Mannheim
Compact Memory

Zion · 1929-07-01 · 7 (7.1929) · p. Seite 83

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
7 (7.1929)
Date
1929-07-01
Page
Seite 83 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3133276-3139346-3139353--0117-3139597
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 7 Z I 0 N Seite 83 kann auf diesem Gebiet noch vieles verbessert werden. Es ist nun aber nicht so, dass diese Besserung in der Arbeitsverteilang alleine auszugehen hat etwa vom Mierachi, der sich intensiver mit den allgemeinen Fragen und Problemen beschäftigen muss. Die anderen Parteien, und besonders die allgemeinen Zionisten, müssen ihren passiven, und häufig bisher auch bemerkbaren aktiven, Widerstand gegen den Misrachi, seine Auffassangsweise und seine Sonderaufgaben, aufgeben und ihren Willen zu wirklich gemeinsamer Arbeit nicht nur durch Deklarationen, sondern auch durch die Tat beweisen. Der Tatsache mus3 Rechnung getragen werden in der gemeinsamen Arbeit, dass jegliche misrachistische Betätigung eine solche im Interesse des Gesamtzionismus ist. In der Organi sation der Zionistischen Vereinigung für Deutschland muss eine Möglicbseit zur Befriedigung misrachistischer Interessen zum Ausdruck gelangen. Sowohl die rein praktische Arbeit., als auch die geistigen und theoretischen Unterlagen für Propaganda zur Gewinnung neuer Menschen müssen so ausgestaltet werden, dass die Misrachisten mit ganzem Herzen und voller Eingabe in der allgemeinen Arbeit stehen können. Die Eongresswahlen haben es deutlich gezeigt, dass eine Verbreiterung der zionistischen Plattform bei uns nur möglich ist durch Heranziehung der Menschen, die auf dem Boden der Forderungen des Misrachi stehen. Es sind äussere Gründe, die diese Menschen bisher davon abgehalten haben, sich enger als nur durch den Schekel mit der Zionistischen Organisation zu verbinden. Es liegt in der Hand der Zionistischen Vereinigung, diese Gründe wirkungslos zu machen. Die Methoden und die Argumentation der allgemeinen Zionisten in der Wahlkampagne ist allerdings wenig dazu geeignet, bei den noch nicht bei uns dauernd organisierten Schekelzahlern und Kongresswählern das Vertrauen zu erwecken, das die Voraussetzung für ihren Eintritt in die Organisation ist. Auch das Vertrauen des deutschen Misrachi in allen seinen Teilen in die Bereitwilligkeit der allgemeinen Zionisten, mit ihm als gleichberechtigten Partner in der Zukunft zu arbeiten, kann durch die Wahlpropaganda, wie sie von leitender Stelle betrieben worden ist, nicht gestärkt werden. Man kann nicht in der Zeit zwischen den Kongressen eine gemeinsame Linie verfolgen, wenn man im Wahlkampf von - dem Mitarbeiter der ständigen Arbeit in demagogischer Weise (wie dies z. B. in Breslau geschah) als „Verräter" hingestellt wird, weil man eine andere Auffassung von der Art der zionistischen Stimmenbindung im Council der Jewish Agency hat. Oder wenn an anderen Orten mit dem Argument gekämpft wird, der Misrachi versuche Nichtzionisten zur Wahl heranzuziehen, weil er in Beiner Agitation die religiös basierte Verbundenheit des Traditionsjuden mit der Erez-Israel-Arbeit besonders betont. Eine in sich selbst starke Partei hat es nicht nötig, mit den Mitteln der Demagogie eigene Gruppen zu bekämpfen, die Stosskraft der Partei muss unter solchen Wahlkampfmethoden leiden, und die Arbeitsmöglichkeit für die Folge wird gefährdet. Eine Abkehr von solchen 'Gedankengängen ist dringendes Erfordernis, wenn eine gute gemeinsame Arbeit in den kommenden Jahren gemacht werden soll, und wenn man eine Erweiterung der Zionistischen Organisation trotz des Bestehens der neuen Agency herbeiführen will. Aber aueh der Misrachi und diejenigen seiner Wählerschaft, die bisher noch nieht ihren festen organisatorischen Anschluss an die zionistische Bewegung gefunden haben, müssen Folgerungen aus dem Wahlergebnis ziehen. Jede Partei hat Mitläufer, die nicht leicht die letzte Konsequenz aus ihrer geistigen Einstellung ziehen Aber irgendwelche Konsequenzen müssen doch aus der wiederholten Unterstützung unserer Kongressarbeit folgen. Sind unsere Wähler bereit, unsere Anschauungen in der Weltbewegung auf den» Ko"gress zu stützen und zu fördern, so muss man sie auch davon überzeugen können, dass die gleiche Unterstützung in der täglichen Arbeit mit der Lan lesorganisation und in der breiten Masse des Volkes unumgänglich ist. Im Erwerb des Schekels liegt das Anerkenntnis der geistigen Grundlagen der zionistischen Bewegung. Für den orthodoxen Juden kann es nur eineu stichhaltigen Grund geben, den Eintritt in die zionistische Bewegung abzulehnen, nämlich den, dass diese geistigen Grundlagen ihm für seine jüdische Auffassung als nicht genügend erscheinen. Deshalb wurde der Misrachi ins Leben gerufen, um eine erweiterte zionistisch-jüdische Plattform zu schaffen, die in ihren Förderungen weiter geht, als das allgemeine . zionistische Programm. Durch die Existenz des Misrachi innerhalb des Zionismus ist jedem Juden, der seinen Lebensinhalt in der Erfüllung des jüdischen Gesetzes finden will, der Weg gegeben, in den Reihen der Gesamtheit seine Welt sich auswirken zu lassen. Da aber die Möglichkeit hierzu gegeben ist, besteht auch eine Pflicht für jeden, dem es ernst ist um Durchsetzung seiner Lebensaufgabe, sich in die grosse Gemeinsamkeit jüdischer Interessen einzuordnen, und ihr so die Kraft zu geben, ihre Aufgabe zu erfüllen. Unsere Auffassung ist es, dass gerade nach Uebergabe der Erez-Israel-Arbeit an eine aus Zionisten und Nichtzionisten bestehende Körperschaft, die Verpflichtung für die Traditionsjudenheit, in die zionistische Organisation pinzutreten, grösser geworden ist, als sie es vorher schon war. Jetzt gilt es in noch höherem Masse die Anerkennung der jüdisch-nationalen Idee als religiöse Forderung herbeizuführen. Der Aufbau

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.