Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 5 (5.1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 57 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Z I 0 N Seite 57 Kultur frage? Welchem jüdisch empfindenden Menschen ist jüdische Kultur in des Wortes eigenster Bedeutung eine Frage? Sie ist ihm vielleicht ein Problem und eine Aufgabe in dem Sinne, wie man die alten jüdischen Kultur Werte in der Gegenwart verwirklichen könne, um so auch der Gegenwart den Stempel eines reinen jüdischen Geistes aufzuprägen. Die durch Jahrtausende geheiligte jüdische Kultur ist ein unbestreitbares Faktum, und nur der kann sie leugnen, der den jüdischen Werten innerlich fremd gegenübersteht. Eine Kulturfrage innerhalb des Zionismus konnte also erst entstehen, als seelische und gefühlsmässige Bindungen in der Judenheit nicht mehr den Ausschlag gaben, und als durch Assimilation entwurzelte Juden den Weg zu ihrem Volke wieder suchten. Damit war zugleich das Stieben nach einer jüdischen Kultur verbunden, die freilich anders aussah, als die traditionelle, weil sie von Menschen gesucht wurde, denen das Judentum nicht mehr inneres Erleben bedeutete, sondern die durch verstandesmässige Reflexion zum Judentum gekommen waren und darum mit aus der Assimilation stammenden Begriffen eine neue jüdische Kultur schaffen wollten, losgelöst von allen historischen Voraussetzungen der Vergangenheit. Es hat vielleicht Zeiten gegeben, z. B. in den Anfängen des politischen Zionismus, wo namhafte Zionisten die Kulturfrage überhaupt als irrelevant betrachtet haben. Doch diese Zeiten sind vorüber. Seitdem Achad Haams Genius die jüdischen Herzen für die jüdische Kultur entflammt hat, ist das Kulturproblem nie mehr vom Forum des Zionismus verschwunden. Und wenn Achad Haam Heizl nicht verzeihen kann, dass er eine Diskussion über die Kulturfrage auf den Kongressen mit diplomatischer Geschicklichkeit zu verhindern gewusst habe, so dürfen wir mit Genugtuung feststellen, dass die Kulturarbeit heute einen selbstverständlichen und wesentlichen Bestandteil der zio nistischen Arbeit bildet. Wir können es aber doch begreifen, wenn Herzl. und mit ihm seine Mitstreiter unter den russischen Rabbinen, aus Gründen der Erhaltung der Einheit der Bewegung, die Kulturfrage von der Diskussion ausschalten wollte. Man sah, dass die mit grosser Mühe geschaffene Einheit dureh die Behandlung kultureller Probleme gefährdet würde; denn hier scheiden sich die Geister. Eine solche Unterbind ng der kulturellen Probleme hätte aber die geistigen Kräfte nur künstlich zurückhalten , können, bis sie sich nach kurzer Zeit mit elementarer Gewalt von selbst den Weg gebahnt und die Bewegung als solche den schwersten Erschütterungen ausgesetzt hätte. Die Auseinandersetzung musste kommen, und sie kam, als Achad Haam dem einseitig politisch orientierten Zionismus sein /,*pnn it vh" zurief. Es war ein Glück, dass sich „Einer aus dem Volke" tand, der den Zionismus von der zweckhaften Einstellung der Beseitigung der äusseren Judennot ablenkte und ihn wieder auf die im Volksherzen verankerte „Zionsliebe" gründen wollte. Die jüdische Volksseele schwebte in Gefahr, und nur soweit die Judenheit imstande wäre, den gefangenen Volksgeist seiner Fesseln zu entledigen, könnte das Judentum v« r der Auflösung bewahrt werden. Darum ist es, nach Ansicht Achad Haams, die Aufgabe des Zionismus, Palästina aus kulturellen Gründen aufzubauen, als Zentrum jüdischnationaler Kultur. II. So weit können wir Achad Haam folgen, jedenfalls zunächst theoretisch. Welches sind aber die praktischen Konsequenzen? Sollte die zionistische Organisation imstande sein, bei den weltanschaulich stark differenzierten Gruppen, die in ihr vereinigt sind, eine einheitliche Kulturarbeit zu leisten? Hier beginnt die grosse Schwierigkeit, an der eine einheitliche Lösung des kulturellen Problems scheitern muss. Soll das heilige Land auf traditioneller Grundlage, die allein eine Wiedervereinigung mit dem ursprünglichen Volksgeiste verbürgt, neu erstehen? Soll die Kette der Tradition, die durch Emanzipation und Assimilation willkürlich zerrissen wurde, wieder fortgesetzt werden? Oder soll Erez Israel entspreche»^ der Weltanschauung eines grossen Teile» derer, die zwar für Zion Opfer bringen, aber innerlich, der Tradition, fremd und verständnislos gegenüberstehen, nachlediglieb. „modernen" Grundsätzen aufgebaut werden? Welches, ist im letzteren Falle der jüdische Geist und die jü* dische Kultur? Vielleicht dasjenige, was Juden Laus der Diaspora nach Palästina bringen und dort unter jüdischer Flagge als die neue national jüdische Lebens*, form ausgeben? Welches ist der Masstab für daa typisch Jüdische? Achad Haam, in dem sich die beiden: Ströme traditionellen und modernen Denkens vereinigen; aat-., wortet: »D er in der fliessendea Ent»ick.-± lung des j üdischen Volksleben» injanuefred neu erzeugte Geist der NajtijojBri. xmdioA a\9 . . . und wähle die I ' ■■^t.- - — ff isrZch i9Qinsw -tenie* Miste' 1 ,-iffsffi lemeTI