Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 4 (4.1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- Seite 50 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 50 Z I 0 N tir. 4 ein sachlicher ist, müsste sie den Charakter eines Gelehrten erhalten. So, sollten die zu behandelnden Themen rechtzeitig bekannt gegeben werden, um den Teilnehmern eine gründliche Durcharbeitung des Materials zu ermöglichen. Die Wahl der Teilnehmer hätte mit Hilfe der orthodoxen Parteiorganisationen, jedoch mit möglichster Hintansetzung parteipolitischer Gesichtepunkte zu erfolgen. Die Zahl der Mitglieder sollte etwa auf 50 festgesetzt werden. Diese Zahl ist nicht zu gross, um eine Finanzierung des Unternehmens zu ermöglichen, Andererseits gross genug, um bei der Auswahl so weitherzig zu verfahren, dass alle Richtungen zu ihrem Recht kommen. Der Ort der Versammlung sollte Jerusalem sein. Der Gedanke einer solchen Versammlung ist nicht ganz neu. Eigentlich hat die Agudah mit der rvoia nhns in Wien dasselbe gewollt. Nur ist der Plan infolge allzustarker parteimässiger Bindungen der Einberufer nicht geglückt. Sowohl Agudah wie Misrachi kranken daran, dass beide die ihnen nahestehenden religiösen Führer nicht als richtunggebende Instanzen betrachten, sondern als ^willkommene Rückendeckung ihrer Politik. Dafür zwei Beispiele. Raw Kook hatte sich vor einigen Jahren aus halachischen Gründen gegen das Frauenwahlrecht ausgesprochen. Als in den Kämpfen um die Kneseth Jisrael die Misracbiführer sahen, dass dieser Standpunkt sich politisch nicht halten Hess, suchten sie Raw Kook zum Widerruf zu bewegen und als dies nicht ging, begnügten sie sich mit dem jetzigen Schweigen und ignorierten den alten Entscheid. Und in den jetzigen Kämpfen um den Austritt erscheint der Name ehrwürdiger Rabbiner unter den sachlich kämpfenden Aufrufen von agudistischer Sei e, während andere, die nachweislich grobe Lügen enthalten, ohne rabbinische Unterschriften erscheinen, aber auf das grosse Publikum den Eindruck gleicher Aulorisation machen sollen und machen. Die Einberufung der geschilderten Versammlung würde die Parteien auf ihre Pfl'cht gegenüber den wahren Führern des Volkes erinnern ihren EiDÜuss und damit auch ihren Mut zur Verantwortung stärken. Zugleich wäre damit ein erster Schritt zur Einigung der Orthodoxie, sogar zur Schaffung der bei einem nvbz pzp so notwendigen religiösen Zentralbehörde getan. Zur Jemenitenfrage in Palästina. Wir haben an dieser Stelle vor einiger Zeit über das Abkommen berichtet, das die palästinensische Misrachi Organisation mit der Organisation der Jemeniten geschlossen hat. Dies gibt Veranlassung, etwas näher auf die nicht ganz unkomplizierte Frage der orientalischen Juden überhaupt, und der Jemeniten insbesondere, einzugehen. Wie der Leser vermutlich weiss, liegt Jemen, nach dem die Jemeniten ihren Namen haben, in der südwestlichen Ecke der arabischen Halbinsel. Die dort lebenden Juden sind nach der Ansicht mancher Rasseforscher, z. B. Dr. Fritz Kahns, einst zum Judentum übergetretene Araber; nach Meinung anderer, z. B Dr. Siegmund Feists, bewahren sie noch von der Zerstörung des zweiten Tempels her, altjüdisches Erbgut auf, wenn sie sich auch mannigfach vermischt haben mögen. Wie dem auch sei: jedenfalls befolgen sie alle unsere Vorschriften, richten sich in Zweifelsfällen insbesondere nach den Entscheidungen des Maimonides, der ihnen seit seinem berühmten »Sendschreiben an die Juden in Theman" als eine Art spezieller Nationalheld gilt, tragen noch ausgeprägtere Schläfenlocken als die aschkenasischen Juden, stehen in der Aussprache des Hebräischen zwischen Sephardim und Aschkenasim und haben einen überaus geordneten, scharf rhythmisierten und vom liturgisch zusammengefassten Chor der ganzen Gemeinde beherrschten Gottesdienst. In Jemen ist das Handwerk beinahe monopolartig in ihren Hinden; in Erez Israel üben sie beinahe alle Berufe aus, zu denen schwere und ausdauernde körperliche Arbeit gehört; insbesondere sind sie als Silberschmiede und Kleidersticker (die Männer!) geschätzt. Sie sind bescheiden, genügsam, fromm, ihr reicher Kindersegen kommt freilich beim Bevölkerungsaufbau des Landes noch wenig zur Geltung, da die Kindersterblichkeit wohl in keiner jüdischen Schicht grösser ist als bei ihnen: vielehalten es noch heute für einen ungläubigen Akt mangelnden Gottvertrauens bei der Geburt einen Arzt hinzuzuziehen. Andererseits mag sich so eine gewisse natürliche Auslese bilden, welche die überlebenden Erwachsenen als schöne, schlanke, wenn auch selten mehr als mittelgrosse Männer und Frauen erscheinen ässt, die bei aller Armut etwas ausgesprochen Aristokratisches haben, besonders am Sabbath, wo sie ganz in Weiss angetan sind und sich früher als alle anderen Gemeinden zum Gottesdienst erheben. Sie sind offensichtlich glücklich in Erez Israel sein zu dürfen, obwohl sie von der Zionistischen Exekutive nicht entfernt die notwendige Förderung finden: aber verglichen mit der schweren politischen Bedrückung und wirtschaftlichen Not, denen sie in Jemen selbst dauernd ausgesetzt sind, mag ihnen Palästina doch als eine Art Paradies erscheinen. Und in diesem Paradiese gedenken sie der leidenden Brüder, die in der Diaspora zurückgeblieben sind, Hunger und Verfolgungen erdulden müssen und nicht einmal die geringen Mittel besitzen, um den vorangegangenen Pionieren ins Heilige Land zu folgen. Zur Erleichterung ihrer Lage und zur Vorbereitung weiterer jemenitischen Einwanderungen veranstalten die in Palästina Ansässigen von Zeit zu Zeit Volkskunst- Abende, deren Erlös nach Arabien gesandt wird. Insbesondere ist es die Organisation der jemenitischen Arbeiterschaft, die als selbständige Gruppe neben der allgemeinen Arbeiter-Organisation besteht, welche sich dieser Feste annimmt, das Programm zusammenstellt und bestreitet. Ein solcher Abend nun, der neulich in Jerusalem stattfand, Hess mich die jemenitische Frage noch von einer anderen Seite her sehen: