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Zion · 1929-04-01 · 4 (4.1929) · p. Seite 48

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Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
4 (4.1929)
Date
1929-04-01
Page
Seite 48 (sequence 10)
Language
German
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Seite 48 ZION Nr. 4 nehmen, und es folgt als Antwort Rabinas bekannte Aeusserung, die eine Meinungverschiedenheit zwischen E. JSlieser und R. Josua in diesem Punkte bezweifelt. Auf den ersten Blick ist das eine seltsame Antwort, denn sie entzieht R. Simon ben Lakisch, der sich bisher doch wenigstens auf R. Elieser hätte berufen können, auch noch diese Stütze. Es scheint aber, dass die Diskussion, die in M'gilla und Sch'buot weitergeführt wird, hier kurz abgebrochen wurde (»n vh yitxnb), weil die beiden Fragen nur lose und rein äusserlich zusammenhängen. Im Grunde könnte R. Jochanan sehr wohl der Meinung sein, dass die Heiligkeit der Tempelstätte erloschen ist, und dennoch das Opfern anf Höhenahären nicht allein lür verboten (s. die oben angeführten Tosafot), sondern auch als straffällig eiklären. Andererseits kann R. Simon b. Lakisch vollkommen und ohne Vorbehalt mit R. Josua übereinstimmen, und dennoch auswärtige Opferdarbringung für straffrei halten, solange die Heiligkeit Jerusalems ruht. Damit erklärt sich, was Tosafot z. St. (s. v. t?n v*pb) auffallend findet, dass der Talmud nicht gegen ihn die oben angeführten Einwendungen aus derMischna geltend macht, die in M'gilla den R. Isaak zum Widerruf veranlassen. Es war eben dem Talmud bekannt, dass R. Simon ben Lakisch die Darbringung auf Höhenaltären zwar nicht als strafbar, aber doch für unzulässig hält. Nach dieser Darstellung teilt auch der babylon. Talmud die Auffassung des Jeruschalmi, dass nach R. Josua die rmvm n»np einstweilen nur negativ wirkt, nicht auch positiv sich äussert. Es ist nach wie vor alles verboten, was sie verletzen würde, es ist aber noch nichts gestattet, was nur auf heiligem Boden geschehen darf. Den Grund für diese inkonsequente Einstellung erfahren wir in der Tosefta (pnruD III 6) und im Sifie (Deut. 106) aus dem Munde des R. Ismael, eines jüngeren Zeitgenossen von R. Josua. Aus der Gleichstellung von *itPi*D und "»33 in Deut 14,23 zieht er den Schluss: Wie man Opferflleisch nur im Angesicht des heiligen Hauses in Jerusalem essen darf, so auch Zweiten Zehnt. Und warum, so fragt der Talmud (nisn 19 a, otdt 60 b, mion 21a), setzt er das bei Opfeifleisch so ohne weiteres voraus Hält er etwa die Heiligkeit Jerusalems in unseren Tagen für erloschen? Nein, antwortet Rabina, er betrachtet sie im Gegenteil als unzerstörbar6); aber der Genuss von Opfeifleisch ist von der Darbringung des Blutes, also mittelbar vom Vorhandensein eines intakten Altars abhängig. Und warum, so fragen wir, wurde der Altar nicht wieder errichtet? Weil Rom es nicht gestattet hätte? Vielleicht. Vermutlich aber auch, weil die heilige Stadt nicht mehr nbm war, weil sie leider 133 naiN geworden. Das mag auch die Ansicht des K Jossa gewesen sein. Darum sagt er mit Bedacht nicht: nrnp 6) rtpnp i3Dp ubv;b ist die von Tosafot an allen drei Stellen (am ausführlichsten in nmx 60 b s. v. »kd laop) begründete Lesart. Unsere Ausgaben lesen mit Easchi: n»Tp isop cbyb. nnnS nutnp murtn, sondern vryh nwnpi nryvb mtsnp «nS, um anzudeuten, dass sie inzwischen ruht. Ol }'3'ipDe> »njytatc steht damit nicht in Widerspruch, denn diese Ueberlieferung bezieht sich nicht auf seine Zeit, sondern auf die des zweiten Tempelbaus, wie eingangs gezeigt wurde. Schliesslich sei bemerkt, dass der Lehrsatz des R. Josua noch öfter im Talmud Verwendung findet, aber ohne Nennung seines Namens und ohne Beziehung auf die Mischna in Edujot. An allen diesen Stellen wird die von ihm nun einmal geprägte Formel beibehalten, aber nicht im Sinne ihres Autors gebraucht, sondern in wesentlich erweiterter Bedeutung. So in ruun 3 b and j^in 7 a, wo von der Heiligkeit des ganzen Landes, so in pip 32 b, n^JO 10 a, ruinnp 16 a, wo von ummauerten Städten (Lev. 25,29 f.) die Rede ist. In diesem weiteren Sinne bedient sich auch Rambam b"\ in m»mn nu 'bn 6,1& und in rmanpn ntryo 'bn 19,16 des Satzes ntnp n:wnn n»np «nS "vnyb r\vip\ nnyvb. Wenn auch die erstgenannte Stelle zur Not (um den in na»o eps aufgedeckten Widerspruch mit 'jm jrtaai w *i»yo -bn 7,16 zu beseitigen) so ausgelegt werden könnte, als wäre dort von vergangenen Tagen, der Zeit Ezras die Rede, so lässt die zweite doch keinen Zweifel darüber aufkommen, dass auch heute noch Opfer dargebracht werden könnten, wenn die Stätte, auf der der Altar zu errichten ist, durch Ausgrabungen oder auf andere Weise bekannt würde. Ein neuer Weg. Von Gabor Unna, Jerusalem. Es ist eine allbekannte, und auch im Lager der „Linken" anerkannte Tatsache, dass einer der grössten Schäden der heutigen Judenheit die Schwäche und Zersplitterung der Gesetzestreuen ist. Jeder, der irgendwie an einer Erneuerung und Gesundung des Judentums interessiert ist, muss es aufs Tiefste bedauern, dass ein zahlenmässig so starker und qualitativ bedeutender Teil der Gesamtiudenheit fast lahmgelegt ist und im Kultur- und Geistesleben unseres Volkes kaum noch, jedenfalls nicht seiner Bedeutung entsprechend, zur Geltung kommt. Besonders deutlich kommt dies in Sx*«" zum Ausdruck, das schon heute fast sämtliche geistigen Strömungen im Judentum wiederspiegelt und woselbst die Gesetzestreuen wohl prozentual am günstigsten von allen Ländern der Welt dastehen. Bevor wir nach Wegen zur Ueberwindung dieses Zustandes suchen, ist es notwendig, kurz den Ursachen nachzugehen, die ihn herbeigeführt haben. Der Hauptgrund liegt zweifellos darin, dass das Judentum (durchaus nicht die übrige Welt) sich in einer Periode religiösen Niedergangs befindet. Seit Mendelsohn hat die Orthodoxie Westeuropas, und seit Beginn dieses Jahrhunderts hat die Weltorthodoxie keine allgemein anerkannten geistigen Führer, vom Range etwa Hermann Cohens, hervorgebracht. Wir zehren

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