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Zion · 1929-07-01 · 7 (7.1929) · p. Seite 85

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
7 (7.1929)
Date
1929-07-01
Page
Seite 85 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 7 Z I 0 N Seite 85 -rmals wurde in wenigen deutschen Gemeinden und in ganz Ungarn in heftigem Kampf die unselige Trennung geboren. Niemals sprach jemand davon, dass eine Idealgemeinde geschaffen werden müsste, wenn nicht zwingende Gründe das Zusammenleben einigermassen schwer machten. Selbst diejenigen, die aus dieser historischen Entwicklung heraus aus der Notwendigkeit ein Ideal machten, haben im allgemeinen vermieden, eine Trennung ä tout prix herbeizuführen. Nur die unentwegten Bannerträger des Austritts glaubten in einer Stadt erst atmen zu können, wenn sie den Grundstein zu einer Trennungsgemeinde gelegt haben. Es ist nun eine nicht zu bestreitende Tatsache, dass es in Palästina keine irgendwie geartete Reform oder einen Liberalismus gibt, der das Gemeindeleben in der in Mittel- und West- Europa bekannten Form umgestalten will. Ueberau wirken fromme Rabbiner, die über die Inetitutionen wachen. Wir haben das Umgekehrte gesehen, dass Männer, die in der Diaspora in ihrem Orte einer Trennungsgemeinde augehören, für Palästina die Einheit nicht nur als Gegebenheit, sondern als Notwendigkeit verkünden. Ohne dass wir die Trennung in der Diaspora billigen, müssen wir doch den Misrachisteu, die so Stellung nehmen, eine grössere Folgerichtigkeit zubilligen, als den Gemeindeorthodoxen, die umgekehrt handeln. Die wenigen, Trennungsgemeinden angehörenden Misrachisteu, sind wirklich nur aus harter Notwendigkeit (subjektiv) den Hauptgemeinden nicht angeschlossen, empfinden aber die Ueberwindung der Trennung als Forderung und setzen sich gerade in Palästina mit besonderer Kraft und Stärke für die Einheit ein. Es ist besonders schwer, mit Ruhe die Argumente eines deutschen Gemeindeorthodoxen für die Trennung in Palästina mit anzuhören, wenn man bedenkt, dass das Oberrabbinat in den Händen eines Mannes wie Raw Kook liegt, und dass selbst dessen Reinheit und Grösse sie nicht überzeugen kann. Es ist keine Frage: mit diesem Bekenntnis hat Klibansky der Sache der Gemeindeorthodoxie in Deutschland allerschwersten Schaden getan. Die separatistisch -agudistische Presse schweigt zu diesem Scheinbekenntnis und ist klug genug, es nicht gleich auszubeuten. In Wirklichkeit bedeutet diese Kapitulation eine Preisgabe gerade des Lebensprinzips der Gemeindeorthodoxie. Der Friede, den ein Teil der Gemeindeorthodoxie innerhalb der Aguda wollte, ist mit dem teuersten Preis bezahlt: mit dem Preis des eigenen Lebens. Denn das Kompromiss zwischen diesem Flügel und der Aguda ist lediglich auf Kosten der Gemeindeorthodoxie geschlossen worden. Und wenn man die Klibansky'schen Ausführungen und die von derselben Seite eingebrachten Resolutionen zu Gunsten der agudistischen Gemeindepolitik in Palästina sich richtig vor Augen hält, so erhält der Kampf der deutschen Aguda für Aufhebung des berühmten § 4 einen neuartigen Reiz: er ist einmal ein Scheingefecht, geführt zu Gunsten einer kaum existenten Gruppe. Denn wenn man sagen wollte, dieser Kampf wird für die Gemeindeorthodoxen geführt, so wage ich demgegenüber zu behaupten, dass die Gruppe, die wie Klibansky in der entscheidendsten Frage die Waffen gestreckt hat, sich kaum noch von der Austrittsorthodoxie unterscheidet. Für Palästina nämlich hat sie schon auf ihre gemeindepolitischen Ueberzeugungen verzichtet, in Europa hängt es nun nicht mehr von ihr selbst ab, wie die Würfel fallen, denn hier wird schon die Eigengesetzlichkeit der Geschichte sich auswirken, die allemal zu Ungunsten dessen gesprochen hat, der selbst auf seine Rechte Verzicht leistet. Zum Glück — und das wird man im Auge behalten müssen — ist Klibansky und seine Gefolgschaft nicht die deutsche Gemeindeorthodoxie. Darauf wird noch zurückzukommen sein. Mir scheint aber, die in der Wiener „Jüdischen Welt" geäusserte Vermutung, dass Leipzig ein Kompromiss dieser Art eingegangen sei, hat eine grosse Wahrscheinlichkeit für sich. Und nun komme ich auf meinen vorhin zitierten Aufsatz zurück und glaube, dass nach der Stellungnahme Klibanskys meine Darstellung und Betrachtungsweise noch aktueller ist, als vor einigen Wochen. Es ist zum Glück ein unerheblicher Teil der Gemeindeorthodoxie, insbesondere zahlenmässig, der sich in Klibanskys Weise entschieden hat, ein grosser Teil — dessen bin ich überzeugt — lehnt die Bejahung der Trenuungspolitik in Palästina mit Entschiedenheit, womöglich mit Entrüstung ab. Dieser grosse Teil der Gemeindeorthodoxie muss sich jetzt zu Worte melden. Er muss mindestens erkennen, dass er durch seinen rechten Flügel in arge Bedrängnis gebracht worden ist, und muss diesen Husarenritt energisch ablehnen. Es wird nicht von heute auf morgen geschehen können, dass sich die Gemeindeorthodoxen im Misrachi eingliedern, aber die Diskussion der letzten Wochen wird jedenfalls grundsätzlich die Erkenntnis herbeiführen, dass der Misrachi keinesfalls die Existenz der Gemeindeorthodoxie gefährdet, sei es nun, dass sie innerhalb oder ausserhalb des Misrachi sich befindet. Umgekehrt: Wir kämpfen nicht nur für die Wiederaufrichtung unserer ewigen Heimat, sondern wir sind auch dort die energischsten Bannerträger des Ideals, für das in anerkennenawer-

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