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Zion · 1929-06-01 · 6 (6.1929) · p. Seite 73

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
6 (6.1929)
Date
1929-06-01
Page
Seite 73 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 6 Z I ü N Seite 73 Orthodoxie zu Hoffnungen berechtigt. Keiner ist verloren, der so sehr die Heimat erstrebt und mit solcher Entschlossenheit alle anderen Aufgaben zurückstellen kann, wie es Zionisten tun. Alle, denen Palästina und der Aufbau mehr ist als eine charitative Angelegenheit, als eine jüdische Arbeit unter anderen Gegenwartsaufgaben, sind wahre Bundesgenossen und sollten im engeren Verbände der Zionistischen Organisation — und als Gesetzestreue wieder im Rahmen des Misrachi — zusammenstehen. Die Zukunft der jüdischen Tradition wird eine glücklichere sein, wenn die Orthodoxie den Sprung wagt. In der Enge landsmannschaftlicher Arbeiten ohne konkrete, nahe Gesamtheitsaufgabe kann eine Verkümmerung eintreten. III. Unsere Auseinandersetzung mit den zionistischen Gruppen wird ja noch an mancher anderen Stelle geführt werden. Deshalb sei hier Kürze entschuldigt. Wir fordern erneut, dass der Wahlkampf iu anderer Stimmung geführt wird als gewöhnlich. Selbst Menschen, die fast zwei Jahre — zwischen den Kongressen — mit dem Misrachi in Frieden und ganz gutem Einverständnis leben, entdecken plötzlich kurz vor dem Kongress ihre Misrachophobie. Das ist nicht lediglich Sache des Temperaments und durchaus tiefgehende Gegnerschaft. Das geht zu nicht geringem Teil auf das Konto von Taktik und Parteienge. Es muss nämlich grundsätzlich gesagt werden: wer im Wahlkampf sich vor allem auf den Gegner stürzt und ihn zu verkennen sucht, muss doch über nicht genügend kräftige Argumente für seine eigene Sache verfügen. Ich könnte mir sehr gut einen Wahlkampf vorstellen, der im wesentlichen die bescheidene aber klar herausgearbeitete Darstellung eigener Leistungen und eigener Bestrebungen versucht. Wir sind leider noch nicht so weit. — Jedesmal wiederholt sieh im Wahlkampf der Versuch, die Bedeutung und den Wert der Flügel herabzumindern. Wir lehnen diesen Versuch nicht nur deshalb ab, weil er eine Unfreundlich keit darstellt gegen Menschen und Gruppen, deren Bundesgenossenschaft auch unter der Tatsache der Gruppenzugehörigkeit man das ganze Jahr hindurch nötig hat, sondern vor allem deshalb, weil wir glauben, dass die zionistische Bewegung auf die Dauer derartige Vorstösse nicht vertragen kann. Es geht nicht an, die Fachleute immer nur im Zentrum zu suchen und zu finden, es geht nicht an, das Schicksal der Zionistischen Organisation im wesentlichen mit der Mitte zu verknüpfen. Es stimmt nicht, dass in der Mitte das Maximum der Leistungen zu finden ist. Ich glaube, dass ruhig alle Zionisten darin übereinstimmen dürften, dass die grösste Leistung in unserer Gegenwart von den Chaluzira ausgeht, und das bedeutet im wesentlichen eine Tat der Arbeiterschaft, wobei es nicht nötig ist, sie nach Parteien zu* differenzieren. Es spielt für diesen Fall keine Rolle, ob der Arbeiter der Achiuth ka-Awodah oder dem ha-Poel ha-Misrachi angehört. — Aber auch unser Kampf an der reehten Front des Zionismus, unsere Stellung gegenüber der indifferenten und intransigenten Orthodoxie ist eine ganz grosse zionistische Leistung und stellt oft ein Martyrium dar, das natürlich im zionistischen Lager nicht gewürdigt wird. Wieviel Schmähungen und Enttäuschungen müssen unsere Kämpfer in diesem Kanipt auf sich nehmen. Es sollte nach einer mehr als 30 jährigen zionistischen Geschichte und nach 27 Jahren Existenz des Misrachi nicht allzu schwer mehr sein, Zionisten verständlich zu machen, was der Misrachi im Rahmen der Organisation bedeutet. Von der restlosen Teilnahme an allem Zionistischen will ich hier nicht sprechen. Es ist eine Selbstverständlichkeit. Aber doch sollte nicht vergessen werden, dass diese Selbstverständlichkeit in manchen Ländern allein die Durchführuug der Aktionen ermöglicht. Beim Fehlen einer misrachistischen Föderation, oder durch ihre Zurückhaltung, wäre manche zionistische Selbstverständlichkeit niemals ins Leben getreten. Aber nicht darum geht es. Wir haben mit eigener Kraft an dem Aufbauwerk unseren Beitrag geliefert, haben insbesoadere auf dem Gebiete, da3 alie schätzen, das aber alle anderen nach eigenem Ermessen betreiben, wir aber auf Grund grösserer Bindungen, dem Erziehungsgebiet, eine Leistung vollbracht, die nicht nur Anerkennung gefunden hat, sondern, was mehr besagt, für die Zukunft des jüdischen Geistes und damit des jüdischen Vulkes ausserordentlich viel bedeutet. Es geht nicht an, dieses Werk zu loben und im übrigen von uns keine Notiz zu nehmen und uns geringschätzend zu behandeln, wie dies so oft geschieht. Dieses Werk und wir gehören zusammen: es wäre nicht ohne uns- Und auch das konnten wir aus eigenem schaffen, dass eine Arbeiterschaft in unseren] Reihen besteht, die die Ideale der Linken aus dem Geiste der jüdischen Lehre und des Gesetzes entwickelt und den Zusammenhang mit dem Ursprung in Selbstverständlichkeit wahrt. Hatte man einen Standort der Sachlichkeit und Unparteilichkeit gewählt, würde man nicht staunen über die schöpferische Kraft und die jugendliche Unverbrauchtheit dieses grossen Teiles der gesetzestreuen Judenallen dreien kannst Du bei der Kongresswahl dienen!

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