Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 6 (6.1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- Seite 74 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 74 / Z I 0 N Nr. 6 heit, der im Misrachi vereinigt ist, der kulturell und sozial keimkräftig und zeugungsstark ist? Aber die Politik verbietet unseren zionistischen Bundesgenossen, diese Dinge klar und wohlwollend zu betrachten. Unsere Argumentation gegenüber den Zionisten geht nur dahin, zu unterstreichen, dass, wer irgend die Grösse des spezifisch jüdischen Geistes und seines stärksten und einzig adäquaten Ausdrucks des grossen jüdischen Gesetzes ahnt und schätzt, der kann nicht gegen den Misrachi Stellung nehmen. Wer wirklich für die Zukunlt aus der jüdischen Vergangenheit unmittelbare Werte schöpfen will, wer in irgendeiner Form die jüdische Zukunft unter den Einfluss und die Herrschaft des jüdischen Gesetzes stellen will, wer erzieherisch, sozial und wirtschaftspolitisch keinen gewaltsamen Riss zwischen den Idealen der Tradition und den Erkenntnissen der Gegenwart herbeiführen will, der gehört aus diesen Erwägungen zu uns, und es bedarf keiner Schmähung irgendeiner anderen Auffassung. Das Politische erhält eine Wertsteigerung durch dieses überzeitliche Kulturelle und Soziale. Daher ergeht von uns der Ruf an alle, die sich nicht entschliessen können, das Schicksal der jüdischen Kultur dem Ungewissen zu überlassen und nicht willens sind, diese in einer, wie uns scheint, etwas leichtsinnigen Vertrauensseligkeit als unklares Traumbild in der Ferne verschwimmen zu lassen, dieses Mal, wo so viel zur Entscheidung steht, sich dem Misrachi vertrauensvoll zuzuwenden. Die Stäike und Kraft unserer Föderation und nicht zuletzt der deutschen Gruppe wird mehr und mehr dem zionistischen Wohl dienen. Für uns gilt, dass je stärker wir sind, desto weniger Befürchtungen bestehen können, dass wir Auffassung und Gesinnung Anderer terrorisieren. Ein starker Misrachi wird toleranter und grosszügiger sein als ein kleiner, der um seine Existenz und die Sicherung seiner Forderungen ringen muss. Der Misrachi ist auch fürder der anin unseres Volkes. Kongress. Von Lazarus Barth, Berlin. Weit mehr noch als die früheren Kongresse wird dieser von einer einheitlichen Frage beherrscht sein, der der Konstitution der Jewish Agency. Das Thema, das seit dem zweiten Karlsbader Kongress die Meinungen im zionistischen Lager hat aufeinanderplatzen lassen, das zu einer Fraktionsbildung innerhalb der Zionistischen Organisation geführt hat, ist nunmehr in ein Stadium getreten, in dem der Kongress seine definitive Antwort zu geben hat. Nach der Resolution des letzten Kongresses und nach dem Verlauf der A.-C.-Sitzung vom Dezember und der gegenwärtig tagenden, kann es keinem Zweifel unterliegen, dass der Kongress die getroffenen Abmachungen grundsätzlich gutheissen wird, sodass unmittelbar nach dem Kongress die konstituierende Sitzung des Councils der Jewish Agency stattfinden kann. Es ist müssig, jetzt nochmals historisch die Entwicklung des Agency Gedankens zu überschauen. Es ist bekannt, dass der Misrachi solange für die Einberufung eines allgemeinen jüdischen Kongresses zur Schaffung der Agency gekämpft hat, wie dieser Kampf irgendwie aussichtsjeich erschien, und dass er auch jetzt noch der Ansicht ist, dass diese Form der Schaffung einer Repräsentanz des jüdischen Volk« a würdiger und zionistischer gewesen wäre. Aber wir sind der Ansicht, dass man in jedem Falle ein Abkommen, das man trifft, ehrlich und rückhaltlos treffen und durchführen muss. Es war gut, den Einfluss der Zionistischen Organisation auf die Agency in der Weise zu sichern, wie es geschehen ist, dadurch, dass 50% der Sitze in der Agency durch die Zionistische Organisation zu besetzen sind, dass die grundlegenden Prinzipien des Zionismus in die Konstitution der Agency hinübergenommen werden, insbesondere der grosso jüdische Gedanke, der die Grundlage des jüdischen Nationalfonds bildet, und die Personalunion des Präsidenten der Ageney und der Zionistischen Organisation. Nun aber muss innerhalb der Agency ein von gegenseitigem Vertrauen getragenes Zusammenarbeiten beginnen. Wer Mitglied der Agency ist, hat sich bekannt für den Gedanken des jüdischen National-Heims, für das jüdische Volk, hat damit das unterschrieben, was wir früher als das Bekenntnis zum Zionismus bezeichneten, das Basler Programm, und wenn nun häufig in zionistischen Kreisen der Wunsch ausgesprochen wird, die 50°/0 der zionistischen Stimmen in der Agency absolut zu binden, so kann ich diesem Verlangen nicht zustimmen. Die gemeinsame Linie des Zionismus wird bleiben. Dafür bürgt nicht nur da3 Bekenntnis zu seinem Programm, sondern der jahrzehnte lang geführte gemeinsame Kampf gegen Assimilation und Intoleranz, gegen Galuth- Juden, der Wahltag steht vor der Tür,