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Zion · 1929-04-01 · 4 (4.1929) · p. Seite 51

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
4 (4.1929)
Date
1929-04-01
Page
Seite 51 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 4 ZION Seite 51 Der erste Programmpunkt zeigte einen jemenitischen Cheder; die Jungen persiflierten ihren eigenen Singsang und den des Lehrers; es war hübsch and lastig. Das gleiche gilt für einige andere Nummern, insbesondere für das Lied eines kleinen Gemüse-Verkäufers. Bei weitem das meiste aber war peinlich und abschreckend. Da stand eine jemenitische Syna goge auf der Bühne; der Thoraschrank war angedeutet; vor ihm hockten Greise, die natürlich von jungen Leuten dargestellt waren, in der charakteristischen Kniehaltung and akzentuierten Psalmen, einschliesslich des im Gebet üblichen Gottesnamens. Da gab es ein Lied auf Tel-Aviv, ziemlich frivolen Inhalts, in der Hauptstimme getragen von einer schon halb berufsmässigen Sängerin in Männerkleidern. Und znm Schlags kam: ein „Chor", Jungens and Mädchen im Alter der letzten Volksschulklasse, in hübscher blauweisser „Kluft", alle natürlich ohne Kopfbedeckung, sangen auf die ödeste, mechanischste, ankünstlerischste Weise die in der palästinensischen Schaljugend gangbaren Lieder, die teilweise allerdings auf religiösen Texten beruhen, aber durch die marschartige, einförmige Melodie, die in dieser Wiedergabe noch besonders unterstrichen wurde, weitgehend säkularisiert sind. Und damit war der Abend zu Ende. Der Abend — doch nicht das Problem. Es stellt Bich etwa so: ein erheblicher Teil -der jemenitischen Jugend nimmt die Bräuche der Väter folkloridtisch, als toten.Spuk, mit dessen Darbietung man ein soziales Hilfswerk verbinden kann. Eine Eigenart, die von ehemaligen Trägern ethnographisch gefasst wird,, ist ihren eigenen nicht mehr lebendig. Lebendig vielmehr ist das Streben nach Europäisierung and Uniformierung, nach der Assimilation mit den „fortgeschrittensten" Jugendgerichten der aschkenasischen Judenheit; dies zeigte der Schluss Chor. Aus solcher Diagnose wird die Aufgabe des Misrachi deutlich. Er ist der einzige, der hier, wohl vor allem mit Hilfe seiner im Poale Misrachi organisierten Jugend und Arbeiterschaft, eingreifen, helfen, retten kann. Er hätte zn zeigen, dass „Europa" ebenso wenig ein letztes Ideal darstellt wie irgend eine andere raumzeitlich bedingte Kulturprägung und dass Europas grosse echte Werte sich weitgehend, wenn auch nicht durch gehend, mit denen des Judentums in Beziehung setzen lassen. Es wäre geradezu verhängnisvoll, wenn die Jemeniten auf ihrem Siebenmeilenmarsch in die Assimilation, bei dem ihnen Palästina eine Durchgangsstation (oft genug in wörtlichem Sinne: die nach Amerika) zu sein droht, nicht eine Synthese vorfänden, die zwischen den Jahrhunderten vermittelt, welche heute so manchen jemenitischen Vater von Beinern Sohne trennen. Der Misrachi selbst hat diese Synthese noch keineswegs verwirklicht; vielleicht hilft auch ihm die neue Aufgabe ein Stück weiter, die er durch das Bündnis mit den jemenitischen Juden auf sich genommen hat. Es ist eine der Misrachi-Idee würdige Aufgabe. g*» sh xvnb onttN bx zu sein. E. S. Von einer Palästinareise. Von Marga Reichenbach, Berlin. Es hat sich in letzter Zeit der Brauch herausgebildet, dass jeder, der aas ^*nte» p# zurückkehrt, auch wenn er nur kurze Zeit im Lande gewesen ist, seinen weniger glücklichen Freunden in p»6 fin über seine Erlebnisse berichtet So Bei auch mir gestattet, dem Beispiel zu folgen. Ich will nicht schildern, unter welchen Umständen ich zusammen mit den übrigen 52 Teilnehmern der Palästina-Jugend-Fahrt, banv* pH erreichte, nicht, wie wir am nwD nyion bin auf der Seereise unsere ruw, die vom Winde über einen Teil des Deckes hinweg verschoben war and schliesslich noch zusammenbrach, wieder aufbauten, will auch nicht besonders hervorheben, in welcher Weise die Küchenkommission, die sich sofort nach Abgang des Schiffes von Marseille konstituierte, für das leibliche Wohl der Jugend-Fahrt- Teilnehmer auf dem Schiffe sorgte, nicht mit welch besonderer Inbrun.it wir uns in jenen Tagen beim gemeinsamen Minjan gen Osten gewandt haben, auch nicht die Spannung, die in der nn tu?enn Nacht beim Lernen, wenige Stunden vor dem Betreten des heiligen Bodens, auf uns lag, schildern, vielmehr aas der Fülle meiner Erlebnisse von der heiligsten Stätte, die zu betreten ans erlaubt ist, dem »nyo ta« berichten. Wohl jeder weiss von dieser Mauer, man kann sich aber keine Vorstellung über das, was sich dort abspielt machen, wenn man nicht Zeuge davon gewesen ist. Sowohl am Wochentag wie am am besuchte ich , die alte Mauer; zwei grundverschiedene Bilder bieten sich dar. Am frühen Morgen kam ich von Tel-Aviv nach Jerusalem. Ich zog durch das Jaffa-Tor in Jerusalem ein, in einem Durcheinander von Kamelen and ihren Führern, schwerbeladenen Eseln, Menschen aas allen Himmelsgegenden, eine Zusammenstellung, wie man sie nur in Jerusalem zu sehen bekommen kann. Männer aus Abessinien in der fantastischen Scheichkleidung der Araber, armenische Priester mit wallendem schwarzen Rock, russische Popen mit langen Locken, in weiss gekleidet, nnd eine Unmenge Araber, barfuss, in zerlumpten Kleidern, Esel vor sich hertreibend, auf ihnen reitend. — Durch die Hauptstrasse der Altstadt führt der Weg, teilweise ist sie überdacht, links und rechts befinden sich Läden von Juden und Arabern, durch die die Besitzer nicht etwa durch Türen ein- und ausgehen können, sie müssen sich vielmehr mittels eines Strickes über den Ladentisch schwingen. Zorn tau biegt eine Seitenstrasse ab, der Weg geht über einen Hügel und durch das Gässchen führen in Felsen gehauene Stufen; stellenweise ist es in d» überdachten Strasse stockfinster. — Die Gässchen, die zum tau führen, sind belagert von jüdischei Bettlern, Gesunden nnd Kranken, die £ie Hand.nausstrecken und ihre Gebrechen zur Schau tragen. Es sind meist orientalische Juden, aus Bagdad, Buchara, Pusltn, Mesopotamien, Aleppo, Jemen

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