Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 6 (6.1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- Seite 72 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 72 Z I 0 N Nr. 6 ständen wesentlich bequemer, eine kleine homogene Gruppe auf dem Kongress zu sein, die von Mal zu Mal die Prinzipien des Judentums der Geschichte, d. h. der Tradition, proklamiert und im Uebrigen sich von schweren Verantwortungen und Verpflichtungen fernhält. In dieser Art Opposition ist manch bedeutende weltanschauliche Partei in manchem Lande gross geworden. Das Fernbleibeu von aller wirklichen Verantwortung erleichtert das innere Erstaiken einer Partei und schützt sie vor Kompromissen, zu der die Mitarbeit leicht führt. Aber diesen bequemen Weg wollten wir nicht gehen, umso weniger, als die Anomalie unserer Galuthlage keiner jüdischen Gruppe das moralische Recht darauf gibt — auch dann nicht, wenn man selbst diesen Standpunkt als berechtigt anerkennen könnte. Wollen wir aber den Aufbau des Landes in die Bahnen der jüdischen Tradition lenken, so müssen wir allerdings darnach streben, eine grosse Föderation mit starker Durchschlagskraft zu sein. Wenn wir an die Orthodoxie appellieren, die Grösse unserer Aufgabe zu erkennen und an ihr teilzunehmen, so geschieht das allerdings, um das Werk zu beschleunigen und schneller unser Prinzip zur Geltung zu bringen. Doch wird die nichtziouistische Orthodoxie diesen unseren Wunsch noch immer als Parteiegoismus ansehen, weil sie sich ja gerade in der Bewertung des Palästinawerkes von uns unterscheidet. Wir wollen allerdings auch heute wieder darauf hinweisen und an die Orthodoxie appellieren, dass man sich historischen Entwicklungen verständnisvoll zuwenden muss, und dass es in der Geschichte oft genug Wendepunkte gibt, wo alles darauf ankommt, „zu verstehen". Bekenntnisse, Anschauungen und Lebensweise reichen nicht immer aus, um solchen Wendepuikten gerecht zu werden. Jene behalten ihre Geltung auch in einer neugeschichtlichen Aera, aber es gilt den Beginn einer neuen Epoobe zu erkennen. Das kann garnicht oft genug gesagt werden. Was aber der Orthodoxie mehr sagen muss, ist ein Appell an sie im Interesse ihres eigenen Schicksals. Die Orthodoxie lässt sich sehr leicht durch gewisse Erfolge und durch die Festigung einiger ihrer Positionen in einigen Landern über die wahre Schicksalslage täuschen. In Wahrheit handelt es sich dabei nur um die Fundamentierung einiger Positionen (Institutionen etc.), die doch nur statischen Wert hat (wie gross übrigens die Einbussen selbst statischer Positionen, wenn man z B. an den Osten denkt, sind, soll nur im Vorübergehen angedeutet werden). Aussichtsvoll und lebenverheissend ist aber nur das, was an Dynamischem vorhanden und wirksam ist. Das lässt sich nicht statistisch erfassen, aber ich glaube, dass auf diesem Gebiete die Orthodoxie, die sich vom Zionismus fernhält, keine Fortschritte gemacht hat, eher stark im Rückgang begriffen ist. Wenn nun demgegenüber argumentiert wird, die Teilnahme der Orthodoxie und vor allem der nicht separatistischen Orthodoxie — und an diese wendet sich ja, wenn auch nicht ausschliesslich, so doch vorwiegend unser Appell — an der Jewish Agency —, eine Teilnahme, die doch wahrscheinlich ist, löse nun befriedigend das Problem, das hier gestreift wird, so möchte ich demgegenüber betonen, dass sie nur einen Teil der Aufgaben damit erfasst und zwar wiederum nur, ich möchte sagen, eine Objektivation, nämlich das Palästinawerk, Palästina als Objekt, Palästina als Aufgabe. Wir möchten der Orthodoxie ins Gewissen reden, dass sie an sich selbst als Subjekt nicht vergesse, denn ihr Schicksal ist nicht gleichgültig, weder für sie, noch für die Gesamtheit, noch für uns. Das Schicksal der Orthodoxie als Gruppe aber erheischt mehr als Beteiligung der Orthodoxie an der Agency, erheischt eine möglichst umfassende Beteiligung an der zionistischen Bewegung, denn das sollte bald Gemeingut all der Juden werden, denen das Judentum das Beherrschende ihres Lebens ist, und in dieser ErwäguDg, wenn auch auf verschiedener Basis, sollten der Zionismus und die Orthodoxie ihre grundsätzliche Nähe erkennen: wir müssen den Angelpunkt erkennen, der das Maximum jüdischen Lebens für die Zukunft sichert. Das aber erscheint uns nur erreichbar, wenn eine grosse zentrale Aufgabe einen möglichst umfassenden Teil der Judenheit vereinigt: ich sehe nur im Palästinawerk — für uns und die Orthodoxie natürlich nur auf dem Boden des Gesetzes erwachsend — eine konkret« Möglichkeit, einen Ansatzpunkt und einen Hebel für dieses grosse Erhaltungswerk zu fioden. Alles, was nur dieses oder jenes Land angeht, alles, was einer Aktualität von entscheidendem Gewicht entbehrt, kann zwar eine Weiter" lührung jüdischen Lebens hier und dort sichern, nichts aber ist im Stande über Tiefpunkte hin wegzuführen, als ein solches konstruktives Werk, wie es das Palästinawerk ist. In diesem historisch wohl beispiellosen Fall können sich alle die die Hand reichen, deren Glut für die jüdische Existenz, für die jüdische Ewigkeit keine Augenblicksregung ist. Die Orthodoxie könnte erkennen, dass ein solches 'Ausmass von Sehöpferwillen und Opferbereitschaft auch bei Menschen, denen die Tradition fremd geworden und kein bewegender Faktor mehr ist, selbst auf dem ureigensten Gebiet der rrnn ^ant^ ^jot^