Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 5 (5.1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 59 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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ZION Seite 59 verrät bereits den Einffass der modernen Zeit, welche Religion gleich wertet mit Kunst, Wissenschaft and änderen Zweigen des Lebens, oder in ihnen einen Ersatz für Religion erblickt, während nach jüdischer Auffassung das gesamte Leben unter religiösem Gesichtspunkte gewertet wird. Zwar ist in der Achad Haam'schen Formulierung die wertvolle Wahrheit enthalten, dass der in der Entwicklung immer neu erzeugte Geist des Volkes alle Zweige des Lebens der jüdischen Gesamtheit erfasst, und dass das Judentum und seine Kultur sich nicht in Synagoge und Gebetbach erschöpft. Aber das Eine mag hervorgehoben werden, dass der Geist des Judentums tatsächlich der Geist der Religion schlechthin ist, Religion als die alles Leben gestaltende Macht des göttlichen Gesetzes. Das Leben insgesamt mit seinen geistigen, sozialen, wirtschaftlichen Ausstrahlungen untersteht der Norm des Gesetzes, dessen Schöpfer Gott ist. Damit werden alle Zweige des Lebens unter die Herrschaft der Religion gestellt und sub specie aeternitatis betrachtet*). V. Achad Haam ist kein Geguer des Gesetzes. An zahlreichen Stellen spricht er mit wahrer Ehrfurcht von seiner gemeinschaftsbildenden Kraft. Aber er ist, so fühlen wir es oft zwischen den Zeilen, innerlich entzweit. Sein Gefühl, genährt durch die unterirdischen Qaellen der traditionellen Erziehung, wurzelt im Alten, seine Seele lebt noch in der Atmosphäre des Thorageistes; aber sein Verstand hat ia der Naturwissenschaft Fuss gefasst und bringt ihn dem Darwinismus näher. Er ist das Opfer dieses Kotflikts, der ihn in der Kulturfrage keine eindeutige Lösung finden lässt. [Noch ist die Distanz zwischen uns und dem genialen Denker nicht gross genug, um seinem Werke die historische Würdigung widerfahren zu lassen. Aber schon jetzt zeigt die Ideologie des Zionismus, und nicht weniger der Palästina-Aufbau, den unverkennbaren Einfluss Achad Haaras. Er hat das grosse Verdienst, dem rein politisch orientierten Zionismus seiner Zeit den Boden einer jüdischen Kultur- und Weltanschauung gegeben zu haben, und der Nachwelt wird es vorbehalten sein, seine Ideen so zu verwerten, dass auf dem alten historischen Boden der Väter wieder ein Volk erstehe, das gewillt ist, den Faden jüdischer Tradition wieder aufzunehmen und weiterzuspinnen zu einer wahrhaft jüdischen Entwicklung. Es ist die Wiedervereinigung von Lehre, Volk und Land. *) Siehe den Aufsatz von Grünfeld in Nr. 1—3 dieser Blätter. 'Grundfragen religiöser Mädchenerziehung in Palästina. Von Helene Barth, Jerusalem. Es ist in den' letzten Jahren so viel über Mädchenerziehung gesprochen worden, dass wohl keiner, der am jüdischen Leben teilnimmt, den Problemen ganz fernsteht und es genügen mag, sie in Kürze sich noch einmal zu vergegenwärtigen. Die Vernachlässigung der Mädchenerziehung gerade in den gesetzestreuen Massen des jüdischen Volkes, sowohl im Osten Europas, wie im „alten Jischuw* Palästinas, hat sich bitter gerächt. Das junge Mädchen, und gerade das intelligente, das am geistigen Leben seiner Umgebung nicht teilnehmen kann, sucht seinen Wissensdurst an anderen Kulturen zu befriedigen und baut sich eine, der jüdischen ferne geistige Welt auf. Das Mädchen, das nach alter Sitte im Hanse aufwächst und sich mit der kargen geistigen Nahrung, die ihm dort geboten wird, begnügt, ist meist der passivere Typ und ist häufig von Natur oder als Folgeerscheinung eines eingeengten Lebens in seiner Entwicklung gehemmt. Eine tiefe Kluft hat sich aufgetan zwischen Bildung und Teilnahme an modernem Leben einerseits und Gottgläubigkeit und Traditionstreue andererseits. Im Osten Europas hat man zu spät an den verhängnisvollen Folgen die Erziehungsfehler eingesehen; die Orthodoxie in Deutschland hat früher eingelenkt, hat aber durch die relative Leichtigkeit, mit der sie die Synthese zwischen Moderne und Tradition vollzog, einen zu leicht befriedigten Oberflachentypus geschaffen» dem — nicht nur unter den Mädchen und Frauen — traditionstreues Leben gleichbedeutend mit braver Bärgerlichkeit geworden ist. In Palästina Hess man noch bis vor kurzem die Dinge gehen, wie sie gehen, und die Folgen erschrecken heute selbst der Tradition ferner Stehende. Da schritt man, um zu retten, was noch zu retten ist, zur Gründung orthodoxer Volksschulen für Mädchen. Aber sie alleine reichen nicht aus. Nicht nur fehlt es an geeigneten, bewusst traditionsverhafteten Lehrkräften für diese Schulen. Die Volksschulen erfassen fast nur Mädchen aus den Kreisen, die unberührt vom Strom modernen Lebens bleiben, und sie führen die Kinder nur bis an die Grenze des Entwicklungsalters, in dem die eigentlichen Probleme erst auftauchen. Ein Novum war die Gründung einer frommen Mittelschule für Mädchen, der einzigen bis jetzt im Lande, des Lehrerinnenseminars des Misrachi. Eb wurde bei der Gründung dieser Mittelschule die Form . Ihr braucht ihn zur Wahl am 23. Juni!