Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 4 (4.1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- Seite 52 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 52 Z I 0 N Nr. 4 usw. Nur gezähi.e Worte hebräisch und jiddisch sprechen sie: „mso s'Wiva »nana jn ncypaa" oder „gib a Nedowo\ So führt der Weg zwischen Krüppeln, Blinden, Irren und Gebrechlichen, zur „Klagemauer". Und dann steht man vor dem Sma, in sich gekehrt, die Stirn an die uralte Mauer gepresst — man kann diesen Augenblick nicht Leschreiben — man muss ihn e; leben — links und recUs das Flehen und Jammern alter Frauen, die sich für den kranken Mann oder das Kind von n*"n ein reichliches Mass nana aasbitten, weiter entfernt jammert eine Alte, sie meint, ihr ginge es schlechter als all den Anderen. Wochentags kommen meist Frauen, die sich in höchster Not befinden, zom br»3, um sich dort nach kurzem Aufenthalt Mut für ein weiteres Arbeiten zu holen. Vereinzelt sieht man Batlonim, die gefühllos ihre Portion o'^nn herunterleiern, von drüben, to die Männer ßtehen, hört man schreien und schimpfen, es werden dort kleine Zänkereien ausgetragen. Aber nicht lange, und die st.eitbaren Männer besinnen sich, an welcher Stätte 6ie sich befinden, der Streit verstummt, einer stellt sich zum Gebet an die Wand, kösst den Stein, vor dem er steht, und beginnt mit vor Ergriffenheit bebender Stimme Beine nSsn. Jeder betet hier heiss, inbrünstig und unter Tränen. Ganz anleis das Bild, das sich mir am nnot? mv min auf dem Wege zur Mauer und an ihr bot. — Ein Zug Juden begegnet mir, der gerade vom ^nia kommt, a'te und junge in o*nha gehüllte Männer, mit oneo tanzend, um den min \m. Ich schliesse mich dem Zuge au und komme durch einen engen Hof, eine schmale Treppe hinauf, in die Behausung einer marobkan:schen Familie. Man erkennt mich als Fremde und lädt mich herzlich ein, hineinzukommen. Nach dem cn»p des Hausherrn beginnen d'e Leute, sich mit mir zu beschäftigen. Sie wollen wissen, wie es in der Welt draussen aussieht. Aber Vald erzählen sie mir ihre eigene Geschichte, wie sie nach Erez Israel gekommen sind, wie sie frei leben und sich als Juden fühlen und jeden, dem sein Wunsch, im Lande zu wohnen, noch nicht erfüllt ist, aufs Tiefste bemitleiden. Voll Stolz zeigen sie mir ihren ganzen Besitz, zwei kleine Zimmer, für zehn Pereonen, aber erfüllt von peinlicher Sauberkeit — wie von den Gesichtern dieser Juden die Freude deß aus ov leuchtet, so glänzt es auch aus jeder Zimmerecke — unl eine „Küche", ein Winkel, in dem Platz für z \ ci klein Bänke und einen Schabbosofen ist. No Ji mehrere Vi ohnungen sah ich, bevor ich zum hm kam, überall an diesem Tage zufriedene Mensc'.a, die Sorgen des täglichen Lebens sind an eine;i aita t»i verschwunden. In den Gä9schen, die zur AI mer führen, findet man heute keine Armen uud Klanken, die Bettler von gestern sind heute auch in bunte Kleider gehüllt und ziehen mit allen Anderen, den n*ba über dem Kopf, zum Snia. Man kann sich nur langsam vorwärtsschieben, aber endlich ist das Ziel erreicht Man hört die feiertäglichen Triller eines jtn, man sagt gerade die wnp, und wie ein Mann erhebt sich die ganze Menge himmelwärts: »np <»r»p <»np. Fortwährend kommen neue Leute, man bildet neue cj'sd, die unbekümmert eines um das Andere, das ihre tun: hier wird noch rinnt? gebetet, dort bereits epio, hier geleient, dort geduchent. Ein herrlicher Anblick, vor der alten Mauer diese Menge betender Juden, in D'nSts gehüllt, — ein Gedanke, eine Sehnsucht alle erfüllend — und einigend! Nachrichten aus aller Welt. Misrachi Batik Ltd. Der Aufsichtsrat der Misrachi Bank beschloss in seiner letzten Sitzung, der demnächst stattfindenden Generalversammlung die Zahlung einer Dividende von 5% für das Jahr 192* voranzuschlagen. Die Dividenden, die bisher bezahlt wurden, betrugen für das Jahr 1926 3% und für das Jahr 1927 4%. Misrachi in Bagdad. Die über 100000 Seelen umfassende jüdische Gemeinde Bagdad ist im weiten Masse empfänglich für die Idee des nationalen Judentums und die Wieder belebung des heiligen Landes. Für die Anschauungsweise des Misrachi ist dort ein besonders guter Boden. Im vergangenen Jahre war eine Gesandtschaft des Misrachi unter Führung des Mitglieds des Merkas Raw Fischmann, von der Bagdader Judenheit enthusiastisch aufgenommen worden, was'den Merkas in diesem Jahre veranlasste, Rabbi Jizchak Ornstein von Jerusalem nach Bagdad zu schicken, um dort für den Keren Erez Israel zu arbeiten. Der erste öffentliche Vortrag von Raw Ornstein fand in der ältesten Syaagoge unter Beteiligung von mehr als 2000 Personen statt. Die Aussichten für Schaffang einer starken Misrachi- Organisation in Bagdad sind sehr günstig, jedoch ist es unbedingt erforderlich, daas die Organisierung vom Weltmisrachi mit Energie in die Hand genommen wird und eine dauernde, ununterbrochene Tätigkeit dafür ausgeübt wird. Universität in Jerusalem. Professor Dr. Adolf Fraenkel von der Universität in Kiel wurde zum Direktor des neugeschaffenen mathematischen Instituts an der Universität zu Jerusalem ernannt. Er wird sein neues Amt bereits im Herbst antreten. Prof. Fraenkel ist einer der bedeutendsten Gelehrten auf seinem Spezialgebiet, der Mengenlehre, in Deutschland. Für die junge Jerusalemer mathematische Fakultät bedeutet es ausserordentlich viel, dass sie einen Gelehrten von der Bedeutung Fraenkels für diesen Lehrstuhl gewinnen konnte. Auch für den Misrachi, dem Prof. Fraenkel in langjähriger, treuer Mitgliedschaft angehört, ist es von Bedeutung, dass ein religiös nationaler Führer von den Qualitäten Fraenkels nach Jerusalem übersiedelt, wo er Gelegenheit nehmen kann, aktiv an dem geistigen Aufbau des Landes, auch ausserhalb seines engeren Tätigkeitsfeldes, teilzunehmen. Aber auch Prof. Fraenkel ist zu seiner Berufung zu beglückwünschen. Möge seine Arbeit für Volk und Land ihm innere Befriedigung geben und seine heute schon starke jüdische Persönlichkeit zur vollen Entwicklang und Reife gelingen lassen. Verantwortlich für die Redaktion: Alexander Adler, Berlin N 24, Monbijouplatz 10. Yerlag des „ZION": Alexander Adler, Monbijouplatz 10. Druck: Itzkowski & Co., Berlin N 24, Auguststr. 69..