Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 7 (7.1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 84 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 84 Z I 0 N Nr. 7 von Brez Israel darf nicht herabgedrückt werden zu einer Aufgabe von vielen, die das Judentum hat, sondern es musa klar werden, dass die ata stärksten mit Judentum verknüpften und durchtränkten Menschen diese Aufgabe als die zentrale Aufgabe der Gesamtheit empfinden, dass gerade sie Neubelebung von Land und Volk als etwas Einheitliches, Untrennbares erkennen, da nur beides zusammen Voraussetzung für Belebung des jüdischen Gesetzes ist.. Deshalb verlangen wir von den bisher noch nicht bei uns organisierten Wählern der Misrachilisten den Eintritt in unsere Organisation. Die deutsche Gemeindeorthodoxie und das Problem der jüdischen Gemeindepolitik in Palästina. Von Dr. 0. Wolfsberg, Berlin. Die Auseinandersetzung zwischen den jüdischen Gruppen in Deutschland stockt seit langem und ist in jeder Hinsicht unfruchtbar. Gerade die benachbarten und durch keine eigentliche Feindschaft getrennten Gruppen können sich nicht näher kommen, weil entweder überhaupt keine Aussprache zwischen ihnen erfolgt, oder diese das Wesentliche ungesagt lässt und sich um die eigentlichen Entscheidungen herumdrückt. Die Aussprache zwischen dem Misrachi und der Gemeindeorthodoxie ist wirklich dringend. Soll die deutsche Judenheit in sich gesunden und innerhalb und ausserhalb unserer Landesgrenzen aktionsfähig sein, so kann der gegenwärtige Zustand, der leider durch die Presseverhältnisse auf Seiten der deutschen Gemeindeorthodoxie besonders beeinträchtigt ist, nicht andauern. Ich spreche nicht davon, dass das „Jüdische Wochenblatt" heute eine andere Physiognomie hat als vor ca. Vf2 Jahren. Aber ich bedauere, dass mit der Veränderung auch eine Einschränkung des Gesichtsfeldes, ein geringeres Erkennen der Problematik und insbesondere eine ungeheure Einschränkung des Mitarbeiterkreises innerhalb der Gemeindeorthodoxifr sich eingestellt hat. (Es ist hier nicht der Ort, eine eingehende Kritik an dem genannten Organ zu üben; meine Einstellung zu ihm ist durchaus nicht aus Bitterkeit geboren, sondern aus der Besorgnis, dass dort nur im Wesentlichen in Monologen gesprochen wird aus der jüdischen Haltung eines Einzelnen heraus, der nicht immer die Notwendigkeiten der Gruppe genügend klar vor Augen hat.) In dem Aufsatz, den ich in Nr. 6 des „Zion" aus Anlass des Kongresswahlkämpfes veröffentlicht habe, war ein Teil der Betrachtungen der deutschen Gemeindeorthodoxie gewidmet, und ich glaube, dass der Gedankengang und die Darstellung sich frei hielten von kurzsichtigen und unfreundlichen Betrachtungen. Aber es ist das Schicksal solcher Veröffentlichungen, dass sie vielleicht im eigenen Lager gerne gelesen werden und Beifall finden, jenseits der eigenen Grenzen aber keine Resonanz haben. Das ist objektiv bedauerlich. Denn in meinem Artikel war versucht, aus dem Schicksal der Gemeindeorthodoxie heraus zu argumentieren und ihr den Anschluss an die jüdische Welt und die jüdische Zukunft zu erleichtern. Eino Auseinandersetzung und Erwiderung auf diese Betrachtungsweise hätte sowohl aus dem weltpolitisch - neutralen , wie agudistischorientirrten Lageder Gemeindeorthodoxie erfolgen müssen. Der neutrale Teil hat geschwiegen, der agudistische hat — freilich nicht in direkter Erwiderung — eine Anwort gegeben, eine Antwort, die, soweit ich mich erinnere, sogar vorweggenommen wurde, aber erst nach Erscheinen meines Aufsatzes zur Kenntnis der Oeffentlichkeit kam. Ich meine die auf dem Delegiertentag der deutschen Agu das Jisroel präzisierte Stellungnahme eines Vertreters der deutschen Gemeindeorthodoxie. Dabei bin ich überzeugt, dass er damit durchaus nicht im Geiste aller der Aguda zugehörigen und in Leipzig anwesenden Gemeindeorthodoxen gesprochen hat. Ich bin z. B. überzeugt, dass sehr prominente geistige Führer der Gemeindeorthodoxie, Klibanskys Gedankengänge durchaus ablehnt. Zu diesen dort vorgetragenen Anschauungen Klibanskys muss nun zunächst einiges gesagt werden. Selten hat wohl eine Gruppe sich so blutig ironisiert wie die, welche Klibansky in diesem Falle ideologisch führt. Das Argument, in der Diaspora müsse man die Einheit der Gemeinde wahren, in Erez-Israel aber gelte es, die Bildung einer Idealgemeinde fördern, ist neu, aber es ist nicht nur neu, sondern herzlich schlecht. Ich habe nie daran gezweifelt, dass sich entweder sophistisch oder gewaltsam mit einer mehr oder weniger guten Dialektik, alles machen lässt, aber deshalb bleibt der Eindruck einer solchen Erwägung bei allen denen, die der gesunde Instinkt noch nicht verlassen hat, äusserst peinlich. Soweit ich das Problem des Trennungsgedankens und seinen halachischen Unterbau übersehe, ist der Austritt überall in Europa zunächst als eine zeitlich bedingte dringende Notwendigkeit empfunden und begründet worden. Keiner wollte in der Zeit, die jetzt um 60 oder etwas mehr Jahre zurückliegt, gern die Separation. Ueberall waren erst schwere Anfeindungen, nicht nur der Orthodoxie, sondern der traditionellen Institutionen in den Gemeinden vorangegangen. Da-