, darüber kann kaum ein Zweiiel eein, einen Belr bedfuklichen Sieg durch Klibanskys und seiner Gruppe Haltung errungen. Und ich fürchte sehr, daes dieses zunächst nur iür Pa'ästina gemeinte Kompromiss sehr unangenehme Rückwirkungen für Deutschland haben wird. Ich will mich nicht in Prophezeiungen über das Schicksal des § 4 des Aguda - Statuts ausassen. Es scheint mir unzweifelhaft, dass die Slovakei, Ungarn und auch einige deutsche Kreise schon das ihre tun werden, dass sich nichts wesentliches ändert. Denu so naiv sind wir nicht, ziuglauben, dass irgendwelche geschickte Paragraphenänderung, verbunden mit soviel Vorbehalten anderer Art, dasa doch alles beim alten bleibt, eine wesentliche Aenderung der Sachlage bringt, und deshalb bestand wohl auch in weiten Kreisen des Misrachi das Gefühl, dass der Artikel Prof. Fraenkels, der in einigen Blättern erschienen ist, durchaus fehl am Orte war. Er war sachlich nicht begründet und politisch verfehlt. Eine genaue Betrachtung all der Tendenzen, die innerhalb der Agudas Jisroel am Werke sind, lässt keine Hoffnung aufkommen, dass sich eine Besserung der Dinge in Wien anbahnen wird. Eher fürchte ich, dass sich die Sachlage verschlechtern wird. Man hat für Palästina einen neuen Bundesgenossen für seine Trennungspolitik «und wird versuchen, in Europa daraus Vorteile zu ziehen. Deshalb geschieht es dieses Mal in grösstem Ernst, wenn wir nun die Gemeindeorthodoxie zur Besinnung und zur Aeusserung auffordern. Sie hat wirklich in diesem Falle die doppelte Verantwortung, iür ihr eigenes und für ein gesamtjüdisches Schicksal einzustehen. Sie hat eine Art Schlüsselstellung inne, die sie in hohem Verantwortungsbewusstsein ausnützen mnss. Hoffentlich entscheidet sie sich ebenso würdig wie weitschauend. Der Monat. Die Wahlschlacht ist geschlagen, und der Misrachi hat Grund, mit ihrem Ausfall zufrieden zu sein. Haben wir in Deutschland, wie vor 2 Jahren, ein Drittel der Mandate erlangt, so konnten wir dies Resultat bei der allgemein viel stärkeren Wahlbeteiligung nur dadurch erreichen, dass wir unsere Stimmenzahl um 30°/0 erhöhen konnten. Sicher ein umso anerkennenswerteres Ergebnis, als es eine grosse Anzahl von Städten in Deutschland gibt, wo die Indifferenz der Judenschaften gegenüber religiösen Forderungen es dem Misrachi nicht möglich macht, Gruppen zu gründen. Fast in allen grösseren Städten dagegen sind dem Misrachi weit mehr als ein Drittel der Stimmen zugefallen, teilweise, wie in Frankfurt, Köln, Hamburg, die Hälfte und mehr. Und dies, obwohl die allgemeinen Zionisten dadurch, dass das Präsidium und die leitenden Beamten ihnen angehören, in Bezug auf Propagandamöglichkeiten, stark im Vorteil sind. Auch in manchen anderen Ländern hat der Misrachi gut abgeschnitten. In Polen, wo er die weitaus grösste Anzahl der Sitze erlangt hat, ist sein Sieg umso entscheidender, weil selbst auf die feindlichen Listen der Et - liwnot und AI - hamischmar Gruppen zusammen nicht so viel Delegierte entfallen, wie auf den Misrachi allein. — Erfreulich ist ferner, dass das eine schweizerische Mandat dem Misrachi gehört. In unserem Freunde Dr. Marcus Cohn, der dort gewählt worden ist, tritt in den Kreis unserer Kongress- Delegierten eine neue Figur, ein Mann, von dessen Kenntnis und Urteilskraft wir uns eine Bereicherung unserer Fraktion versprechen dürfen. Daneben ist allerdings auch manches Bedauerliche auf der Debetseite festzustellen. Das völlige Versagen unserer Arbeit in Wien mag Gründe haben, die wir von hier aus nicht einschätzen können. Aber dass in einer so grossen jüdischen Gemeinde keine 180 Stimmen (!) für unsere Liste aufzubringen waren) scheint unverständlich. — Bei dem hohen Prozentsatz misrachistischer Rabbiner in den Vereinigten Staaten war es ebenfalls anzunehmen, dass unser Einfluss auf die dortigen Zionisten grösser sein würde, als es der Anzahl unserer Kongressitze entspricht. — Haben aber diese Misserfolge eine mehr lokale Bedeutung, so ist das Versagen unserer Organisation in Erez- Israel eine grosse Enttäuschung. Wenn es sich bewahrheitet, dass wir dort von 29 Sitzen nur insgesamt 3 (!) innehaben werden, so muss dies zum Anlass genommen werden, dass die Fraktion and der

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