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Zion · 1929-06-01 · 6 (6.1929) · p. Seite 71

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Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
6 (6.1929)
Date
1929-06-01
Page
Seite 71 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 6 Z I 0 N Seite 71 Listen des Misrachi und Zeire Wahlkreis I (Norddeutschland) Dr. Oskar Wolfsberg, Berlin. Alexander Adler, Berlin. Dr. Je8aja Leibowitz, Köln. Dr. Rudolf Möller, Hamburg. Dr. Em. Schereschewski, Hamburg. Min -Rat Hans Goslar, Berlin. •Misrachi zur Wahl für den Kongress. Wahlkreis II (Schlesien, Sachsen, Thüringen, Süddeutschland, Rheinland und Westfalen). Rabbiner Dr. J. Hoffmann, Frankfurt. Rechtsanw. Erich Michaelis, Hamburg. Lazarus Barth, Berlin. Isidor Werczberger, Leipzig. Benno Kohn, Frankfurt. Reichsliste Seminardozent Dr. Israel Rabin, Breslau. Alexander Adler, Berlin. Der Misrachi und die Parteien. von Dr. Oskar Wolfsberg, Berlin. I. Die Aaseinandersetzung zwischen den Gruppen in der Judenheit ist in der Gegenwart an und für sich schwer genug, da eine Verständigung bei der zunehmenden Parteienbildung und deren Fixierung immer problematischer wird. Vollends zweifelhaft wird eine aussichtsreiche Argumentation anlässlich des Wahlkampfes zu einem Zionistenkongress Beim Leser und insbesondere beim gegnerischen oder indifferenten hat sich die Meinung befestigt, dass alles, was in diesen Tagen gesagt wird, lediglich aus Parteiegoismus geboren ist, dass es sich hier nicht um ein wahres geistiges Ringen und die Klärung der Gedanken handelt, sondern um den grösseren Erfolg geht, also um durchaus Zweckhaftes im niederen Sinne. An diesem Urteil ist nicht nur das menschliche Misstrauen schuld, das gern aus jeder Situation die den anderen schmähenden Gesichtspunkte zn gewinnen sucht, sondern nicht zuletzt alle die, welche im Kampf dns Privileg haben zu sprechen. Ich glaube, dass die Wortführer der Gruppen ein ganz grosses sittliches und auf die Dauer auch jüdisch-politisches Verdienst sich erwerben würden, wenn sie künftig bestrebt wären, Lnr aus starker Ueberzeugung und kritisch gut abgewogener Denkweise herans zn den Gegnern und Fremden in solchen Momenten zu sprechen. — Unter dieser Voraussetzung und in der Absicht, dieser Forderung zu genügen, darf ich beanspruchen, dass die folgenden knappen Ausführungen als etwas mehr denn Demagogie oder Agitation schlechthin geBommen werden. Des Misrachi Stellung vor einem Kongress unterscheidet sich wesentlich von derjenigen der zionistischen Mitte. Wir können und müssen immer wieder ins Feld führen, dass der grosse Gedanke der Totalität des Judentums in unseren Reihen seinen organisatorischen Ausdruck findet, und dass das grosse Ziel des von der gesamten zionistischen Bewegung erstrebten Aufbaus, im Geiste der grossen jüdischen Ueberlieferung zu bewirken, unabhängiger von empirischem Erfolg oder Misserfolg ist und zu bewerten ist, als die eigentliche politische Tagesarbeit. Aehnlich wie die sozialistischen Zionisten von ihrem Standort aus und für ihre besonderen Ziele können wir auf Grund unserer Anschauung darauf hinweisen, dass die Besonderheit des jüdischen Kulturwerkes bisher nur in geringem Ausmass in die Erscheinung getreten ist, und dass unsere ungeheure Fordeiung und ganz besonders die der Zeire Misrachi sich naturgemäss erst in einer nicht zu gering bemessenen Zeitspanne realisieren kann. Das liegt in der Natur alles historischen Geschehens, und deshalb bleibt eine gewisse Nachsicht dem misrachistischen Wollen gegenüber geradezu die Pflicht aller jüdischen Kreise. Statt dessen sehen wir im allgemeinen das Gegenteil. Nirgends und gegen keinen richtet sich in solchem Masse Unbilligkeit und Rj ott wie gegen uns. Dem Einen fordern wir zu viel, dem Anderen erscheint auch unser geistiges Bemühen nnd ernstes Ringen als völlig belanglos und schwach in dir Wurzel. Keiner will erkennen, wie sehr der Dienst an der Gesamtheit, Rücksichtslosigkeit unmöglich m: cht, und das feste Beharren bei der Tradition uns ardererseits zu einer Linie zwingt, die sich nicht krümmen lässt. II. Wenn wir in dieser Stunde uns erneut an die Orthodoxie wenden, um ihr klar zu machen, was wir wollen, und warum wir die Teilnahme aller Kreise der Orthodoxie fordern, die sich nicht mit letzter Entschlossenheit und Härte von der Gesamtheit und vom Palästinawerk losgelöst haben, so treibt uns natürlich dazu auch der Wunsch, unsere Reihen auf dem Kongress zu stärken. Aber selbst dieser scheinbar parteiegoistische Wunsch fliesat aus gesamtjadischen Erwägungen. Für uns wäre es unter Um.

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