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Zion · 1929-04-01 · 4 (4.1929) · p. Seite 45

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
4 (4.1929)
Date
1929-04-01
Page
Seite 45 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 4 Z I 0 N Seite 45 suchtsschrei oach Zion ausgestossen, da brach die mörderische Schar herein. Lasset die Heldengestalten der jüdischen Geschichte an uns vorüberziehen! Lasset uns mit ihnen jubeln und weinen! Diese Tränen stören unsere Festesfreude nicht; denn es ist ein süsses Labsal der Seele, einen grossen Schmerz zu hegen. Und nur wer tiefe Schmerzen kennt, kennt tiefe Freuden. Ja, Vieles uad Grosses hat uns dies oaS mn vmn zu künden. War dem Einen Nissan der Wonnemond des Blühens, so erinnert er den Andern an das dj Wunder, und spricht zu ihm als der Mond des Wunderbaren, das die Schranken der langsamen, gesetzlichen Entwickelung durchbrach, sagt ihm, dass über die blos nationale Bedeutung des Festes hinaus der religiöse Inhalt desselben berufen sei, mit der unsterblichen Kraft des Glaubens die Herzen zu rüsten. Wohl hat die jüdische Geschichte, seitdem sie eine Geschichte des Golus ist, die Wahrheit gezeitigt, die ein Weiser also ausspricht: emon rm *bx 13'« »nn -\a*:v oipn bz n^un p nby ntn Die Verbannung lehrte uns: Ueberall wo ein Werden vor sich geht, da ist ein Leiden. Das Neue schafft sich Kaum und muss die Enge des Alten überwinden: aber die Geburtswehen des Werdenden in der Geschichte sind schöpferisch. Alle grossen Neuschöpfungen in der Geschichte bedeuten auch in unserer Geschichte eine Epoche. Aber wir haben in diesen fortwährenden Nöten und Drangsalen an Wunder glauben gelernt: an das Wunder unserer Existenz. Und wenn der Wunder-Mond erscheint, ruft er uns auf, der Wunderbarkeit unserer Geschichte nachzusinnen und unsere Sendung zu erfüllen. Israel hat es gelernt, den Atemzügen d s Werdenden zu lauschen und nicht das Gewordene allein engherzig und unphilosophisch zu betrachten. So feiern wir unsere Freiheit, indem wir das Brot der Knechtschaft essen. Die Lehre will uns vor dem Uebermute der Glücklichen bewahren, will unser Gedächtnis stärken für den Leidensweg, der zur Freiheit führte. Das Brot des Elends erinnert an die grosse Wahrheit, dass ein Jeder die Freiheit sichselbst täglich aut's Neue erringen müsse, um ihrer würdig zu werden. Darum kann nichts erhebender sein, als das herrliche, aus den Tiefen der jüdischen Volksseele erwachsene «»ay Konb «n mit dem wir die Festfeier in der Befreiungsnacht einleiten. Die ganze Tiefe des ägyptischen Elends soll sich unserer Seele enthüllen. Die Lastarbeit der Väter sollen wir auf unseren Schultern fühlen. Die beklemmende Luft der Sklaverei soll uns umstreichen, auf dass wir der göttlichen Gnade für die Freiheit danken können. Daraus ergibt sich aber für uns die Pflicht, derer zu gedenken, die heute noch von der Geissei der Willkür, der Lieblosigkeit heimgesucht sind. Darum: bwi »n»» i'ßan bz jeder Bedürftige komme und esse mit uns. Wir fühlen uns als ein einig Volk von Brüdern. Der Schmerz, das Wehe der leidenden Brüder ist auch der unsrige. Zu uns erhebt sich voll zagenden Verlangens ihre geknickte Seele. Es ist ein erhebendes Bewusstsein, dass die Erkenntnis dieser Pflicht in unserer Zeit Kreise berührt hat, die sonst allem jüdischen Denken und Fühlen fern standen. Nicht ein Almosen fordert die Befreiungsnacht von uns, sondern sie lehrt in der Anerkennung unserer Stammes- und Glaubengemeinschaft erwachsene, selbstverständliche Pflicht erkennen. Aber nicht vom Brote allein lebt der Mensch, sondern von jedem Ausspruch des Ewigen; und nicht für das Brot allein, sondern für den Sieg des Ewigen, Göttlichen, Unsterblichen über das Zeitliche Menschliche, Vergängliche in uns. Darum müssen wir auch der geistigen Not gedenken, die gar viele unserer Brüder davon fernhält, mit uns das Fest der Freiheit zu feiern, rtocn w» -pxn bi jeder Bedürftige komme und feiere das Pessachfest mit. „Wenn Jemand unrein ist, oder auf einem entfernten Wege bei Buch oder Euren Geschlechtern, so soll auch er das Pessachopfer darbringen." Ach, gar mancher ist unrein. Er ist mitten im blühenden Leben vom Tode umfangen: ohne Liebe zum Erhabenen, ohne Ideale, ohne Glauben an das Göttliche, ohne die sieghafte, läuternde Kraft der Ueberzeagong. Und Mancher strebt nach Reinheit und Wahrheit; aber er ist auf entferntem Wege, auf Wegen, die nimmermehr zum jüdischen Heiligtum führen. Ihnen allen gilt die gastliche Mahnung: „Jeder Bedürftige komme und feiere mit.'' Das wäre eine würdige Feier des Freiheitsfestes, wenn die Verirrten herbeiströmten von den fernen Wegen, einer zum andern sagte: sei stark. Lasset uns erklimmen den Berg des Ewigen, dass er uns lehre seine Pfade, dass wir wandeln in seinen Wegen! Die Heiligkeit der Tempelstätte. Von E. - B a n e t h, Berlin. Die neuerdings wieder von hervorragenden Talmudgelehrten umstrittene Frage, ob uns gestattet ist, den Boden zu betreten, auf dem einst der heilige Tempel stand, ist bei der hervorragenden Stellung, die heute •jjnB» p« im Interessenkreis aller jüdischen Fragen einnimmt, besonders aktuell. Ist sie zu bejahen, so könnten die vielen heute in das Land unserer Väter wallfahrenden religiösen Juden auch den Tempelplatz betreten und zu den vielen Stunden andächtigen Sichversenkens in unsere Vergangenheit, eine weitere hinzufügen. Ist sie zu verneinen, dann bleibt der gegenwärtige Zustand bestehen, der vielen wohl oft schon das Herz schwer machte, wenn sie in greifbarer Nähe, und doch so fern, vor der Stätte früherer Herrlichkeit in Ehrfurcht erschauernd stehen bleiben, nuyn »b nctn -|»3»ys Tnuon. Einer der belesensten und gründlichsten Kenner der rabbinischen Literatur, der ehrwürdige R. Noa Braver, früher Rabbiner in Polen, jetzt in Jerusalem, hat diese Frage in den letzten Jahren aufs neue einer Prüfung unterzogen und das Ergebnis seiner Untersuchung unter dem Titel ynbn >nVi veröffentlicht. Er

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